Das Ausweisen von Vorrangflächen für Windkraft ist in Effeltrich ein heißes Eisen. Das wird in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich. Die politisch beschlossene Energiewende hin zu erneuerbaren Energien spaltet in der zurzeit stattfindenden Diskussion die Menschen in Effeltrich und Gaiganz.
Beim Thema Windkraft dreht sich die Debatte vor allem um Nutzen, Wirtschaftlichkeit und Ästhetik. Zahlreiche Zuhörer waren in der Gemeinderatssitzung, um mitzuerleben, wie sich die Räte zur Fortschreibung der Windenergie und der Vorranggebiete in der Gemeinde äußern. Befürworter und Gegner von Windrädern hatten bereits in einer vorangegangenen Veranstaltung ihre Stellungnahmen abgegeben.
So wurde seitens der Bürgerinitiative „Gegenwind“ eine Unterschriftenliste von 180 Bürgern gegen Windräder aus Gaiganz bei der Gemeinde abgegeben, teilte Bürgermeister Peter Lepper (FW) mit. Dies sind rund 60 Prozent der wahlberechtigten Bürger aus Gaiganz.
Entscheidend sei, was der Bürger möchte
Lepper legte hierzu die Folie auf, auf der die eingezeichnete Vorrangfläche für die Gemeinde zu sehen ist, über die zu beschließen war. Für Lepper sei entscheidend, was der Bürger möchte. So wurde in Pinzberg bereits beschlossen, gegenüber dem Regionalen Planungsverband eine negative Stellungnahme abzugeben. In Effeltrich gibt es dazu dieselbe Interessenlage, meinte er, „denn in unserer Hand liegt es keinesfalls, ob das Planungsgebiet als Vorrangfläche ausgewiesen wird. Denn für die Gemeinde gibt es nur eine Möglichkeit, nachvollziehbare Stellungnahmen abzugeben“.
Weiter wies er darauf hin, dass mit dem Vorranggebiet am Rennsteig und weiteren Vorranggebieten 1,8 Prozent der Landesfläche für Windenergie schon fast erreicht ist.
Gemeinderat Benno Messingschlager (FW) erinnerte daran, dass von den Vorgaben her die Windkraftanlagen unbedingt gebaut werden sollen. „Was ist eigentlich, wenn eine Anlage brennt?“, fragte er nach. Jens Herzog, Energiebeauftragter, merkte an, dass er ein Vetorecht der Gemeinde nicht sieht. Er plädiert für Windkraftanlagen, „denn wir benötigen Strom in all unseren Lebensbereichen. Warum verweigern wir dann mögliche Standorte, wenn wir doch wissen, dass ohne Strom nichts geht?“
Sankt-Floriansprinzip
Die immer wieder angeführte Diskussion über Infraschall und Abrieb sehe er als überzogen. So manche Diskussion, so Herzog, erinnere stark an das Sankt-Floriansprinzip. Letztendlich entschied er sich für eine Nutzung der Windkraft in einem überschaubaren Rahmen. Für ein „Ja, aber“, wie er Johannes Steinert (CSU) auf Nachfrage bestätigte.
Zweite Bürgermeisterin Christine Berthold (CSU) forderte, dass die Planungshoheit der Gemeinde für die nächsten 20 bis 30 Jahre nicht eingeschränkt wird. Einwendungen wie Planungshoheit und gemeindliche Belange auf kommunaler Ebene seien Aufgaben der Gemeinde, „ebenso wie unsere Gestaltungshoheit“, so Berhold.
Christoph Wurmthaler, gemeindlicher Energieberater, meinte, dass die Energie umgestellt werden müsse, um dem Klimawandel zu begegnen. „Wir haben einen wesentlich höheren Stromverbrauch, als wir erzeugen. Deshalb müssen längerfristig Speicher zur Verfügung stehen, um Stromspitzen abzufedern. Der Gemeinderat hat die Aufgabe, für die Bürger vorausschauend zu handeln und zu planen.“
Trotz reger Diskussion sah sich das Gremium nicht in der Lage, eine Entscheidung zu fällen. „Wir dürfen nicht gegen den Bürger entscheiden“, sagte Bürgermeister Lepper. Wir werden über einen Bürgerdialog am 2. Juni in der Turnhalle Effeltrich die Bürger noch einmal zu Wort kommen lassen und ein Meinungs- und Stimmungsbild mitnehmen. Ergänzend sollen keine Diskussionen zu Abrieb, Vogelsterben, Infraschall usw. diskutiert werden, so Lepper. Es gehe nur um die Frage Windkraft und Stromerzeugung.









