Es ist ein wahrer Flickenteppich, auf dem sich Forchheims größter Tourismusmagnet befindet. Ein Gewölbe aus unendlich lang laufenden Erbpachtrechten, Schankplatzrechten, Pächtern und Unterpächtern, alles auf einem Boden, der eigentlich komplett der Stadt gehört. Klingt verwirrend? Ist es auch!
Denn besonders die verzwickte Rechtslage ist Grund für einen nicht länger zu leugnenden Sanierungsstau im Kellerwald. Während dieses Problem schon auf dem Weg zur Lösung schien, trifft ein neues Problem den Kellerwald. Denn nun sorgt das massive Haushaltsloch in Forchheims Stadtkasse für einen weiteren Grund für vertagte Sanierungen.
Wem gehört eigentlich der Forchheimer Kellerwald?
Doch zunächst einmal zurück zur verzwickten Rechtslage, mit der die Stadtverwaltung am Kellerwald schon lange zu kämpfen hat. „Denn schon wem am Kellerwald was gehört, ist keine leichte Erklärung“, sagt auch der Zweite Forchheimer Bürgermeister und Kellerwaldbürgermeister Udo Schönfelder im Gespräch mit der Redaktion. Angefangen bei den Kellerstollen.
Deren Besitz ist per Erbpacht geregelt, dementsprechend gehören die Stollen den Nachfahren der ehemaligen Kellerbesitzer, heutzutage also hauptsächlich Einzelpersonen und Erbengemeinschaften. Da diese aus der Zeit vor dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) stammen, gibt es für deren Erbpacht auch keine Fristen. Auch einige gemauerte Häuser im Kellerwald stehen unter Erbpacht, allerdings mit neuerem Datum nur mit einer Frist von 99 Jahren, wie beispielsweise am Winterbauer-, Kaiser- oder Weiß-Tauben-Keller.
Stadt kauft Erbpacht- und Schankplatzrechte
Etwas leichter wird es beim tatsächlichen Boden, auf dem die einzelnen Bierkeller stehen. „Die Oberfläche gehört der Stadt Forchheim“, betont Kellerwaldbürgermeister Schönfelder. Und damit eigentlich auch die tatsächlichen Kellerbetriebe. Deren Besitz wird über die Schankplatzrechte geregelt. Sowohl diese Schankplatzrechte als auch die Erbpachtrechte für die Kellerstollen wollte die Stadt nun nach und nach von den einzelnen Besitzern erwerben. „Ansonsten können wir keine Steuergelder an den einzelnen Kellern zur Sanierung nutzen“, erklärt Bürgermeister Schönfelder.
Bis 2023 hatte sich diesbezüglich auch einiges getan, von den insgesamt 23 Bierkellern im Kellerwald gehören der Stadt zum derzeitigen Stand neun Stück. Namentlich der Blümleins-, Schwanen-, Eichhorn-, Glocken-, Nürnberger-Tor-, Schäffbräu, Fritz-Schneider-, Kronen- und Rappen-Keller.
Sanierung stockt durch Haushaltssperre
Eine Zahl, an der sich so schnell auch nichts mehr ändern wird, denn auch am Kellerwald macht das durch Gewerbesteuerausfälle entstandene Haushaltsloch Probleme.
„Wir haben bis auf Geld, das für Notfälle zurückgelegt wird, alle Investitionsgelder für den Kellerwald erst mal gestrichen“, erklärt Schönfelder, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Finanzausschusses ist. „Damit wir bei unserer kommunalen Sicherheit und unseren Kindern beziehungsweise den Schulen nicht sparen müssen, müssen dafür erst mal Gelder bei der Kultur, also auch am Kellerwald eingespart werden“, führt er fort. „Damit müssen wir uns jetzt abfinden, um aus dieser Krise herauszukommen“, so der Zweite Bürgermeister.
Schönfelders Plan, einen Muster-Keller als Vorzeigeobjekt zu errichten, läuft wegen Zuschüssen weiter.
Das sagen die Forchheimer Kellerwirte
Akzeptanz, die inzwischen auch schon teilweise bei den Kellerwirten selbst eingetroffen ist. „Ändern können wir daran jetzt ohnehin nichts mehr. Wir als Wirte müssen damit jetzt leben und das Ganze ein Stück weit selbst in die Hand nehmen“, erklärt Hofmanns-Keller-Wirt Haldun Yildirim auf Nachfrage der FT-Redaktion. „Wenn jeder an seinem Keller etwas macht, erhält der Kellerwald auch so eine Aufwertung“, fügt er hinzu. Vielleicht eine recht einfache Aussage, denn Yildirim ist am Hofmanns-Keller sein eigener Herr. Als er den Keller im Frühjahr erwarb, verzichtete die Stadt Forchheim auf ihr Vorkaufsrecht für die Erbpachten.
Anders trifft die verzwickte Finanzlage der Stadt die Kellerwirte, deren Keller inzwischen im Besitz der Stadt selbst stehen, so auch Bruno und Kristi Alberti vom Eichhorn-Keller. „Natürlich sorgen wir dafür, dass am Keller alles sauber und ordentlich bleibt, aber größere Sanierungen am und rund um den Keller scheint es erst mal nicht zu geben“, erklärt Bruno Alberti.
Am Eichhorn-Keller selbst werden diese auch nicht dringend benötigt, allerdings an den angrenzenden Mauern. „Wenn die Mauern nicht saniert werden und die Bauzäune dort weiter stehen, haben wir auch weniger Sitzplätze und somit auch weniger Umsatz“, so Alberti. Besonders bitter, da dieses Problem bereits beim erbitterten Volksfestkonkurrenten – der Erlanger Bergkirchweih – wohl schon gelöst wurde. „Ein Jahr standen dort vielleicht mal Bauzäune an den Mauern und dann war das Ganze aber auch schon wieder einsatzbereit“, lamentiert Alberti.
Forchheimer Annafest in Gefahr?
Dass sich der Sanierungsstau langfristig negativ auf das Annafest und den Kellerwald als Tourismusmagnet auswirkt, denken die befragten Wirte aber nicht. „Ich sehe das Annafest und den Kellerwald als Standort dadurch nicht in Gefahr“, sagt Yildirim auf Nachfrage. Auch die Familie Alberti sieht den Kellerwald nicht langfristig bedroht. „Natürlich ist es schade, aber trotz aller Kritik sind wir in guten Gesprächen mit der Stadt, damit es bei uns gut weiterlaufen kann“, erzählt Kristi Alberti abschließend.
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