Am Donnerstagabend wurden der Wallfahrtsort und die Außenorte Behringersmühle und Leutzdorf regelrecht überschwemmt. Leutzdorf glich einer Seenlandschaft und auf der Staatsstraße am Behringersmühler Berg wurde die Straßendecke von den Wassermassen unterspült und Asphaltbrocken und Geröll vor das Hotel Behringers gespült. Der Behringersmühler Berg wird voraussichtlich für mehrere Wochen gesperrt bleiben.
Die Gößweinsteiner Pezoldstraße, die Hauptstraße durch den Ort, glich einem reißenden Wildbach. „Da hätte man auch Kajak fahren können“, sagt eine Anwohnerin. Im griechischen Restaurant Nostimo in der Pezoldstraße schießt das Wasser aus der Dunstabzugshaube der Gastroküche. Das Lokal ist zu dieser Zeit gut besucht, doch die Küche bleibt kalt. Die meisten Gäste haben zu diesem Zeitpunkt bereits gegessen.
Land unter hieß es auch an der Martinswand und in der Gartenstraße wurde der Schotter vom Kreuzberg über die Wickersleite hinuntergespült. Besonders hart traf es die Gärtnerei Wiedow. Im Lagerkeller stand das Wasser eineinhalb Meter hoch.
Öltank gesichert, Umweltkatastrophe verhindert
Vier Feuerwehren mit vier Pumpen waren damit beschäftigt, das Wasser aus den Kellern der Gärtnerei und dem Heizöllagerraum zu pumpen, berichtet Gärtner- und Floristmeisterin Anna-Lena Schäfer. Die Säcke mit Blumenerde sind unbrauchbar und müssen entsorgt werden. Nur dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr ist es zu verdanken, dass es nicht auch noch zu einer Umweltkatastrophe durch auslaufendes Heizöl gekommen ist.
„Wir haben noch versucht, Erdsäcke vor den Kellereingang zu stellen. Aber es hat nichts gebracht“, sagt Schäfer. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Bürgermeister Hanngörg Zimmermann, der am Donnerstagabend selbst den Großalarm auslöste, als er schon auf dem Weg zum Feuerwehrhaus in der Etzdorfer Straße war. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Kanaldeckel bereits angehoben und schwammen teilweise davon.
Es ist genau 19.42 Uhr, als die Stützpunktwehr Gößweinstein alarmiert wird. Wenig später erfolgt die Alarmierung des kompletten Löschzuges und des Katastrophenschutzfahrzeuges der Feuerwehr Ebermannstadt. Nacheinander rücken 13 Feuerwehren an, darunter die Wehren aus Schlaifhausen, Gosberg, Mittelehrenbach, Wiesenthau, Ebermannstadt, Biberbach, Moggast, Leutzdorf, Behringersmühle und Egfloffstein. 175 Feuerwehrleute kämpften gegen die Wassermassen und rückten zu insgesamt 41 Einsätzen aus.
„Es ist eine absolute Katastrophe“
Vor allem werden viele Keller ausgepumpt. Nicht nur im Franziskanerkloster, im Autohaus Bayer und in der Schule in Gößweinstein. Dort stehen der Technikraum und weitere Keller eineinhalb Meter unter Wasser.
Um 20.28 Uhr berichtet der Einsatzleiter, der Gößweinsteiner Feuerwehrkommandant Marcel Zweck, nach dem Anruf unserer Zeitung, dass derzeit 20 Einsätze gleichzeitig laufen. „Es ist eine absolute Katastrophe“, sagt Zweck noch kurz, bevor er wieder auflegt. Für weitere Telefonate hat er keine Zeit. „Später mehr“, sagt er noch kurz. Inzwischen ist auch Kreisbrandrat Oliver Flake eingetroffen. Um 22.50 Uhr teilt er unserem Reporter telefonisch mit, dass sich die Lage inzwischen entspannt habe.
Um 3.45 Uhr am Freitagmorgen kann endgültig Entwarnung gegeben werden. Um diese Zeit war der Einsatz offiziell beendet, informiert Bürgermeister Zimmermann, der selbst als Feuerwehrmann gegen die Wassermassen gekämpft hat. Flake koordiniert die Einsätze in der Einsatzzentrale mit.
Lastwagenweise Geröll und Schlamm
Gößweinstein ist aus dem Tal von der B 470 aus nicht mehr erreichbar, da auch am Sachsenmühler Berg ein großer Baum umgestürzt ist und quer über der Fahrbahn und auf der anderen Straßenseite in der zerstörten Leitplanke liegt. Auch hier muss die Feuerwehr anrücken, um die Fahrbahn wieder frei zu machen.
„Man kann von großem Glück sprechen, dass niemand verletzt wurde“, sagt Flake. Nicht nur Feuerwehrleute sind im Einsatz. Die Gärtnermeister Bernhard und Felix Schrüfer sind mit ihrem Radlader ausgerückt, um die Straßen von Geröll und Schotter zu befreien.
Am nächsten Morgen bietet er der Gärtnerei Wiedow seine Hilfe an. „Ich schicke zwei meiner Arbeiter vorbei, die euch beim Aufräumen helfen“, sagt er zu seinem Gärtnerkollegen Harald Wiedow.
Noch in der Nacht hatten Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts Bamberg mit den Aufräumarbeiten am Behringersmühler Berg begonnen. Lastwagenweise mussten Geröll und Schlamm von der Fahrbahn geräumt werden. Wie lange die Reparatur der Straße dauern wird, ist noch nicht abzusehen. Ebenso wenig wie die Höhe des gesamten Sachschadens, so Bürgermeister Zimmermann.














