0
Deiche kommen nicht
Hallerndorf zieht Lehren aus dem Hochwasser 2021
Am 10 Juli 2021 brauchte es in Hallerndorf viele Sandsäcke, um das Wasser zurückzuhalten.Forchheim & Fränkische Schweiz
Am 10 Juli 2021 brauchte es in Hallerndorf viele Sandsäcke, um das Wasser zurückzuhalten. // Kreisbrandinspektion Forchheim
Hallerndorf – Nach der Überflutung im Jahr 2021 sucht die Gemeinde Lösungen – einmauern will man sich aber nicht.

Knapp zwei Jahre ist es her, dass zahlreiche Bürger im Gemeindegebiet von Hallerndorf nicht trockenen Fußes vor ihre Haustür treten konnten – und das Anfang Juli. Verantwortlich dafür, dass die Aisch damals über die Ufer trat, war ein Starkregenereignis in Mittelfranken. Inzwischen ist der Wasserspiegel wieder gesunken und die Keller sind wieder trocken, dennoch beschäftigt das Hochwasser die Gemeinde und die zuständigen Behörden weiterhin.

„Seit dem Hochwasser ist das zuständige Wasserwirtschaftsamt sehr am Thema Hochwasserschutz in der Region Hallerndorf dran“, berichtet Bürgermeister Gerhard Bauer (Freie Wähler) auf Nachfrage des Fränkischen Tags. So seien bereits zahlreiche Maßnahmen in Abstimmung zwischen der Gemeinde und dem Amt in Kronach durchgeführt worden. „Unter anderem wurde ein alter Flussarm wieder reaktiviert“, erklärt der Bürgermeister. Dieser liege knapp unterhalb des Sportplatzes in Hallerndorf und könne bei zukünftigen Ereignissen genutzt werden, um Wassermassen abzuleiten und dadurch Flutschäden zu verhindern.

Flussmeisterstelle räumt auf

Die Arbeiten dieser etwa rund 30 Meter breiten Abflussschneise im Gehölzbestand habe man selbstverständlich vorher erst mit der unteren Naturschutzbehörde abgeklärt, heißt es seitens des Wasserwirtschaftsamtes Kronach. Darüber hinaus habe die Flussmeisterstelle Bamberg zwischen Trailsdorf und Willersdorf einige umgestürzte Bäume entfernt sowie Sandablagerungen bei der Brück in Schlammersdorf entnommen. „Das Wasserwirtschaftsamt ist diesbezüglich aktuell sehr rührig“, betont auch Gemeinderat Joachim Bauer (Freie Wähler). Dafür müsse man den Verantwortlichen mal ein Lob aussprechen. Seine Familie sei selbst von der Überflutung betroffen gewesen.

Im Rahmen der regelmäßigen Unterhaltsmaßnahmen des Amtes seien aber auch bereits weitere Arbeiten angekündigt, weiß Bürgermeister Bauer. „Im Herbst sind beispielsweise Sicherungsarbeiten im Böschungsbereich angedacht“, erläutert er. Diese sollten verhindern, dass der Fluss den Uferbereich zu stark abarbeite und dadurch Gefahren entstünden. Darüber hinaus habe das Wasserwirtschaftsamt eine sogenannte Basisstudie erstellt. Diese zeige technische Schutzmaßnahmen, um die einzelnen Ortsteile bei einem hundertjährlichen Hochwasserereignis wie dem im Juli 2021 einen optimalen Schutz zu bieten.

Hallerndorf nicht priorisiert

Vorgestellt wurde diese Studie dem Gemeinderat bereits im März. „Ziel war außerdem eine Kosten-Nutzen-Rechnung möglicher Maßnahmen sowie eine Abschätzung der möglichen Priorisierung im bayernweiten Vergleich“, heißt es seitens des Wasserwirtschaftsamtes. Dabei sei herausgekommen, dass eine derartige Absicherung Hallerndorfs mit umfassenden Maßnahmen kaum zu rechtfertigen sei.

Auch seitens der Gemeinderäte habe der Vorschlag, die einzelnen Ortsteile wie gallische Dörfer mit Deichen und Mauern abzukapseln, kaum Zustimmung erhalten, wie Bürgermeister Bauer berichtet. Stattdessen habe man beschlossen, auf eine Vielzahl kleinerer Maßnahmen zu setzen, um beim nächsten Hochwasserereignis besser auf die Wassermassen vorbereitet zu sein.

„Hochwasser-Check“ soll helfen

Helfen soll hierbei der sogenannte „Hochwasser-Check“ des Freistaats Bayern. Hallerndorf ist hierbei eine von vier Versuchsgemeinden, in denen mittels hydraulischer Berechnungen ermittelt werden soll, wie man mittels möglichst geringer punktueller Eingriffe ein Höchstmaß an Hochwasserschutz bieten kann. Möglich sei die Aufnahme in dieses Programm dank des persönlichen Engagements von Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) gewesen.

„Ob all diese Maßnahmen wirklich etwas bringen, wissen wir erst, wenn es wieder ein Hochwasser gibt“, sagt Gemeinderat Joachim Bauer. Rein rechnerisch dürfe das jedoch noch etwas dauern. Vor 2021 seien den Hallerndorfern lediglich in den Jahren 2013 und 2001 sowie 1995 die Keller vollgelaufen.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!