Mit der Auszeichnung Frankenwürfel werden seit 1985 jedes Jahr Persönlichkeiten geehrt, die das Prägende des fränkischen Charakters gut zum Ausdruck bringen – dem Statut zufolge das Wendige, das Witzige und das Widersprüchliche. Eine Preisträgerin 2025 ist die stellvertretende Landrätin von Forchheim, Rosi Kraus. Im Interview spricht sie über ihren ungewöhnlichen Lebensweg, ihre tiefe Verbundenheit zur Landwirtschaft und die Ehrung mit dem Frankenwürfel 2025.
Sie haben einmal gesagt: Ich bin die Rosi aus Ühleinshof. Was bedeutet dieser Satz für Sie?
Rosi Kraus: Die Rosi aus Ühleinshof, das sagt einfach aus, dass ich eine bodenständige, fleißige und einfache Frau und Bäuerin mit gesundem Menschenverstand bin. Ühleinshof ist mein Heimatdorf, und von dort bin ich fast nie weg gewesen, außer für meine Zeit in Triesdorf. Dort habe ich Ernährung und Hauswirtschaft studiert und meinen Abschluss als Technikerin gemacht. Ansonsten bin ich nie weit weggekommen. Ühleinshof ist mein kleines Dörfchen, mein Zuhause – und das prägt mich bis heute.
Wie haben Sie erfahren, dass Sie den Frankenwürfel bekommen?
Ich bin vom Regierungspräsidenten Florian Luderschmid angerufen worden. Er sagte zu mir, sie würden mir gern den Frankenwürfel verleihen. Und ich habe nur gedacht: Bitte, was? Ich? Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, womit ich das verdient haben sollte. Er meinte sinngemäß: „Wenn man deinen Lebenslauf kennt – wer sonst?“ Das hat mich sehr berührt. Für mich ist es eine große Wertschätzung und eine Würdigung dessen, wie ich bin und wie ich meinen Weg gegangen bin.
Welche Stationen Ihres Lebenswegs könnten die Jury besonders beeindruckt haben?
Ich denke, der Grund ist, dass ich so viel Unterschiedliches gemacht habe. Ich habe 18 Jahre lang in einer Diskothek und in der Gastronomie gearbeitet. Gleichzeitig lief die Landwirtschaft weiter, dazu kamen drei Kinder, mein Mann und die Pflege der Eltern. Dann kam das Ehrenamt dazu, erst als Kreisbäuerin, später als Kreisrätin und stellvertretende Landrätin.
Und gerade in dieser Rolle musste ich ja auch zeigen, dass ich mehr kann als zu vertreten. Die Aufgaben als stellvertretende Landrätin waren ganz anders als die Hofarbeit – viel mehr mit Menschen, Gesprächen und Zuhören. Meine Mutter hat immer gesagt: „Wenn du nicht alles probierst, weißt du gar nicht, was du kannst.“
Welche Erfahrungen aus der Landwirtschaft helfen in Politik und Verbandsarbeit?
Aus der Landwirtschaft nimmt man vor allem eines mit: Man denkt praktisch, sucht nach Lösungen, die funktionieren, nicht nach solchen, die nur auf dem Papier gut aussehen. Und genau das habe ich in der Arbeit als Kreisbäuerin und später auch in der Politik gebraucht.
Woher kam die Kraft für all Ihre Aufgaben?
Ich glaube, die Kraft kam vor allem daher, dass ich vieles einfach gern gemacht habe. Die Landwirtschaft hat mir immer Freude bereitet, ob auf dem Schlepper oder beim Kirschenreißen mit meinen Kindern. Wir kannten es nicht anders: Man packt gemeinsam an, und das gibt einem viel zurück.
Ähnlich war es später als Kreisbäuerin oder in der Politik: Es war viel Arbeit, aber auch viel Freude. Die Menschen haben mich angenommen, und das hat mir Kraft gegeben, gerade in Zeiten, in denen ich gesundheitlich zu kämpfen hatte. Ich mache die Dinge mit Herz, und vielleicht kommt die Energie genau daher – aus der Freude an der Arbeit und aus dem Miteinander und, wie heißt es so schön: Man wächst an seinen Aufgaben.
Sie sagten einmal: Sie tragen den Bauernstolz „im Herzen und auf der Zunge“. Was bedeutet dieser Begriff für Sie?
Der Bauernstolz war bei mir eigentlich schon immer da. Ich war mein Leben lang gern Bäuerin, das gehört einfach zu mir. Wir Bauern arbeiten viel, auch am Wochenende, denn wer Tiere hat, kennt keine Feiertage. Als wir keine Tiere mehr hatten, wurde manches leichter. Maschinen nehmen einem vieles ab. Aber insgesamt ist die Landwirtschaft nicht einfacher geworden. Trotz allem finde ich: Wir Landwirte können wirklich stolz auf das sein, was wir jeden Tag leisten.
Wie haben sich Landwirtschaft und die Rolle der Landfrauen in den vergangenen Jahrzehnten verändert – gerade hier im Landkreis Forchheim?
In den letzten 15 bis 20 Jahren haben sich die bäuerlichen Betriebe enorm verändert – so schnell wie noch nie. Viele Höfe geben auf oder müssen sich komplett umstrukturieren, weil die Kosten fürs Produzieren stark gestiegen sind, aber die Einnahmen nicht mithalten. Man verdient einfach nicht mehr so viel in der Landwirtschaft, und das zwingt viele Familien, neue Wege zu finden.
Für die Landfrauen hat sich dadurch vieles verändert. Viele arbeiten heute auswärts, andere teilen sich die Hofarbeit mit ihrem Mann. Trotzdem bleiben die Landfrauen im Landkreis sehr engagiert, vielleicht gerade weil die Belastung größer geworden ist und der Zusammenhalt wichtiger denn je.
Als Sie in die Politik gegangen sind – welche Vorstellungen hatten Sie?
Ich hatte gar keine – ich wollte ursprünglich weder Kreisbäuerin noch in den Kreistag. Ich wurde immer gefragt und bin einfach hineingewachsen. Enttäuscht war ich nie.
Hat Sie in der politischen Arbeit etwas überrascht?
Man merkt in der Politik schon, dass die verschiedenen Parteien unterschiedliche Vorstellungen haben, das ist ja auch gut so. Aber am Ende wollen doch alle das Beste für den Landkreis, und meistens findet man einen gemeinsamen Weg, wenn man miteinander redet. Genau das schätze ich an unserer Demokratie.
Bei der Verleihung des Frankenwürfels – was hat Sie beim Festakt am meisten berührt oder überrascht?
Am meisten beeindruckt hat mich die Laudatio von Herrn Luderschmid. Ich habe wirklich gestaunt, woher er all die Details hatte – da müssen ein paar Informationen durchgerutscht sein, glaube ich. (Sie lacht).
Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre?
Ein ruhigeres Kapitel. Mehr Zeit für Ehemann, Landwirtschaft und als Oma für die zwei Enkel dazu sein. Und ich kandidiere noch einmal für den Kreistag, aber das reicht dann.
Was würden Sie Ihren Enkeln eines Tages antworten, wenn sie fragen: Warum hast du so viel gemacht?
Weil es mir Freude bereitet hat und weil ich es mit Herz gemacht habe, ja, aus ganzem Herzen, so muss ich sagen.












