Das Sterben im Kunreuther Ortsteil Weingarts wird teurer. Oder besser gesagt: Die Bestattungs- und sonstigen Gebühren für den Weingartser Bergfriedhof steigen teilweise deutlich. Dies hat vor allem damit zu tun, dass in der Vergangenheit „Wachsleichen“ nach der 30-jährigen Ruhefrist bei Auflösung der Gräber gefunden wurden. Aber nicht nur das, auch allgemeine Preissteigerungen machen eine Änderung der Friedhofsgebührensatzung unausweichlich.
Bereits im September letzten Jahres berichtete unsere Zeitung, dass der Gemeinderat nach Lösungen sucht, auch im älteren Teil des Friedhofs weiterhin Erdbestattungen zu ermöglichen. Dort herrschen Lehmboden und ein hoher Grundwasserspiegel, weshalb Leichen auch nach 30 Jahren nicht vollständig verwesen. Die Lösung des Problems ist nun das Grabhüllensystem „Weihe“, das allerdings die Bestattungskosten erheblich verteuert. Muss die Grabhülle „Weihe“ bei einer Bestattung eingesetzt werden, was jedoch nicht überall auf dem Friedhof nötig ist, so kostet diese bei normaler Tiefe 1000 Euro, bei Tieferlegung 100 Euro mehr. Dies ist neu in der Satzung.
Grabhüllensystem „Weihe“
Die aus grünem Geotextilgewebe bestehende Hülle wird in das ausgehobene Grab eingebracht. Erde kommt darauf, um dann den Sarg dort einzulassen. Danach werden die Seitenräume verfüllt und der Sarg mit Erde bedeckt. Nachdem die Grabhülle wasserdicht verschlossen ist, werden Lüftungsrohre aufgesetzt. Anschließend wird der Grabraum mit dem Aushubmaterial in herkömmlicher Art verschlossen.
Dieses System kommt seit 1997 auf Friedhöfen mit kritischer Bodenbeschaffenheit, wie in Weingarts, zum Einsatz und ist wissenschaftlich erprobt. Im Oktober letzten Jahres hatte sich der Gemeinderat für das Grabhüllensystem „Weihe“ entschieden. Zuvor waren auch eine Betongruft im Gespräch und das komplette Verbot von Erdbestattungen auf dem alten Friedhofsteil. Dies fand aber keine Mehrheit, da dann dort nur noch Urnenbestattungen möglich gewesen wären.
Auch andere Kosten steigen
Die bisherigen Gebühren steigen aufgrund der allgemeinen Teuerungsrate ebenfalls an. Das Ausgraben und Umbetten einer Leiche innerhalb des Friedhofs kostete bisher 1280 Euro, nun werden 1400 Euro fällig. Die Überführung in einen anderen Friedhof kostet nun 900 Euro statt bisher 650 Euro. Die Gebühr für die Trauerfeier mit Bestattung steigt für Erwachsenenreihengräber und Familiengräber von bisher 550 auf 750 Euro an.
Muss das Grabhüllensystem verwendet werden, kostet die Trauerfeier mit Öffnung und Schließen des Grabes 1000 Euro. Nicht teurer wird zum Beispiel die Gebühr zur Nutzung des Leichenhauses. Diese bleibt bei 100 Euro. Der Gebührenkatalog ist sehr umfangreich. Findet beispielsweise eine Beerdigung am Wochenende statt, wird eine zusätzliche Gebühr von 350 Euro fällig.
Gebührenerhöhung unvermeidbar
Wie Bürgermeister Ernst Strian (DEM) erklärte, komme man um eine Gebührenerhöhung nicht umhin. Sein Stellvertreter Edwin Rank (CSU) wollte wissen, was eine Beerdigung im schlimmsten Fall kostet. 3500 Euro schätzte er. „Das kann man so pauschal nicht sagen, weil es immer wahlweise zu entscheiden ist, da es immer auf den Einzelfall ankommt“, antwortete Strian.
„Wenn mich die Kundin fragt, was ihre Beerdigung kostet, kann ich ihr sagen, ich weiß es nicht“, entgegnete Rank. „Im Endeffekt bleibt uns nichts anderes übrig“, so Bernd Wohlhöfer (Bürgerliste Ermreus). Strian schlug nun vor, an die Satzung zwei bis drei Beispiele für die Bestattungskosten anzuhängen. Der Beschluss für die neue Friedhofsgebührensatzung erfolgte dann einstimmig.
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