Schluss mit Politik
Urgestein Kraus aus Ebermannstadt tritt zurück
Abschied nach 50 Jahren in der Kommunalpolitik: Franz Josef Kraus.
Abschied nach 50 Jahren in der Kommunalpolitik: Franz Josef Kraus.
Carmen Schwind
F-Signet von Carmen Schwind Fränkischer Tag
Ebermannstadt – 24 Jahre war Franz Josef Kraus Bürgermeister von Ebermannstadt, jetzt tritt er auch als Stadtrat zurück. Ein bisschen traurig ist der 73-Jährige deswegen schon.

„Ja, ich habe in den letzten 50 Jahren die ganzen Facetten der Lokalpolitik ganz gut kennenlernen können“, meint Franz Josef Kraus, der als Stadtrat der FDP und des Bürgerforums in Ebermannstadt zurückgetreten ist. „Es war schön, als Bürgermeister das Geschehen mitzubestimmen. Als Stadtrat in der Opposition kann man leider nur die Finger in die Wunde legen“, fügt er hinzu.

Der 73-Jährige verrät, dass er das Amt mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge niederlege: „Ich bin halt gern für die Bürger da, höre mir ihre Sorgen an und versuche zu helfen.“ Doch jetzt wolle er sich anderen Themen widmen. Sein Nachfolger ist Hubert Herbst.

Wegen Straßenbausatzung in den Stadtrat

Eigentlich wollte Kraus als früherer Bürgermeister gar nicht erst als Stadtrat antreten, doch dann gab es die Diskussionen wegen der Straßenausbaubeitragssatzung in Ebermannstadt. „Ich hätte die so nicht eingeführt. Nicht 20 Jahre rückwirkend“, stellt Kraus fest. Als er vom Bürgerforum angesprochen wurde, lehnte er erst ab. „Aber dann bin ich doch auf der Liste gelandet und gewählt worden. Ich wollte dann für Bürgergerechtigkeit sorgen“, erklärt er. Kraus gibt aber auch zu, dass er nur die Hälfte der Wahlperiode zur Verfügung stehen wollte. Er legte nun sein Amt als Stadtrat und einen Tag vorher als Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtwerke nieder.

Kraus ist in Ebermannstadt geboren und begann, Elektrotechnik zu studieren. Doch dann kam es zu Streiks und er stand auf der Straße. Er war vom damaligen Bürgermeister Paul Lachmeier angesprochen worden, ob er nicht in der Verwaltung der Stadt arbeiten wolle. Dabei blieb er und stieg in den gehobenen Dienst auf. Schließlich schloss er ein Studium an der Fachhochschule als Verwaltungswirt ab und wurde Amtmann in Ebermannstadt.

24 Jahre lang Bürgermeister

„Dann wurde ich Mitte der 80er, als Karl Theiler nicht mehr als Bürgermeister antreten wollte, angesprochen, ob ich das Amt nicht übernehmen wolle“, berichtet Kraus. Er wurde 1990 zum Bürgermeister von Ebermannstadt gewählt und danach dreimal wiedergewählt. Viele Projekte sind in den 24 Jahren seiner Amtszeit angegangen worden wie die Stadthalle und das Seniorenzentrum. Als die Stadt schuldenfrei war, habe man die Schulen sanieren müssen, und es waren wieder Schulden aufgebaut worden. „Wir hatten 89 Millionen Euro Investitionsausgaben, aber die Schulden stiegen nur um etwa 8,2 Millionen Euro an“, stellt Kraus fest.

Unterstützt worden sei er immer von seiner Frau Rosi, denn er war auch 30 Jahre Mitglied im Kreisrat und engagiert sich in Vereinen wie der Fränkischen Fliegerschule, den Waldgenossen Breitenbach oder der Jagdgenossenschaft Ebermannstadt. „Meine Familie hat mir immer den Rücken freigehalten“, sagt Kraus und freut sich, wenn ihn seine Enkel besuchen oder er mit den Hunden spazieren gehen kann. Kraus singt auch im Männerchor, der in den Mixed-Generation-Chor übergegangen ist.

„Ich habe den Ebermannstadter Altbürgermeister Franz Josef Kraus schätzen gelernt als kritischen Geist, unabhängig einer politischen Farbe, der sich stets lösungsorientiert für seine Heimat eingesetzt und immer auch mögliche Alternativen aufgezeigt hat“, äußert sich der FDP-Landtagsabgeordnete Sebastian Körber.

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