Am Sonntag, 18. Februar wird in Pottenstein ein neuer Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin für die nächsten sechs Jahre gewählt. Die außerplanmäßige Bürgermeisterneuwahl wird notwendig, weil der langjährige Stadtchef Stefan Frühbeißer für die Freien Wähler in den bayerischen Landtag gewählt wurde. Die Pottensteiner haben nun die Wahl zwischen der langjährigen CSU-Chefin Birgit Haberberger und dem amtierenden dritten Bürgermeister Christian Weber von der parteiunabhängigen Jungen Liste (JL). Unsere Redaktion hat mit den beiden Kandidaten über ihre Ziele gesprochen.
Die 51-jährige Volljuristin und Diplomverwaltungswirtin (FH) Birgit Haberberger aus Rackersberg ist seit 2005 CSU-Ortsvorsitzende, seit 2008 Fraktionssprecherin der CSU im Stadtrat und seit 2022 städtische Tourismusreferentin. 2014 kandidierte sie bereits als Bürgermeisterin und unterlag Stefan Frühbeißer deutlich.
Die Vita von Birgit Haberberger
Sie hat Berufserfahrung in der Verwaltung bei der Berufsgenossenschaft der Max-Planck-Gesellschaft und der Bundesagentur für Arbeit und ist aktuell freiberufliche Dozentin für Sozial-, Verwaltungs-, Staats- und Kommunalrecht bei der Bayerischen Verwaltungsschule und weiteren Bildungsträgern. Haberberger ist ledig. Sie war bei der Wahl zur Bürgermeisterkandidatin von den beiden CSU-Ortsverbänden Pottenstein und Elbersberg nicht unumstritten, setzte sich aber knapp mit 15:12 Stimmen gegen ihren Mitbewerber Tobias Weidinger durch, den die CSUler aus Elbersberg ins Rennen geschickt hatten.
Die Vita von Christian Weber
Ihr Mitbewerber ist der 35-jährige Familienvater und Polizeibeamte Christian Weber aus Trägweis, der aus Ortspitz in der Gemeinde Leutenbach stammt und Sohn des Leutenbacher Gemeinderates Reinhardt Weber ist. Weber erzielte bei der letzten Bürgermeisterwahl ein beachtliches Ergebnis gegen Frühbeißer und ist seither dritter Bürgermeister. Weber ist auch Kreisvorsitzender der FDP Bayreuth-Land und war zuletzt persönlicher Referent und Büroleiter des aus dem Landtag bei der letzten Landtagswahl ausgeschiedenen Forchheimer FDP-Landtagsabgeordneten Sebastian Körber. Webers Urgroßvater Hans Hofmann war früher Bürgermeister in Kühlenfels, einem heutigem Ortsteil Pottensteins. Weber wurde einstimmig als Bürgermeisterkandidat von der JL gewählt.
Sowohl Haberberger als auch Weber sind in zahlreichen Pottensteiner Vereinen und Organisationen vielfältig ehrenamtlich engagiert.
Was will Birgit Haberberger für Pottenstein erreichen?
Haberbergers Wahlkampfmotto ist, mit dem Bürger gemeinsam die Zukunft gestalten, miteinander reden und gemeinsam entscheiden. Ihre Ziele sind, dass Pottenstein zu einer Bürgerkommune wird, die in Leitlinien des Stadtrats verlässlich verankert werden. Dazu gehört auch die Digitalisierung in der Kommune und im Tourismus und die Vereinsförderung für ehrenamtliche Engagements. Pottenstein soll zum Ort mit Heilstollen-Kurbetrieb werden, um damit den Gesundheitstourismus und die medizinische Versorgung in Pottenstein zu stärken.
Pottenstein soll aktiv kommunale „Außenpolitik“ durch lebendige Städtepartnerschaften mit den Partnergemeinden in Österreich und Tschechien betreiben, soll eine zertifiziert kinderfreundliche und barrierefreie, zumindest aber eine barrierearme Kommune werden.
Haberberger will neue Bauplätze schaffen, die sich junge Familien auch leisten können, will Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen - und sie will ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept auf Gemeindeebene einführen. „Wohnberatung und Wohnungsanpassung muss ausgebaut werden, damit wir alle möglichst lange zu Hause leben können“, so Haberberger. Sie will sich für ein intaktes und sicheres Straßen-, Wege- und Verkehrsnetz für Fahrradfahrer, Kinderwagen, Rollatoren und Jogger einsetzen und die Nahversorgung mit weiteren Einkaufsmöglichkeiten verbessern. Aus der Pottensteiner Tankstelle könnte nach ihrer Vorstellung zum Beispiel ein Nachbarschaftsladen werden.
Was will Christian Weber für Pottenstein erreichen?
„Wir brauchen einen lebendigen Ortskern in Pottenstein, der unseren Mitbürgern aus Stadt und Umland nicht nur Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf bietet, sondern auch zum Verweilen einlädt und gleichzeitig attraktiv für Touristen ist“, sagt Weber. „Darüber hinaus müssen wir ausreichend Bauland für junge Familien schaffen, Leerstände im Innenbereich in den Fokus nehmen und uns für eine nachhaltige Nutzung von Bestandsimmobilien einsetzen.“
Eine große Herausforderung der nächsten Jahre sieht Weber im Investitions- und Sanierungsstau in der Gemeinde - und das vor dem Hintergrund klammer Kassen. „Hier setze ich auf verlässliche Perspektiven statt leerer Versprechen, auf Transparenz gegenüber Bevölkerung, Vereinen und Gewerbetreibenden und auf klare Zeitpläne für Umsetzungsschritte“, so Weber. Denn Heimat sei ein Gemeinschaftsprojekt.
Dazu möchte er das Gestaltungspotenzial des Stadtrats nutzen. „Statt Probleme und Herausforderungen lediglich zu benennen, setze ich auf die Zusammenarbeit in den Ausschüssen, in Arbeitskreisen zu drängenden Fragen und auf die Ideen der Menschen vor Ort. Wir wollen machen statt reden und zusammen konkrete Lösungsvorschläge entwickeln“, betont Weber. Er will die Stadträte mehr in das Alltagsgeschäft einbinden und sie besser über Maßnahmen auf dem Laufenden halten.









