Sie sieht deutlich älter aus und auch ihre Sätze sind schon fast erwachsen. Sara-Aliena Taut ist elf Jahre alt, den Kopf muss sie aber nicht mehr in den Nacken legen, um Erwachsene anzusehen. Auf den ersten Blick verrät lediglich ihre kindliche Zaghaftigkeit, dass man einem jungen Mädchen gegenübersteht. Dieses Mädchen ist Schülerin des Herder-Gymnasiums Forchheim und hat gerade den deutschlandweiten Plakatwettbewerb von Lions International gewonnen.
Ihr Friedensbild ist schon in den Vereinigten Staaten, für das Finale. Die Aufregung darüber sieht man der Schülerin nicht an, sie ist nicht der Typ für Luftsprünge in der Öffentlichkeit.
Die Kunstmappe wächst ständig
Sara-Alienas Bild ist keine Eintagsfliege. Sie malt, seit ihr der Stift gehorcht, am liebsten Farbverläufe. Zu Hause wächst die Kunstmappe konstant. Eines Tages erzählt die Kunstlehrerin dann im Unterricht von diesem Wettbewerb: Lions-Clubs auf der ganzen Welt finanzieren in jedem Jahr einen Kunstwettbewerb für Schulen und Jugendgruppen. Dafür malen Elf- bis 13-Jährige Bilder über den Frieden, sogenannten Friedensplakate, zu einem bestimmten Motto; in diesem Jahr „Mut zu träumen“.
Unterstützung im Kunstunterricht ist hierfür ohne Zweifel unerlässlich – nicht zuletzt beim Nachgehen der Frage, was das Motto genau bedeutet und wie es umgesetzt werden kann. Letzten Endes muss aber jedes Kind dann doch allein für sich entscheiden, was es tun möchte. Und nachdem es ein Wettbewerb ist, wäre es von Vorteil, eine besondere Idee dafür zu finden.
Sinnspruch von Desmond Tutu?
Sara-Aliena weiß es fast sofort. Sie erinnert sich an einen Sinnspruch, irgendwann, irgendwo gehört. Von wem er stammt, weiß sie nicht, ist aber offenbar nachhaltig davon beeindruckt: „Die Hoffnung sieht, dass es trotz Dunkelheit Licht gibt.“ Zugeschrieben wird der Satz Desmond Tutu, dem bekannten Menschenrechtsaktivisten Südafrikas. Einer, der wusste, wovon er sprach. Wie dann die elfjährige Sara-Aliena Taut diesen abstrakten Gedanken umgesetzt hat, ist eindrucksvoll. Dieses Bild hat sie zu Recht in den deutschlandweiten Wettbewerb und darüber hinaus katapultiert.
Aus der Dunkelheit kann man ins Licht gehen, vielleicht mit letzter Kraft dort ankommen. Saras Figur schaukelt hinein. Der Baum, der die Schaukel trägt, ist vertrauenswürdig stark. Zur Hälfte steht er in der Dunkelheit. Ein langhaariges Mädchen, ganz in Weiß gehalten – ein unschuldig-unbeschriebenes Blatt –, schaukelt auf das bunte Licht zu. Der linke Fuß hat es schon fast geschafft. Man muss sich keine Sorgen machen, der Versuch wird gelingen. Das Mädchen strahlt Entschlossenheit aus.
Was das Bild tiefgründiger macht
Es ist dieses Detail in der Figurenzeichnung, eine Andeutung zwischen den Zeilen, die das Bild tiefgründiger macht. Dabei war es gerade die Zeichnung der Mädchenfigur, die Sara zunächst verunsicherte, hat sie bislang doch kaum Menschen gezeichnet. „Ich wusste nicht, ob sie passt“, erzählt sie. Wusste sie es später? „Während ich gemalt hab’, hat es mir immer mehr gefallen. Und als ich es abgegeben hab, fand ich das Bild richtig, richtig schön.“
Das finden auch viele andere – und zeigen damit Sara-Aliena Taut, dass sich der Mut, von etwas zu träumen, lohnen kann; genau wie jener, etwas Neues zu wagen.










