Bei Katrin Frankenstein sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht. Denn bei der 29-jährigen Hirschaiderin ist fast immer ein Tierbaby zu Hause und wird aufgepäppelt. Ob das Fuchsbabys, kleine Feldhasen, Eichhörnchenbabys oder Waschbären sind, diese Tiere sind in Not und würden ohne Hilfe nicht überleben. Abweisen will sie niemanden. „Ein Nein wäre vielleicht schon das Todesurteil“, sagt Frankenstein.
Die Liebe zu den Tieren wurde ihr wohl in die Wiege gelegt. Schon als Kind brachte Frankenstein alle möglichen Tiere mit nach Hause. Da war schon mal eine Eidechse im Bett zu finden oder eine Raupe im Haus.
Selbst beim Schaukeln hielt Katrin einen Eimer mit Regenwürmern in der Hand. Vor sieben Jahren dann wurde sie zur Wildtierpflegerin, als Katrins Bekannter auf seinem Feld einen Babyfeldhasen fand. „Ich habe ihn dann aufgezogen“, sagt Frankenstein.
Tierärzte geben Adresse weiter
Doch der Hase musste irgendwann wieder ausgewildert werden und so suchte sie erste Kontakte zur Wildtierhilfe in Bamberg. Dort wurden Helfer gesucht. „So ging es los“, lacht Frankenstein. Zunächst erhielt sie einfach zu pflegende Tiere, dann wurde sie im Umgang mit den verwaisten oder verletzten Tieren immer sicherer und ihr Fachwissen umfangreicher.
Immer mehr Wildtiere kamen zu ihr. Auch die Tierärzte wussten davon, gaben Frankensteins Adresse weiter und selbst die Tierheime in Bamberg und Forchheim sind froh, mit der tierliebenden Frau eine zuverlässige Retterin für die kleinen Wildbabys zu kennen.
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Dass sie zum Notfall werden, dafür gibt es mehrere Gründe. „Entweder sie werden von der Mutter verstoßen oder sind aus dem Nest gefallen und werden von Hunden und Katzen angebracht“, sagt Frankenstein. Die Tiere finden über die Tierärzte oder die Tierheime den Weg zu Frankenstein.
Fällt ein Eichhörnchen aus dem Nest und sich verletzt, holt es die Mutter nicht mehr ins Nest. Manche Eichhörnchen liegen wie gelähmt am Boden durch den Aufprall auf die Wirbelsäule. Auch das wird nicht zurück ins Nest geholt. Manchmal sind die Jungen für die Eichhörnchenmutter auch zu schwer, es ins Nest zu holen.
Diese Notfälle landen bei Katrin Frankenstein, die zunächst die Wunden versorgt. Auch Eichhörnchen, die nach einem Sturz wie querschnittsgelähmt wirken, kann Frankenstein helfen. „Sie haben noch gute Heilungschancen“, sagt Frankenstein.
Einen solchen Fall hatte sie heuer bereits versorgt. Die Eichhörnchen erholen sich wieder. Einen Bruch der Beinchen würde Frankenstein auch schienen. Wurde ein Tierbaby von einer Katze angeschleppt, gibt die Wildtierpflegerin sofort Antibiotikum. Die Tiere würden sonst sterben. „Im Speichel der Katze sind Bakterien, die Pasteurella“, sagt Frankenstein.
Eichhörnchen kann sie das Antibiotikum oral geben. Bei Feldhasen ist das schwieriger. „Sie haben einen empfindlichen Darm“, erklärt Frankenstein, die das Antibiotikum deshalb spritzt.
Kein Feierabend
Alleine das alles zeigt, wie zeitaufwändig die Rettung der Tiere ist. Die kleinen Tiere sind bei Frankenstein in der Wohnung, in Boxen mit Wärmekissen. Eine Decke reicht nicht. „Die Tiere können ihre Körpertemperatur noch nicht selbst halten“, sagt Frankenstein. Die Milch bereitet sie selbst zu.
Keine Milch aus dem Kühlschrank, das wäre falsch. Sie mischt Katzenaufzuchtmilch mit Kamille- oder Fencheltee an. Manchen Wildbabys gefällt das nicht. „Sie wehren sich gegen die fremde Milch. Ich muss dann mit Infusionen unterstützen“, sagt Frankenstein. Einen geregelten Feierabend kennt die stellvertretende Lidl-Filialleiterin in Forchheim nicht.
Alle vier Stunden brauchen die Tiere Nahrung. Die Schützlinge hat sie deshalb während der Arbeitszeit im Auto dabei und Katrin nutzt ihre Pause, um die Kleinen zu umsorgen.
Sind sie groß genug, kommen sie in eine der Außenvolieren, um bald ausgewildert zu werden. Da gibt es dann schon emotionale Momente, genauso wenn es ein Baby nicht geschafft hat. Waschbären haben Finger und Hände und wenn sie auf Katrins Bauch lagen, haben sie ihre Retterin auch gestreichelt.
Tiere kommen wieder in die Natur
Oder sie waren aktiv, räumten Frankensteins Möbel aus und zupften an den Tapeten. Waschbären dürfen nicht ausgewildert werden. Frankenstein hat sie deshalb zu einem Fachmann mit großer Außenvoliere nach Österreich gefahren. Oder ihre Fuchsbabys, die so an den Menschen gewöhnt waren, dass sie sich in der wilden Natur den Spaziergängern anschlossen.
Auch diese hat Frankenstein wieder geholt und in eine Wildtierstation an die Schweizer Grenze gebracht. „Anfangs ist mir das schwer gefallen. Als ein Tier starb, habe ich heulend dagesessen“, verrät Frankenstein.
Inzwischen denkt sie an die vielen Tiere, die sie retten kann und sobald ein Tier die Außenvoliere verlässt, um wieder in der freien Natur zu leben, folgt ein anderes Tier, das wieder Hilfe braucht. Das beginnt im Februar, März mit den Feldhasen, im April mit den Eichhörnchen, dem folgen die Feldhasen und Füchse, die Waschbären und Siebenschläfer. Nur Vögel nimmt Katrin Frankenstein, die nun in Lichtenfels wohnt, nicht.
















