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Nachhaltigkeit
Warum die Mehrwegpflicht in Forchheim noch scheitert
Vielerorts sucht man Mehrwegbecher in Forchheim noch vergeblich.Forchheim & Fränkische Schweiz
Vielerorts sucht man Mehrwegbecher in Forchheim noch vergeblich. // Katharina Steinhäuser
Forchheim – Seit gut einem halben Jahr müssen Geschäfte Essen und Getränke zum Mitnehmen auch in Mehrwegbehältern anbieten. Doch die Veränderung läuft schleppend – auch in Forchheim. Eine Ursachenforschung.

Auf der Theke der Bäckerei im Forchheimer Bahnhof sind Einweg- und Mehrwegbecher nebeneinander gestapelt. Sofort ist klar: Wer sich hier seinen Kaffee zum Mitnehmen kauft, hat die Wahl. Laut der Mitarbeiter entscheidet sich trotzdem kaum jemand für die wiederverwendbare Variante.

Seit 1. Januar gilt in Deutschland die Mehrwegangebotspflicht. Die besagt, dass Unternehmen Lebensmittel und Getränke statt in Einwegplastik auch im Mehrwegbehälter anbieten müssen. Eine Ausnahme gilt laut Umweltbundesamt für Unternehmen mit einer Ladenfläche von nicht mehr als 80 Quadratmetern und mit höchstens fünf Beschäftigten.

Verschiedene Mehrwegsysteme im Einsatz

Das Gesetz wird unterschiedlich umgesetzt. Am Forchheimer Bahnhof ist beispielsweise eine App auf dem Smartphone nötig, um einen Kaffeebecher kostenlos auszuleihen. Nur wenige Meter weiter liegt das Café Brothaus. Dort ist ein anderes System im Einsatz: Ohne App, dafür mit einem Euro Pfand pro Mehrwegbecher. Auch hier ist laut den Mitarbeiterinnen die Nachfrage gering.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Innenstadt. Vielleicht zwei Prozent der Kunden würden ihren Kaffee gegen Pfand im Mehrwegbecher mitnehmen, schätzt Tina Kleinhans, Mitarbeiterin bei der Kaffeerösterei Bogatz. Beim Thema Essen zum Mitnehmen sieht es nicht besser aus. Das berichtet zum Beispiel Thomas Müller, Betriebsleiter beim Arizona. Nur einmal in den sechs Monaten seit Start des Gesetzes sei eine Mehrwegverpackung angefragt worden.

Müllevermeidung: Kleine Pause geht mit gutem Beispiel voran

Etwas mehr Interesse verzeichnet die Kleine Pause. Auf der Website des Unternehmens wird aktiv auf das Mehrweg-Angebot aufmerksam gemacht. Laut Geschäftsführer Thomas Halota geht trotzdem der größere Teil der Gerichte in Einwegverpackungen an die Kunden raus. Andere Restaurants in Forchheim geben auf Nachfrage an, gar keine Mehrwegbehälter anzubieten. Der Begründung: Fehlende Nachfrage.

Doch woran liegt das? Klara Günther, Vorsitzende des „Forchheim for Future e.V.“, kann sich gleich mehrere Gründe vorstellen. Zum einen wüssten viele Menschen gar nicht, dass Mehrwegbehälter angeboten werden müssen. Zum anderen sieht sie es kritisch, dass unterschiedliche Systeme im Einsatz sind. Damit hätten Kunden das Problem, dass sie überblicken müssen, wo sie was wieder abgeben können. „Das alles ist recht aufwendig und man muss auf Bequemlichkeit verzichten“, schreibt Günther.

Damit das Konzept funktioniere, müsse es ein einheitliches System – wie bei Pfandflaschen – geben. Außerdem sollten Verbraucher besser aufgeklärt werden, welche Schäden Einwegverpackungen aus Plastik verursachen und welche Vorteile Mehrweg bietet.

Mehrweg: Konkrete Infos über die Vorteile helfen

Philipp Sprengholz, Juniorprofessor für Gesundheitspsychologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, hält mehr Aufklärung ebenfalls für zielführend. Die meisten Menschen wüssten zwar, dass Mehrweg besser sei, vielen sei aber nicht klar, was das konkret bedeutet: „Wie groß ist die Einsparung an Ressourcen? Wie groß ist der Einfluss auf das Ökosystem?“ Wenn Kunden genau wüssten, wie viel besser eine Mehrwegverpackung ist, könne das motivierend wirken.

Gewohnheiten ändern: das gute Gefühl

Neben dem nötigen Wissen schätzt Sprengholz Gewohnheiten als einen der wichtigsten Faktoren ein. „Wir alle sind daran gewöhnt, Einwegverpackungen zu nutzen“, sagt er. Um so eine Gewohnheit zu ändern, sei eine Menge Energie nötig. Doch er hat einen Tipp für alle, die gern öfter zu Mehrweg greifen würden und bisher im Alltag scheitern. Am Anfang stehe das Ziel: Häufiger Mehrwegbehälter nutzen. Im nächsten Schritt stelle man sich das bestmögliche Ergebnis beim Erreichen dieses Ziels vor und welche Auswirkungen es auf einen selbst hätte. Zum Beispiel das gute Gefühl, wenn man den täglichen Kaffee unterwegs immer aus dem Mehrwegbecher schlürft.

Anschließend überlege man, woran das Vorhaben bisher gescheitert sei: Weiß ich beispielsweise nicht, wie ich den dreckigen Becher transportieren soll? Davon ausgehend könne man sich überlegen, wie man diese Probleme praktisch lösen könne. Zuletzt hält man das Fazit schriftlich in einer „Wenn-dann-Regel“ fest. Diese kann lauten: „Wenn ich morgens aus dem Haus gehe, dann nehme ich mir eine Tüte für den benutzten Becher mit.“ Durch das Aufschreiben werde die Regel verinnerlicht und automatisch aktiviert, wenn man losgeht.

Das Mehrwegangebot müsste besser werden

Der Gesundheitspsychologe sieht noch eine weitere Baustelle: das entsprechende Angebot. Trotz der Pflicht würden sich nicht alle Unternehmen daranhalten. Außerdem seien kleinere Betriebe vom Gesetz ausgenommen.

Markus Böhmer und Theresia Barthelme vom Café Mittendrin. Hier setzt man schon immer ausschließlich auf Mehrweg – doch das ist bisher die Ausnahme.Forchheim & Fränkische Schweiz
Markus Böhmer und Theresia Barthelme vom Café Mittendrin. Hier setzt man schon immer ausschließlich auf Mehrweg – doch das ist bisher die Ausnahme. // Katharina Steinhäuser

Wie es anders laufen kann, zeigt das Café Mittendrin. Bei dem Café der Forchheimer Lebenshilfe seien Mehrwegbecher schon seit der Eröffnung vor etwa zwei Jahren im Einsatz, erzählt Mitarbeiterin Theresia Barthelme. Einwegbecher bietet das Café dagegen gar nicht an.

Die meisten Kunden würden diesen Ansatz gut annehmen, sagt Karin Hofmann vom Café Mittendrin. Nur einzelne würden lieber weitergehen, anstatt ihren Kaffee im Mehrwegbecher zu kaufen.

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