0
Wolfsberger Ehrenvorsitzender
Wo ein Will(e) , da ein Weg
Marcus Egloffstein (r.), jetziger Vereinschef des SV Wolfsberg, vertraut immer noch gerne auf die Ratschläge von Ehrenvorstand Günter Will (links)  zur Platzpflege.Forchheim & Fränkische Schweiz
Marcus Egloffstein (r.), jetziger Vereinschef des SV Wolfsberg, vertraut immer noch gerne auf die Ratschläge von Ehrenvorstand Günter Will (links) zur Platzpflege. // Karin Hühnlein
Signet des Fränkischen Tags von Redaktion
Wolfsberg – Günter Will ist Ehrenvorsitzender des SV Wolfsberg. Am Mittwoch, 10. Juli, feiert er seinen 70. Geburtstag. Eine Zeitreise

Günter Will ist Ehrenvorstand beim SV Wolfsberg und begeht am Mittwoch, 10. Juli, seinen 70. Geburtstag. Nur sechs Tage nach dem historischen 3:2-Sieg Deutschlands gegen Ungarn in Bern samt erstmaligen Weltmeistertitel flog der Storch durchs Trubachtal. Es war wohl eine Woche voller Freude in der Familie seiner Eltern in Sorg, einem winzigen Ortsteil von Wolfsberg (heute Obertrubach), der damals wie heute aus weniger als zehn Häusern mit ebenso wenigen Einwohnern besteht. Der 10. Juli 1954, ein bewölkter und leicht regnerischer Samstag, sollte noch zu einem Glückstag für den örtlichen Fußballverein werden, der als SV Wolfsberg freilich erst 13 Jahre später im knapp 200-Seelen-Örtchen aus der Taufe gehoben wurde;.

Denn der „Haul“, wie der Günter im Dorf genannt wird und ihn die Fußball-Szene im Oberland der Fränkischen Schweiz kennt, gehört noch zu jenen Enthusiasten, die zeitlebens ihrem Heimatverein treu bleiben. Mit Haut und Haaren, samt Familie. Erst als aktiver Kicker, dann als Übungsleiter im Nachwuchsbereich und schlussendlich als Funktionär bis zur Vereinsführung. Seinen Spitznamen verdankt er wohl einer Jugendfreundin namens „Hauline“. Für die Kumpels war er ab da der Haul.

Beim Vereinsausflug des SV Wolfsberg im Südtiroler Sand in Taufers lernte Günter Will (Fünfter von links) 1975 seine spätere Ehefrau Marietta kennen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Beim Vereinsausflug des SV Wolfsberg im Südtiroler Sand in Taufers lernte Günter Will (Fünfter von links) 1975 seine spätere Ehefrau Marietta kennen. // Vereinsarchiv SV Wolfsberg

Ab 1971 kam der damals 17-jährige Günter zum 1967 gegründeten Heimatverein und stand bald schon als Führungsspieler und Torschütze im Herrenbereich seinen Mann. Am Ende der Laufbahn sollten weit über 1000 Spiele im orange-blauen Trikot zu Buche stehen. Schon damals reifte der Gedanke, eine Nachwuchsriege der Wölfe zu entwickeln, denn Jugendarbeit lag ihm schon früh am Herzen. Parallel zu seinen inzwischen vielen Funktionen, bastelte er im Hintergrund am Aufbau der Teams, obwohl der Ort im malerisch gelegenen Trubachtal nie mehr als 200 Einwohner hatte.

Kurz darauf coachte Will ein A-Jugendteam, in der auch deutlich jüngere Jahrgänge mitmischen mussten, um eine Elf zu stellen. Er errang mit ihnen binnen acht Jahren zwei Meistertitel und stieg bis in die Kreisliga auf. Unter Mithilfe von Erwin Egloffstein, Klaus Zellmann und Helmut Winter, die ihn tatkräftig in der Vereinsarbeit entlasteten. Danach übernahm Will als Spielleiter acht Jahre lang das Herren-Team, für das er gleichzeitig auf dem Rasen stand. Er gab das Amt erst auf, als er 1986 als Stellvertreter in die Vereinsspitze wechselte und von 1990 bis 2014 das Rudel der Wölfe sogar anführte.

Während eines Vereinsausfluges 1975 nach Sand in Taufers in Südtirol verliebte sich der damals 21-jährige Sorger in die um zwei Jahre jüngere Marietta, einer „echten“ Wolfsbergerin. 1977 wurde geheiratet und nach Sohn Bernd kamen die beiden Töchter Tanja und Maria. Gattin Marietta wuchs schnell ins Vereinsleben ein und stärkte all die Jahre ihrem Mann beim SVW nicht nur den Rücken, bis heute leistete sie unzählige freiwillige Stunden bei nahezu jeder Veranstaltung. Egal, ob in der Küche, im Service oder im Ausschank - an der gerade abgehaltenen Vereins-Kerwa stand sie wieder mehrere Tage ambitioniert im Dienst, was auch auf die eigenen Kinder abfärbt. Diese sorgten inzwischen für zwei Enkelbuben und wenn es nach dem Opa geht, „natürlich künftige Fußballer“.

Bei den SVW-Oldies war Günter Will (hintere Reihe, Zweiter v. r.) noch lange aktiv, erst mit 60 Jahren hing er die Schuhe an den Nagel.Forchheim & Fränkische Schweiz
Bei den SVW-Oldies war Günter Will (hintere Reihe, Zweiter v. r.) noch lange aktiv, erst mit 60 Jahren hing er die Schuhe an den Nagel. // Vereinsarchiv

Sohn Bernd übernahm 2014 den Staffelstab von Günter und führte den SVW bis 2020, womit der inzwischen seit 57 Jahren bestehende SVW mehr als die Hälfte dieser Zeit (24 Jahre Günter und 6 Jahre Bernd) von einem Will geleitet wurde. Der 38-jährige blickt in die Kindheit zurück und hat die Nöte seines Vaters miterlebt: „Trotz widrigster Zeiten hat Papa den Verein nie im Stich gelassen. Ich erinnere mich daran, dass er Samstag und teilweise noch Sonntag früh bis Mittag telefonierte, um eine Mannschaft aufzustellen. Das waren die „harten“ SVW-Jahre. Sein Mantra war immer, wenn die Jugend rauskommt, wird alles besser.“

Und Haul sollte Recht behalten. Binnen weniger Jahren Mitte der 90er steigerte sich durch ständig neue Veranstaltungs-Ideen das Vereinsleben, was gleichsam mehr Aufmerksamkeit im regionalen Umfeld erzeugte. Die zur Saison 1994/95 unter seiner Hand gegründete E-Jugend, die er bis zur Altersklasse D-Jugend begleitete, heimste schon in jüngsten Spieljahren Meistertitel ein. Daraus wurde jene „Goldene Generation“ der Geburtsjahre 1987 bis 1990, die im Gros des damaligen Kerns heute noch immer kickt und alles Eigengewächse sind. Infolgedessen kam im sportlichen Bereich Leben in die Bude, denn plötzlich waren Spieler aus Nachbarclubs bereit zu den Wölfen zu wechseln, die von der Geselligkeit und Kameradschaft hörten.

Von der Konkurrenz ob ihrer Bemühungen in den ersten vier Jahrzehnten meist milde belächelt, zeigten die „Wölfe“, so der Kampfname, unter Meister-Spielertrainer Andreas Kroher erstmals Zähne. Er übernahm ab 2006 und formte aus den Jungspunden bis 2011 fertige Kicker, die erstmals aus der A-Klasse (einstige C-Klasse) in die Kreisklasse aufstiegen, sagt Bernd Will: „Auf 2010 und 2012 war Papa besonders stolz, weil es „seine Jungs“ waren, die aufstiegen. Und prompt wieder abstiegen. Doch dieser Betriebsunfall wurde 2012 umgehend mit dem Wiederaufstieg unter dem neuen Spielertrainer Reinhard Häfner repariert.

Ungewöhnlich war aber schon, dass seinerzeit binnen drei Jahren plötzlich etwa ein Dutzend Jungs das Licht der Welt erblickte, im nicht allzu großen Ort. Ob der erste Nachwuchs von Familie Will mit Söhnchen Bernd (Jahrgang 1986) womöglich andere Vereinswölfe animierte, es gleichzutun, oder Haul gar als Oberwolf einen Befehl an sein Rudel gab, ist aber reinste Spekulation.

In den letzten eineinhalb Jahrzehnten sorgten „Hauls Buben“ für Furore, diese gipfelte mit den erstmaligen Aufstiegen 2021 in die Kreisliga und 2023 die Bezirksliga. Freilich auch durch die 2015 eingegangene Spielgemeinschaft mit dem früheren Rivalen aus Geschwand, inzwischen sind auch Obertrubach und Bärnfels dabei. Nach der lehrreichen Saison - für die Relegationsteilnahme fehlten drei Siege - geht das SG-Quartett im Kreisoberhaus in die neue Saison.

Der heutige SVW-Vorsitzender Marcus Egloffstein findet für die „erfolgreichsten Vereinsjahre, sportlich und wirtschaftlich“, klare Worte: „Ohne unseren Haul hätte es diesen fußballerischen Höhenflug niemals gegeben. Außerdem war Günter mit Helmut Winter, Udo Hiesinger, Wolfgang Fränkel, sowie einer weiteren Handvoll Helfer, einer der Hauptinitiatoren, die ab den 90er-Jahren aus der Sportlerkerwa ein richtiges Event schufen und uns so als Verein auf gesunde Beine stellten.“

Die Erfüllung seiner sportlichen und gesellschaftlichen Visionen, die Haul seit den 80er Jahren hegte, blieben dem Verband nicht verborgen. So wurde er für seine „außerordentlichen Verdienste im Heimatverein“ durch die Sonderehrung des DFB gewürdigt, der zweithöchsten Auszeichnung überhaupt. Seine Vereinsehrung zum 1000. Spiel steht für den Jubilar aber immer noch ganz oben: „Da kam von der E-Jugend ab jeder Jugendspieler mit einer Rose herein, das war schon ergreifend.“

Inhalt teilen
  • kopiert!