Der Vorteil beim Rasenkraftsport sei, dass nicht nur Alter, sondern auch das Gewicht eine Rolle spielt. Dieter Rzehak (72) startet in der Gewichtsklasse bis 80 Kilogramm, sein Bruder Günter Rzehak (70) in der Gewichtsklasse über 80 Kilogramm. So kämen sich die beiden nicht in die Quere, sagt Dieter. Doch sowieso würden sich die Brüder stets gegenseitig unterstützen. „Wir geben einander Tipps und trainieren zusammen“, sagt er.
Ihr Rezept zum Erfolg, Unterstützung statt Konkurrenz, scheint aufzugehen: Im Oktober dieses Jahres wurden beide Brüder in ihrer Gewichtsklasse bayerischer Meister der Senioren im Rasenkraftsport. Und auch als Mannschaft holten die beiden Brüder den bayerischen Meistertitel.
Kraftsport mit drei Disziplinen
Der Rasenkraftsport besteht aus drei Disziplinen: dem Steinstoßen, Gewicht- und Hammerwerfen: „Der Stein beim Steinstoßen schaut aus wie ein Backsteinkäs, bloß größer und schwerer“, sagt Dieter Rzehak. Beim Hammerwerfen wird, anders als der Name vermuten lässt, kein Hammer, sondern eine Metallkugel an einem Stahldraht geworfen: „Und das Gewichtwerfen ist ähnlich wie das Hammerwerfen, nur an einem kürzeren Draht“, erklärt er.
Die letzten Gründungsmitglieder des Vereins SC Preußen Erlangen
Im Winter trainieren die Brüder im Kraftraum, im Frühjahr geht es dann raus auf den Rasen für das Techniktraining. Es sei wichtig im Winter genug zu trainieren, um Verletzungen zu vermeiden, erklären die Brüder. „Im Winter wird der Athlet gemacht, so hat der Vater immer gesagt“, sagt Günter Rzehak.
Beide trainieren fast täglich. Einen Trainer haben sie nicht: „Wir trainieren in Eigenregie“, wie Dieter Rzehak sagt. In den 70er Jahren habe er zusammen mit seinem Bruder den Verein SC Preußen Erlangen gegründet: „Nächstes Jahr wird der Verein 45 Jahre alt. Mein Bruder und ich sind die letzten Gründungsmitglieder, die noch im Verein aktiv sind“, sagt Dieter.
“Wenn man bei einem Wettkampf gewinnt, ist es natürlich doppelt schön, aber wenn nicht, dann ärgere ich mich auch nicht weiter.
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Rasenkraftsport durch Vater Rzehak als Senioren wieder für sich entdeckt
„Als Jugendliche haben wir Fußball gespielt und Leichtathletik gemacht. Das hat sich dann mit 17, 18 Jahren verlaufen, da kamen die Disko Jahre“, erklärt Günter Rzehak. Mit der Vereinsgründung des SC Preußen Erlagen seien sie ein paar Jahre nach den besagten Disko Jahren wieder eingestiegen und hätten dann mit dem Rasenkraftsport begonnen.
Doch als sie selbst Familien gründeten, war es erstmal wieder vorbei mit dem Rasenkraftsport: „30 Jahre lang haben wir nichts mehr gemacht und dann plötzlich haben wir bei einem Wettkampf vom Vater zugeschaut und dann dachten wir: Mensch, wir könnten eigentlich auch mal wieder Rasenkraftsport machen“, sagt Günter Rzehak.
„Im Endeffekt läuft immer alles auf unseren Vater raus“
Zur Freude ihres Vaters begannen die Brüder wieder mit dem Training und nahmen an Wettkämpfen teil. „Aber so fanatisch wie der Vater waren wir beide nie. Ich mache das aus Spaß. Wenn man bei einem Wettkampf gewinnt, ist es natürlich doppelt schön, aber wenn nicht, dann ärgere ich mich auch nicht weiter“, sagt Günter Rzehak.
Dieter Rzehak war bei der Bundeswehr und arbeitete danach als Werkzeugbauer. Günter Rzehak arbeitete bis zu seinem Ruhestand als Elektriker. Eigentlich wollte er eine Ausbildung zum Metzger oder Fliesenleger machen, doch sein Vater sei dominant gewesen und habe alles über seine Kontakte geregelt: „Im Endeffekt läuft immer alles auf den Vater raus. Er hat ja in der Umgebung alle gekannt: Wenn du irgendwas gesagt hast, dann hieß es: nichts da, du lernst bei meinem Bekannten, ich hab schon angefragt“, sagt Günter Rzehak.
“Freunde, das war der letzte Wettkampf – ein Wettkampf ohne Gegner macht keinen Spaß.
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Vater Richard Rzehak nahm noch mit 92 Jahren an Wettkampf teil
Letztes Jahr verstarb der Vater der beiden, Richard Rzehak, mit 94 Jahren an Altersschwäche. Der Effeltricher dominierte jahrelang den Rasenkraftsport und war ebenso im SC Preußen Erlangen aktiv. Bis zuletzt blieb er begeisterter Rasenkraftsportler, wie Dieter Rzehak sagt: „Die letzten acht Monate war er Alters bedingt körperlich nicht mehr so gut drauf, aber mental war er bis zuletzt auf höchster Höhe und hat uns Tipps zu Technik im Rasenkraftsport gegeben.“
An seinem letzten Wettkampf, die bayerische Meisterschaft im Jahr 2022, nahm Richard Rzehak im Alter von 92 Jahren teil. Doch in der Altersklasse Ü90 gab es keine Kontrahenten mehr, erklärt Dieter Rzehak: „Bei der Siegerehrung hat mein Vater sich dann das Mikro geschnappt und von allen Sportlern verabschiedet und gesagt: Freunde, das war der letzte Wettkampf – ein Wettkampf ohne Gegner macht keinen Spaß.“
Nicht nur gegeneinander: Rasenkraftsport bedeutet Gemeinschaft
Dieter Rzehak und sein Bruder hoffen, dass sie noch lange auf Wettkämpfe fahren werden: „Wettkämpfe geben uns den Ansporn zu trainieren. Und es ist eine sehr gute Gruppe, man kennt sich natürlich. Es sind immer dieselben Gesichter.“ Rasenkraftsport-Wettkämpfe sind für die Brüder also nicht nur ein Gegeneinanderantreten, sondern vor allem auch ein Zusammenkommen. „Es ist wie eine große Familie. Und durch unseren Vater sind wir auch überall bekannt. Dann heißt es, ah da sind dem Richard seine Buam“, sagt Günter Rzehak.
Ihre eigenen Kinder machen keinen Rasenkraftsport, sagen beide. „Das ist ja das Problem“, sagt Günter und lacht. Er erklärt: „Dieter und meine Kinder machen alle Sport, gehen ins Fitnessstudio und fahren viel Fahrrad. Aber Rasenkraftsport ist nicht ihres. Obwohl wir sie gut gebrauchen könnten!“
Ihr Vater Richard Rzehak, der letztes Jahr verstarb, war lange, wie seine Söhne, Teil der Rasenkraftsport-Gemeinschaft – und ist es irgendwie auch noch über seinen Tod hinaus: „Wir haben die Urnenbeisetzung verschoben, damit wir bei den Meisterschaften mitmachen können: Das hätte er so haben wollen, ich denke, da haben wir alles richtig gemacht“, sagt Dieter Rzehak.













