Umstrittenes Anwesen
Gemeinde kauft den Gasthof Rumpler in Leutenbach
Der ehemalige Gasthof Rumpler löste kontroverse Debatten aus.
Der ehemalige Gasthof Rumpler löste kontroverse Debatten aus.
Barbara Herbst
F-Signet von Thomas Weichert Fränkischer Tag
Leutenbach – Lange stand die ehemalige Gaststätte Rumpler zum Verkauf. Nun gibt es eine knappe Entscheidung im Gemeinderat. Wie es jetzt weitergeht.

Nun also doch: Die Gemeinde Leutenbach kauft den ehemaligen Gasthof Rumpler. Den mehrheitlichen Beschluss für den Kauf dieses Anwesens in der Dorfstraße 11 und 13 fasste der Gemeinderat bereits während der nichtöffentlichen Sitzung am 20. Oktober, nachdem die Räte das Objekt besichtigt hatten. Dies wurde nun während der öffentlichen Sitzung am Montagabend bekannt, als es darum ging dafür eine Nachtragshaushaltssatzung zu erlassen.

Der reine Kaufpreis für das Anwesen beläuft sich auf 550.000 Euro. Inklusive Notar- und Maklergebühren und weiterer Nebenkosten muss die Gemeinde 605.500 Euro dafür hinblättern. Finanziert wird dies aus der Rücklage. Mit acht zu fünf Stimmen befürwortete der Gemeinderat, zunächst einen Nachtragshaushalt dafür auf den Weg zu bringen. Noch knapper, mit sieben zu sechs Stimmen fiel die Zustimmung zur Nachtragshaushaltssatzung aus.

Asylbewerber als Grund?

Reinhardt Weber (WVE) bestand auf einer namentlichen Abstimmung. Er kritisierte, dass man solch ein Objekt nicht kaufen solle, wenn man keine Nutzung dafür habe. „Drei Jahre haben wir Zeit gehabt, es zu kaufen und jetzt wird es schnell gekauft, weil wir Asylbewerber verhindern wollen“, kritisierte er.

„Das stimmt so nicht“, erwiderte Bürgermeister Florian Kraft (FW). Man habe das Anwesen erworben, weil es in der städtebaulichen Entwicklung des Ortes berücksichtigt werden soll. Neben einer beabsichtigten Nutzung für die Gastronomie soll auch künftig der Wohnraum genutzt werden.

„Ein Fass ohne Boden“

Dann holte Raimund Dörfler (WVE) zu einem Rundumschlag aus. Er sprach von einer „überteuerten Immobilie“ und sah nicht ein, das die Gemeinde mit Steuergeldern einem gut vernetztem Privatmann helfe. Die über lange Jahre unverkäufliche Immobilie sei ein „Fass ohne Boden“. Es liege weder ein energetisches noch ein Wertgutachten vor. Unklar sei zudem, was die Gemeinde mit dem „riesigen Kasten“ − gebaut auf der Grenze und ohne Parkplätze − anfangen könne. Außerdem müsse man viel Geld reinstecken − womöglich in den Feuerschutz und die energetische Sanierung.

Dörfler sah die gemeindlichen Pflichtaufgaben für Investitionen in die Infrastruktur in Gefahr. Bevor man so etwas kaufe, müsse man einen sinnvollen Verwendungszweck und eine Zuschusszusage haben. Diese werden in Zukunft wegen des Ukrainekriegs und dem anschließenden Wiederaufbau des Landes nicht mehr so fließen.

„Halbwahrheiten und Verkürzungen“

„Aus Halbwahrheiten, Verkürzungen und Weggelassenem wird ein anderes Bild daraus“, sagte Igor Lamprecht (FWG). Wie er betonte, seien alle der Meinung gewesen, das es nicht sinnvoll sei Asylbewerber aus einem anderem Kulturkreis auf engstem Raum an dieser Stelle unterzubringen. Lamprecht betonte, dass man nichts gegen Asylbewerber habe und auch nicht rechts sei.

Außerdem habe man sich sehr wohl überlegt, wie man das Gebäude nutzen könnte. Wie Weber weiter betonte habe der Gemeinderat der notariellen Urkunde noch nicht zugestimmt. „Ich habe sie aber schon unterschrieben“, so Kraft. Damit sei der Zug schon abgefahren.

Einstimmig sprach sich der Rat für die Erstellung eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (Isek) für 60.000 Euro aus. Als Teil dessen sollen dann Machbarkeitsstudien für das Krämershaus und den Gasthof Rumpler erstellt werden.

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