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Bierland Franken
Warum Franken trotz Brauereisterben Bierland bleibt
Bierkultur in FrankenForchheim & Fränkische Schweiz
Franken feiert sein Bier: Für viele Menschen ist es mehr als ein Getränk – es gehört zur regionalen Identität, zur Bierkultur und zur Geselligkeit. // Stephan Großmann
Forchheim – Deutschland verliert Brauereien und der Bierabsatz sinkt. Trotzdem bleibt Franken mit 302 Brauereien Deutschlands bedeutendste Bierregion. Warum Vielfalt, Regionalität und Bierkultur wichtiger werden.

Deutschland verliert Brauereien. Seit 2019 sind 137 verschwunden. Gleichzeitig trinken die Deutschen deutlich weniger Bier als noch vor zehn Jahren. Eigentlich müsste das Herz der deutschen Bierkultur schwächer schlagen. Doch ausgerechnet in Franken scheint das Gegenteil zu passieren. Zwar sinkt auch hier die Zahl der Brauereien. Gleichzeitig wächst die Lust auf regionale Biere, handwerkliche Vielfalt und besondere Geschichten. Nicht die Menge entscheidet heute über den Erfolg einer Brauerei, sondern Vielfalt, Regionalität und Persönlichkeit.

Warum immer mehr Brauereien schließen

Für Markus Raupach, Biersommelier und Kenner der fränkischen Brauszene, liegen die Gründe nicht nur im sinkenden Bierkonsum. „Die fränkischen Brauereien stehen heute vor ganz anderen Herausforderungen als früher. Vor allem finanziell.“ Wo einst die ganze Familie mit anpackte, braucht es heute Personal, Investitionen in Millionenhöhe und häufig auch einen Nachfolger, der den Betrieb übernehmen möchte. Das sei längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Warum die fränkische Bierkultur trotzdem stark bleibt

Trotzdem bleibt Franken einzigartig. Mit 302 Brauereien steht mehr als jede zweite bayerische Brauerei in den drei fränkischen Regierungsbezirken. Für Raupach liegt das nicht allein an der Zahl der Brauereien, sondern an den Menschen. „Das sind Genusstrinker. Das sind Bierkenner, keine Biertrinker.“ Bier sei hier mehr als ein Getränk – es gehöre zur regionalen Identität. „Man entscheidet sich für eine Gaststätte anhand des Bieres, das dort ausgeschenkt wird“, sagt Raupach und lacht. „Wo sonst hat man so was?“

Bier in Franken: Weniger Kasten, mehr Vielfalt

Genau diese Bierkultur verändert sich. Wo früher oft ein Kasten Helles im Einkaufswagen landete, greifen viele heute gezielt zu einzelnen Flaschen und besonderen Sorten. „Die Leute kommen zu uns, sie suchen sich ein paar Flaschen aus – ausgewählte Sorten, keinen Kasten“, sagt Braumeister David Hertl von der Braumanufaktur Hertl. Für ihn ist genau das die Stärke Frankens. „Franken ist das Paradies der Biere.“ Große Brauereien mit Billigangeboten hätten es deshalb schwer. „Wir wollen kein billiges Bier. Wir wollen unsere fränkische Vielseitigkeit im Glas haben.“

Diese Entwicklung beobachtet auch Georg Rittmayer, Präsident des Verbands Private Brauereien Bayern. In einer Pressemitteilung zum Rückgang der Brauereizahlen erklärt er: „Die Menschen in Deutschland wollen weiter regionale Biere und Produkte, die mit Herz handwerklich hergestellt werden.“

Annafest zeigt den Wandel der fränkischen Bierkultur

Dass diese Entwicklung funktioniert, zeigt Nicholas Mohnlein vom Neder Keller im Forchheimer Kellerwald. Für das Annafest ließ er gemeinsam mit Hofmann Bräu nach einem alten Familienrezept das neue Festbier „Gunda“ brauen. Zum Rezept gehörte auch ein historischer Hopfen, den die Brauerei eigens wieder angebaut hatte. Die Sorge, dass Stammgäste das neue Bier ablehnen könnten, erwies sich als unbegründet. Im Gegenteil: Viele wollten das Bier sogar in Flaschen mit nach Hause nehmen. „Im Vergleich zum Vorjahr habe ich fast doppelt so viel Bier verkauft“, sagt Mohnlein – auch wenn das gute Wetter seinen Anteil gehabt haben dürfte.

Für ihn zeigt das vor allem eines: Bier muss heute mehr bieten als Geschmack. „Bier erzählt eine Geschichte. Wer dieses Storytelling nicht hinbekommt, der ist schnell weg vom Fenster.“ Für Mohnlein ist der Erfolg von „Gunda“ der Beleg dafür, dass viele Gäste heute bewusst Neues ausprobieren und regionale Ideen schätzen.

Brauereien setzen auf alkoholfreie Getränke und neue Ideen

Der Wandel betrifft jedoch nicht nur das Bier selbst, sondern das gesamte Angebot der Brauereien. „Brauereien müssen wieder zu Getränkespezialisten werden und auch mal was anderes als nur Bier wagen“, sagt Raupach. Auch wirtschaftlich sieht Rittmayer Anzeichen für den Wandel. In derselben Pressemitteilung schreibt er: „Vor allem alkoholfreie Biere und alkoholfreie Erfrischungsgetränke verzeichnen ein deutliches Wachstum und kompensieren Absatzverluste im alkoholhaltigen Biersegment, was bei unseren Mitgliedsbetrieben zum Teil dazu führt, dass sie sogar entgegen dem allgemeinen Branchentrend wachsen.“

Warum Brauereien für Franken mehr als Wirtschaft sind

Trotz aller Herausforderungen blickt Raupach vorsichtig optimistisch nach vorn. Wahrscheinlich werde es künftig weniger Brauereien geben. Das müsse jedoch nicht das Ende der fränkischen Bierkultur bedeuten. Entscheidend sei, dass die Menschen ihre Brauereien unterstützen.
„Wenn eine Brauerei schließt, verliert die Gemeinde ihr Herz“, sagt Raupach. Oft seien Brauerei und Brauereigaststätte der Mittelpunkt des Dorflebens – Treffpunkt, Wirtshaus und Ort der Begegnung zugleich. „Man muss dem Brauer und dem Wirt auch spüren lassen, dass es einem wichtig ist, dass es ihn gibt.“

Oder, wie David Hertl es formuliert: „Mit jeder Brauerei, die stirbt, stirbt auch ein Stück fränkischer Bierkultur.“

Deutschlands Brauereien in Zahlen

Deutschland

  • 1415 Braustätten (2025)
  • 137 Brauereien weniger als 2019

Bayern

  • 588 Braustätten
  • Rund 42 Prozent aller deutschen Brauereien

Franken

  • 302 Brauereien
    • Oberfranken: 170
    • Mittelfranken: 76
    • Unterfranken: 56

Bierabsatz

  • Deutschland: 7,8 Milliarden Liter Bier (2025) 
  • Vor zehn Jahren: 9,6 Milliarden Liter 

 

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