Wenngleich sie es wohl weder in die Regierung noch auf einen der ersten beiden Plätze bei der Bayerischen Landtagswahl geschafft hat, ist die AfD derzeit vermutlich die Partei, die sich am meisten über ihr Wahlergebnis freut. Bayernweit entschieden sich rund 14,6 Prozent der Wähler für die Blauen. Knapp 4,4 Prozent mehr als bei der letzten Landtagswahl.
Zwar liegt das Ergebnis der AfD im Landkreis Forchheim mit 14,3 Prozent leicht unter dem Landesdurchschnitt. Jedoch scheinen auch hier neue Hochburgen der umstrittenen Partei aus dem Boden zu schießen.
So gelang es der AfD etwa in Gößweinstein, rund 19 Prozent der Stimmen für sich zu gewinnen. 19,3 Prozent erlangte sie in Egloffstein und satte 20,9 Prozent in Obertrubach – rund acht Prozent mehr als bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2018. Im Obertrubacher Gemeindeteil Geschwand entschieden sich sogar 37 Prozent der Wähler für sie: fast 20 Prozent mehr als 2018.
AfD-Erfolg unerwartet
„Als Bürgermeister kenne ich meine Pappenheimer eigentlich“, erklärt Bürgermeister Markus Grüner (CSU). So habe es auch in der Vergangenheit einzelne gegeben, die etwa die Republikaner gewählt hätten. Dass sich diesmal aber so viele für die AfD entschieden hätten, habe ihn unerwartet getroffen.
Ähnlich geht es auch seinem Gößweinsteiner Amtskollegen Hangörg Zimmermann (Freie Wähler). Hier haben rund 35 Prozent der Bewohner des Gemeindeteils Kleingesee die AfD gewählt. „Bislang hatten wir im Markt keine rechten Gruppierungen, die in irgendeiner Weise aufgefallen wären“, betont er. Dass sich die Bewohner des Gemeindeteils unbemerkt radikalisiert hätten, glaube er nicht.
AfD in neuen Hochburgen unbekannt
Ebenfalls sei die AfD in dem Ort nicht durch einen besonders engagierten Wahlkampf aufgefallen. Eher das Gegenteil sei der Fall. „Für mich ist die AfD vor Ort eine absolute Blackbox“, berichtet er. Weder diejenigen, die die Plakate aufhängen würden, seien ihm bekannt, noch habe er den Forchheimer Kandidaten oder irgendwelche Spitzenkandidaten wahrgenommen. Daran könne der Erfolg also nicht liegen.
„In meinen Augen hat es sich hier um eine klassische Protestwahl gehandelt“, erklärt Markus Grüner. So hätten Wähler ihm im Vorfeld der Wahl mehrfach mitgeteilt, dass es so, wie es derzeit laufe, nicht weitergehen könne. Gemeint seien auf Nachfrage bundespolitische Themen wie die Uneinigkeit in der Flüchtlingsfrage gewesen. Und das, obwohl es in Obertrubach zahlreiche Flüchtlinge gebe, mit denen das Zusammenleben bislang eigentlich immer friedvoll gewesen sei.
„Der einfache Wähler unterscheidet nicht mehr zwischen Bundes- und Landespolitik“, berichtet der Obertrubacher Bürgermeister. Folglich wähle er die AfD ins Münchener Parlament, um „denen da oben in Berlin“ einen Denkzettel zu verpassen. Dass dies ein Warnschuss in die falsche Richtung ist, sei vielen Menschen völlig egal.
Hochburg Forchheim Nord
Nicht nur in der Fränkischen Schweiz gibt es AfD Hochburgen. Auch im Norden der Kreisstadt selbst hat die Partei in gleich drei nah beieinander liegenden Wahllokalen überraschend als stärkste Partei abgeschnitten. So wählten 36,1 Prozent der Urnengänger in der Kindertagesstätte Christuskirche, 37,5 Prozent in der Adalbert-Stifter-Schule und ganze 38,7 Prozent im Kindergarten Carl-Zeitler die Rechtspopulisten.
„Dass die AfD im Forchheimer Norden stark ist, ist nichts Neues“, erklärt Manfred Hümmer, Fraktionsvorsitzender der Freiem Wähler im Forchheimer Stadtrat. Bereits bei der letzten Stadtratswahl habe die Partei in dem Viertel einige Stimmen geholt. „Das hängt damit zusammen, dass wir hier relativ viele einfach ausgebildete Menschen, einen vergleichsweise hohen Migrationsanteil und relativ viele Arbeitslose haben“, erklärt er. Schon damals habe es sich um eine Protestwahl gehandelt.
Auftrag für alle Demokraten
„Traditionell ist die AfD bekanntlich dort am stärksten, wo man weder ihre Kandidaten kennt, noch ihr Wahlprogramm liest“, erläutert er. Wer sich mit den Inhalten der Partei auseinandersetze, könne ihr nicht guten Gewissens seine Stimme geben.
Daraus ergebe sich in seinen Augen nun ein klarer Auftrag an alle demokratischen Parteien. „Wir müssen uns besser um diese Wähler kümmern und ihre Sorgen und Ängste wahrnehmen“, erklärt er. Dies gelte auf kommunaler Ebene ebenso wie im Bund. Wenn dies nicht geschehe, landeten die Menschen bei jenen, die Angst schürten.
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