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Direktkandidaten im Duell
Podiumsdiskussion: Applaus und Buh-Rufe
Die Direktkandidaten stellten ihre Positionen vor, Unterschiede wurden deutlich.Forchheim & Fränkische Schweiz
Podiumsdiskussion zur Landtagswahl: Die Direktkandidaten aus Forchheim stellten ihre Positionen vor, Unterschiede wurden deutlich. // Emma Seeger
Heroldsbach – Bei der Diskussionsrunde hatten die Landtagskandidaten die Chance, das Publikum live von ihren Positionen zu überzeugen. Seitenhiebe auf die Konkurrenz blieben dabei nicht aus.

Wirtschaftspolitik, bezahlbare Energie, Digitalisierung, Fachkräftemangel und weniger Bürokratie – das waren die großen Themen, die bei der Podiumsdiskussion am Donnerstagabend in der Hirtenbachhalle Heroldsbach im Fokus standen. In fünf Runden stellten sich die Landtagskandidaten den Fragen.

Mit dabei waren Michael Hofmann (CSU), Richard Schmidt (SPD), Martin Distler (Bündnis 90/Die Grünen), Thorsten Glauber (Freie Wähler), Sebastian Körber (FDP) und Oliver Hammrich (AfD). Letzterer tritt eigentlich für den Bezirkstag an und war als Vertretung für den AfD-Landtagskandidaten Matthias Machts erschienen. Organisiert wurde die Veranstaltung von den Wirtschaftsjunioren Forchheim zusammen mit dem IHK-Gremium Forchheim und Radio Bamberg.

Diskussion: 100 Sekunden für die Antwort

Nachdem die Reihenfolge ausgelost wurde, hatten die Kandidaten jeweils eine Minute und 40 Sekunden Zeit, eine Frage zu beantworten. Zusätzlich erhielt jeder Kandidat zwei Joker.

Mit diesen konnte er sich entweder mehr Redezeit zu einem Thema erkaufen oder außerhalb der Reihenfolge direkt auf die Antwort eines Mitstreiters reagieren. In der ersten Runde sollten die Kandidaten erklären, wie sie die Wirtschaftspolitik gestalten würden, damit die Wettbewerbsfähigkeit oberfränkischer Unternehmen erhalten bleibt.

Fachkräfte und Digitalisierung

Für SPD-Kandidat Richard Schmidt lagen die Lösungsansätze dazu im Bildungssystem und der Ausbildung qualifizierter Fachkräfte, der Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften und einer Verbesserung der IT-Versorgung. Fachkräfte und Digitalisierung waren auch für Sebastian Körber von der FDP entscheidend. Außerdem sprach er sich für eine erleichterte Bürokratie und entsprechende Rahmenbedingungen für Unternehmen auch im Hinblick auf Steuern aus.

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Von links: Richard Schmidt (SPD), Sebastian Körber (FDP) und Martin Distler (Grüne) // Emma Seeger

Bei Martin Distler von den Grünen stand dagegen ganz klar das Thema Energie im Fokus. Kurzfristig sei günstige Energie für Unternehmen entscheidend. Auf längere Sicht müsse das Steuerrecht modernisiert und Unternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität unterstützt werden.

Michael Hofmann von der CSU zog direkt seinen ersten Joker, um sich mehr Redezeit für seine Antwort zu verschaffen. Auch für ihn waren Fachkräfte ein entscheidender Faktor, um die Wettbewerbsfähigkeit oberfränkischer Unternehmen zu sichern. Hofmann sprach außerdem von Investitionen in Hochschulen, aber auch von Weiterbildung und Wertschätzung von Abschlüssen im Handwerk. Außerdem müssten kleine und mittelständische Unternehmen mehr gefördert und der Zugang zu Fördermitteln erleichtert werden.

Oliver Hammrich erklärte, die AfD wolle unter anderem die bayerische Innovationskraft unterstützen. Verordnungen aus Brüssel wolle man reduzieren und keine „öko-sozialistische Planwirtschaft“. Richard Schmidt zog direkt seinen Joker, um auf Hammrichs Aussagen zu reagieren. „Wer hier von öko-sozialistischer Planwirtschaft spricht, macht sich lächerlich“, konterte Schmidt. Die Klimakrise sei real und lasse sich nicht wegdiskutieren.

Wie wird Energie bezahlbar?

In der zweiten Runde sollten die Kandidaten erklären, wie sie für bezahlbare Energie sorgen wollen. Sebastian Körber teilte zunächst gegen die Freien Wähler bzw. Hubert Aiwanger aus. Dieser habe sich gegen Stromtrassen gestellt und damit den Fortschritt verhindert. Außerdem gebe es zu viele Regularien von Bund und EU. Körber würde die Abgaben auf Strom reduzieren und Energieeffizienz fördern.

„Die Zeit des Wegschauens und Wegduckens muss vorbeisein“ erklärte Martin Distler. Er forderte vier Mal so viel Photovoltaik, vor allem auf Parkplätzen und Dächern, und zwei Prozent der Landesfläche für Windenergie. Zudem müssten die Netzinfrastruktur und die Speicherstruktur ausgebaut werden.

„Es braucht einen Energiemix“, stellte Hofmann dem entgegen. Außerdem müsse das Thema Windenergie zusammen mit der Bevölkerung entwickelt werden. Hammrich sprach sich für Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz aus und leugnete im Anschluss den menschengemachten Klimawandel. Außerdem forderte er, Kernkraftwerke wieder anzuschalten.

Oliver Hammrich und Thorsten GlauberForchheim & Fränkische Schweiz
Links: Oliver Hammrich (AfD), rechts Thorsten Glauber (Freie Wähler) // Emma Seeger

Glauber, aktuell bayerischer Umweltminister, warf Hofmann vor, sich in der Vergangenheit in Pinzberg gegen Windkraft gestellt zu haben. Körber sei sogar in Berlin gewesen und passiert sei nichts. In Bayern habe man mit der Wasserstoffstrategie aber jetzt Gas gegeben. Distler wollte das nicht so stehen lassen und nutze seine Restzeit aus der Vorrunde. „Ihre Bilanz bei der Windkraft ist minimal“, warf er Glauber vor. Dieser habe die CSU nicht genug angetrieben.

Diskussion um Windkraft

Mittels Joker verschaffte sich Hofmann das Wort und betonte, er stehe dazu, dass Windkraft nur mit der Bevölkerung zusammen realisiert werden könne. Bayern habe 50 Prozent mehr Windenergie als beispielsweise Baden-Württemberg. Eine Behauptung, die prompt von Schmidt korrigiert wurde. Im Vergleich zur Fläche sei Bayern im Bundesvergleich im unteren Mittelfeld bei den erneuerbaren Energien.

Beim Thema Digitalisierung teilte Körber direkt aus: „Man fragt sich manchmal, was CSU und Freie Wähler die ganze Zeit gemacht haben.“ Neben gegenseitiger Kritik herrschte aber dennoch Einigkeit darüber, dass entsprechende Infrastruktur wie Glasfaser essenziell für Unternehmen in der Region ist. Auch darin, dass Bürokratie abgebaut werden sollte, stimmten die Kandidaten weitgehend überein.

Lösungen gegen den Fachkräftemangel

Deutlich unterschiedlich waren die Ansätze dagegen bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels. Hammrich erklärte, er wolle keine Masseneinwanderung, sondern stattdessen die „klassische“ Familie stärken und dadurch mehr Kinder. Das brachte ihm ein Kopfschütteln seitens Körber und Buh-Rufe aus dem Publikum ein.

Podiumsdiskussion LandtagswahlForchheim & Fränkische Schweiz
Das Publikum lauschte gespannt den Beiträgen und zeigte Zustimmung oder Missfallen durch Applaus und Buh-Rufe. // Emma Seeger

Glauber plädierte für eine Gleichwertigkeit von Studium und Ausbildung und eine schnellere Anerkennung der Abschlüsse von Einwanderern. „Ich halte das Bürgergeld für die falsche Antwort“, erklärte er. Stattdessen forderte Glauber eine bessere Vereinbarkeit von Job und Familie und eine offenere Start-up-Kultur. Schmidt hatte eine klare Antwort zur Frage nach den Fachkräften: „Bildung, Bildung, Bildung.“

Körber nutzte seine 100 Sekunden zunächst, um auf die Aussage von Hammrich zu reagieren: „Ich finde es ekelhaft, wenn die AfD Asyl und Fachkräfte in einen Topf schmeißt.“ Außerdem hinterfragte er, wie denn Kinder den Fachkräftemangel beheben sollten.

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Die Kandidaten hatten jeweils 100 Sekunden für ihre Anwort. // Emma Seeger

Distler plädierte für ein „Welcome Center“, um Menschen aus dem Ausland direkt Orientierung zu bieten. Außerdem wolle er mehr junge Frauen in Jobs bringen, zum Beispiel mit mehr Teilzeitangeboten auch in der Ausbildung. Wohnraum für Auszubildende sei zudem eine Chance, um junge Menschen in Oberfranken zu gewinnen.

Hofmann betonte, dass auch nach der Ausbildung stetige Weiterbildung wichtig sei. Zudem sollte bei jungen Menschen mehr Mut zum Unternehmertum geschaffen werden.

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