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Mitten am Tag
Steht hier ein Wolf in der Nähe eines Supermarkts?
Am Mittwoch kurz nach 11 Uhr nahm die Wildkamera von Revierpächter Markus Zametzer in Plech dieses Tier auf.Forchheim & Fränkische Schweiz
Am Mittwoch kurz nach 11 Uhr nahm die Wildkamera von Revierpächter Markus Zametzer in Plech dieses Tier auf. // Markus Zametzer
Plech – Das Foto einer Wildkamera im Revier Plech scheint eindeutig. Dass es dort Wölfe gibt, ist kein Geheimnis. Doch das Verhalten löst Beunruhigung aus.

Wieder ein Wolf. Das Tier, das eine Wildkamera am Mittwoch in Plech (Landkreis Bayreuth) aufgenommen hat, sieht zumindest ziemlich genau aus wie ein Wolf. „Das ist nichts Ungewöhnliches“, sagt Christian Schmidtlein, stellvertretender Hegeringleiter der Hegegemeinschaft Betzenstein. Denn dort, am Rande des Veldensteiner Forstes, sind Wölfe keine Seltenheit mehr. Hier lebt, von den Behörden bestätigt, ein ganzes Rudel, also bis zu zehn Tiere, die gemeinsam unterwegs sind. Streng geschützt nach dem Naturschutzrecht.

Im Frühjahr machte dieses Rudel Schlagzeilen. Innerhalb weniger Tage wurden Ende Februar bzw. Anfang März 25 Tiere in ihren Gehegen in Riegelstein und Illafeld (Stadt Betzenstein) Opfer dieser Wölfe.

Wo endet normales Verhalten?

Der Wolf ist an sich scheu. Wenn er sich „normal“ verhalte, gehe keine Gefahr von ihm aus, heißt es von den zuständigen Ministerien in Bayern. Aber wo endet normales Verhalten?

Der Wolf vom Mittwoch auf der Wildkamera wurde laut Markus Zametzer, Pächter des Reviers in Plech, kurz nach 11 Uhr aufgenommen.

Für Christoph Thümmler, der dort ebenfalls auf die Jagd geht, ist das kein normales Verhalten mehr. „Der Wolf tritt nicht am Tag auf“, sagt er. Vier Risse habe er in diesem Jahr gefunden, auch Rotwild. „Es ist schon auffällig. Wir haben dort kaum mehr Wildbestand“, berichtet er. Die verpflichtenden Abschusszahlen für dieses Hochwild könnten inzwischen nur schwer erfüllt werden.

Wolf in der Nähe von Autos gesichtet

Doch das ist nicht das Problem. Beunruhigend ist vielmehr, was Zametzers Mitpächter Roland Gaal auf Anfrage berichtet. Am späten Mittwochnachmittag habe er einen Anruf eines Polizisten der Polizei Pegnitz erhalten. Dieser habe ihm geschildert, dass sich ein Passant bei ihm gemeldet habe, um darauf hinzuweisen, dass ein Wolf beim Kreisverkehr in Plech zwischen einem Einkaufsmarkt und einem Schnellimbiss herumlaufe und in die Autos hineinschaue.

„,Was kann man da machen‘, hat mich der Polizist gefragt“, erzählt Gaal. Er habe ihm geantwortet: „Ich kann gar nichts machen. Der Wolf steht unter Naturschutz.“

Wolf oder Wolfshund?

Auf unsere Nachfrage bei der Polizeiinspektion Pegnitz hieß es gestern dort, man wisse von nichts. Gaal ist überzeugt, dass es sich um einen Jungwolf handelt. „Wenn es so war, dann sieht man, dass der keine Scheu vor den Menschen hat.“

Da anscheinend niemand das Tier fotografiert hat, ist eine Zuordnung unmöglich. Laut Jäger Christoph Thümmler gibt es in der Region auch die Besitzerin eines Wolfshundes, einer Kreuzung aus Wolf und Schäferhund. Doch Gaal geht nicht davon aus, dass dieser Wolfshund dort unterwegs war.

Vielmehr weist er darauf hin, dass der Ort, an dem die Wildkamera am selben Vormittag den Wolf ablichtete, nur ungefähr 800 Meter Luftlinie vom besagten Kreisverkehr entfernt liegt. „Ich kenne den Wolfshund. Der hat keine weiße Blesse, also keinen weißen Streifen am Auge“, sagt Gaal.

Seit Frühjahr kein Vorfall mehr

Plech gehöre zum Territorium des ansässigen Rudels, sagt Sebastian Bäumler. Der Förster im Forstbetrieb Pegnitz ist Wolfsbeauftragter. „Wir gehen von acht bis zehn Tieren aus“, berichtet er. Der besagte Kreisverkehr, wo angeblich ein Wolf gesehen wurde, grenze an den Wald. „Auszuschließen ist das nicht, dass der Wolf die Straße kreuzt.“

Seit den Vorfällen im Frühjahr ist dem Wolfsbeauftragten kein Vorfall mehr zu Ohren gekommen. „Im Sommer gab es kaum Rissmeldungen, im Herbst wurden einige Rotwildrisse gemeldet“, berichtet der 33-Jährige. Dass das gesamte Rudel gesichtet werde, käme auch immer mal wieder vor. „Sowohl von uns im Forstbetrieb als auch von Waldbesuchern.“

Kaum Handyaufnahmen

Abnormales Verhalten sei ihm aber nicht bekannt. „Sobald die Wölfe mitbekommen haben, dass Menschen da sind, haben sie sich verkrümelt“, sagt Bäumler. „Daher gibt es auch kaum Aufnahmen mit Handys.“ Nur Ende vergangenen Jahres sei ein Wolf am Rande einer Bebauung gesichtet worden.

Martin Winter beruhigt das nicht. Der 42-jährige Hobbylandwirt und Weidetierhalter aus Neuhaus an der Pegnitz hat Angst um seine Kühe und Ziegen. „Es fließt da viel Geld, aber die Genetik kann man nicht ändern“, sagt er. „Die den Wolf haben wollen, sind für mich Balkonbiologen. Die haben keine Nachteile.“ Er sage nicht, dass der Wolf ausgerottet werden müsse. „Aber es gehören einfach auffällige Wölfe entnommen.“

Schutzzaun-Antrag mit Hindernissen

Winter besitzt vier Herdenschutzhunde. Einen geförderten Schutzzaun hat er entgegen ursprünglicher Absicht nicht beantragt. Das gehe nur, wenn der Zaun zehn Jahre bestehe. „Wegen der vielen Pachtflächen, die wir haben, ein Ding der Unmöglichkeit.“

Zumindest wird das Rudel im Veldensteiner Forst, das einzige in Franken, laut Bäumler nicht größer. „Wenn im Alter von ungefähr einem Jahr die Geschlechtsreife vorhanden ist, dann wandern die Jungen ab.“ Wohin, das sei völlig offen.

Wie begegnet man dem Wolf richtig?

Verhaltensregeln Respekt haben, nicht weglaufen, langsam zurückziehen, nicht auf den Wolf zugehen, Hund nahe bei sich halten.

Tabu Niemals Wölfe füttern! Die Tiere suchen dann aktiv die Nähe von Menschen. Ohne die natürliche Scheu wird der Wolf zum Problem.

 

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