Bedrückte Stimmung herrscht
am Wahlabend im Lager von Forchheims dritten Spitzenkandidaten Sebastian Körber (FDP). Zur Wahlparty hat sich seine FDP im Stadtlokal getroffen. Bereits bei Verlesung der ersten Wahlprognosen stellt sich für die Liberalen jedoch Ernüchterung ein. Nur drei Prozent der Stimmen für die FDP. Körber sieht die Verantwortung für das Ergebnis unter anderem bei Bayerns Landesvater Markus Söder.
Trotz schlechter Vorhersagen begann die Wahlparty der FDP im Stadtlokal eigentlich gut gelaunt. Etwas mehr als eine Handvoll Liberaler hatten sich hier schon vor Ende der Stimmabgabe versammelt. Ihren Tisch hatten sie mit Fähnchen in den Farben ihrer Partei sowie Bierdeckeln mit der Aufschrift „FDP Servus Zukunft!“ geschmückt. Kurz nach 18 Uhr weicht die ausgelassene Stimmung jedoch bedächtiger Stille – mit der Verlesung der ersten Wahlprognose.
Schock nach Erstprognose
„Immerhin in Hessen haben wir noch eine Chance“, erklärt Tobias Lukoschek, Forchheims FDP-Kreisvorsitzender, nachdem er den ersten Schock überwunden hatte. Für Bayerns Liberale bestehe jedoch kaum eine Chance, sich von dem Vorhersageergebnis zu erholen.
„Es ist schwer zu sagen, dass wir im Wahlkampf etwas falsch gemacht haben“, berichtet er. So etwa sei die Stimmung am Wahlkampfstand in Forchheim etwa nicht schlecht, die Gespräche durchaus konstruktiv gewesen. „Das hat sich angefühlt, als hätten wir noch eine Chance auf sechs bis acht Prozent“, erinnert er sich. Nicht als befände sich die FDP auf dem absteigenden Ast. Gerade in Forchheim, wo sich die Zahl der Parteimitglieder in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt habe. Letztendlich sei die Entscheidung der Wähler jedoch anders ausgefallen als gehofft.
Bestraft für Ampel-Politik
„Wir wurden für die Politik der Bundesregierung abgestraft“, erklärt er. Und das obwohl die FDP für ihr Verhalten in der Ampel eigentlich oft gelobt werde – etwa dafür, dass sie das Heizungsgesetz von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) deutlich entschärft habe. „Positiv angerechnet wurde uns das aber nicht“, betont Lukoschek. Stattdessen habe der Wähler die FDP mit den Grünen und SPD in Sippenhaft genommen.
Problematisch sei auch die Aiwangerdebatte gewesen. „Die hat zu einer Emotionalisierung des Wahlkampfes geführt“, erklärt der Kreisvorsitzende. Zwar habe die FDP versucht, sich im Wahlkampf nicht an dieser Debatte zu beteiligen, jedoch habe die Flugblattaffäre viel Aufmerksamkeit eingenommen. Andere Landesthemen seien dabei vollkommen untergegangen.
Sebastian Körber sieht drei Probleme
Geschockt wirkt nach seiner Ankunft im Stadtlokal auch FDP-Kandidat Sebastian Körber. Nach einer kurzen und stillen Begrüßungsrunde schaut er mit Lukoschek und dem FDP-Bezirkstagskandidaten Robin Stamos für fast zehn Minuten auf den Bildschirm, der das Hochrechnungsergebnis der Landtagswahl zeigt. Erst dann setzt er sich hin und bestellt sich ein Bier.
„Wir hatten bei dieser Wahl im Prinzip drei Probleme“, erklärt er. Das erste sei die Emotionalisierung der Debatte. Das zweite Problem seien die Attacken von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder auf die Ampel gewesen. Das habe für alles Mögliche gesorgt, nur nicht für eine Stabilisierung des Landes, wie er sie auch nach der Wahl beschwor. „Auch seiner eigenen Partei hat Markus Söder mit seinem Handeln nicht geholfen“, gibt Körber zu bedenken. Die habe stattdessen das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren.
Zu guter Letzt habe Hubert Aiwangers Flugblattaffäre dazu geführt, dass sachliche Landesthemen endgültig keine Rolle mehr spielten. Einer BR-Umfrage zufolge hätten rund 45 Prozent der Befragten angegeben, dass sie bei der Landtagswahl ein Signal an die Bundespolitik senden wollten. „Die Einzigen, die davon profitieren, sind die Populisten und die Rechtspopulisten“, betont Körber. Gemeint seien die Freien Wähler und die AfD. Für die sachorientierte FDP sei das hingegen bitter.
Kein Änderungsbedarf bei FDP
Welche Lehren die FDP aus der Wahlklatsche nun ziehen muss, mag Körber noch nicht sagen. Eines steht für ihn jedoch fest. Weder inhaltlich noch in der Art und Weise, wie sie auftrete, müsse seine Partei sich neu aufstellen. Auch wenn es schwierig sei, in einem emotionalen Diskurs mit sachlichen Argumenten zu punkten.
Dass er selbst künftig nicht mehr im Landtag sitze, empfinde er zwar als schade – keinesfalls jedoch als Weltuntergang. Stattdessen werde er die unerhoffte Freizeit nun dafür nutzen, mit seinem Mann noch vor Weihnachten in ihr neues gemeinsames Heim zu ziehen.
Kein Plan B nötig
„Ich brauche auch keinen Plan B“, erklärte Körber. Während seiner Zeit als Abgeordneter habe er nebenher stets weiter als Architekt gearbeitet – und so viel wertvolle Praxiserfahrung erlangt, die ihm auch in seiner politischen Arbeit geholfen habe. Dieser Aufgabe werde er sich nun wieder voll und ganz widmen. „Berufspolitiker wollte ich noch nie werden. Das hab ich immer gesagt“, betont er. Der Politik den Rücken zukehren wolle er nun jedoch auch nicht. „Ich bin ja weiterhin noch Mitglied im Forchheimer Stadtrat“, erinnert Körber.
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