Quizfrage zum Einstieg: Was haben Grönland und die Fränkische Schweiz gemeinsam?
Auf den ersten Blick wenig. Die Crux dabei: Alles hängt mit allem zusammen und beeinflusst sich gegenseitig. Klingt auf den ersten Blick wie eine banale Binsenweisheit aus dem Abreißkalender. Aber bei Interaktionen, also den Wechselwirkungen und Austauschprozessen zwischen Erdoberfläche und Wettergeschehen in der Atmosphäre lässt sich ein anderes Beispiel zur Veranschaulichung heranziehen. Man stelle sich ein großes Spinnennetz vor, an dem an einem Ende gezupft wird.
Wetter-Experte erklärt: Warum die Hochs so lange verweilen
Quasi gleichzeitig bewegt sich das ganze Spinnennetz. Auch am anderen Ende, an dem man dann nicht weiß, wer wo und warum für eine Bewegung sorgt. In vielerlei Hinsicht ist es bei den groß- und kleinräumigen klimatischen Auswirkungen durch unterschiedlich gesetzte Ursachen ähnlich.
WHO: „Internationalen Jahr zur Erhaltung der Gletscher“
Am 21. Januar hat die Weltwetterorganisation (WMO) das Jahr 2025 offiziell zum „Internationalen Jahr zur Erhaltung der Gletscher“ erklärt. Die weltweiten Eisriesen schmelzen fünfmal so schnell wie noch in den 1980er Jahren dahin – klarer Indikator für die fortschreitende Klimaerwärmung.
Aber damit nicht genug. Neben dem enormen Verlust an Süßwasserreserven, die sich in den Nordatlantik ergießen und mit Salzwasser vermischen, schrumpfen auch die winterlichen Packeisflächen um Grönland herum in atemberaubendem Tempo. Folgen sind weniger Kältereservoir in den Wintermonaten, höhere Wassertemperaturen im weiteren Umfeld und damit weniger Gegensätze zwischen den kalten Polarregionen und den warmen (sub-)tropischen Breiten des südlichen Atlantiks.
Dies hat thermodynamische Folgen für die hochreichenden Windbänder rund um die Nordhalbkugel, den als Jet-Stream bekannten Wetterströmungen. Sie haben sich laut umfangreicher Studien in den letzten Jahrzehnten verlangsamt. Will heißen: Haben wir eine großräumig stabile Wetterlage, wie die Hochs in diesem Winter, dann kann sich das nicht nur über wenige Wochen, sondern künftig mit kurzen Unterbrechungen sogar über Monate hinweg fortsetzen.
Wie so etwas aussieht und welche Folgen es haben kann, haben wir ja noch aus den Sommern zwischen 2018 und 2023 bestens in Erinnerung. Nur dass im Winterhalbjahr trockene Phasen in der Natur und für uns weniger augenscheinlich werden.
Kaskadenartige Kettenreaktion
Womit sich der Kreis zur Quizfrage eingangs schließt. Es entsteht eine Art kaskadenartige Kettenreaktion mit Fernwirkung zwischen Grönland und unserer Region: schrumpfende Gletscher, erwärmte Umgebungsmeere, mehr Sturmtiefs über dem Atlantik und im Gegenzug längere Verweildauer von kontinentalen Hochs über weiten Teilen Europas.
Kein Schnee in der Fränkischen Schweiz
Und wo kein Tief mit schneeträchtigen Wolken ist, kann es im Winter schlicht und einfach auch nicht schneien. So weit, so gut für die Autofahrer – so frustrierend aber eher für alle Wintersportler und Ausflügler, die es in eine schneebedeckte Fränkische Schweiz zieht. Dann muss man sich wie in diesen Tagen und Wochen mit nebelfreien Blicken auf märchenhaft verreifte Höhen, im Idealfall inklusive Sonnenschein und blauen Himmel begnügen – also einer Art Minutenglück.
Hoch namens „Elvira“
Und genau dies ist auch aktuell unter dem mächtigen neuen Hoch namens „Elvira“ zu erwarten, das mehr als die Hälfte Europas überdeckt und uns gegen jegliche Versuche von atlantischen Tiefs abgeschottet hat. Davon gibt es zwar jede Menge, teilweise auch Sturm und Orkantiefs; aber deren Zugbahn verläuft entweder im hohen Bogen über den Polarkreis nach Nordosten oder abgeschnürt als eigenständiges Tief in den Mittelmeerraum.
Das hat zumindest für die dürregeplagten Anrainerstaaten, wie Spanien, Teile Italiens und Griechenland, den Vorteil, dass es zu erheblichen Regenmengen kommt. Wie so oft bei der Natur, geschieht dies aber nicht in Maßen, sondern regional teilweise unwetterartig mit Überschwemmungen, was am anderen Ende der Scala auch wieder zu immensen Schäden führt.
„Elvira“ hin oder her, nach jetzigem Stand dürften wir uns in einer etwas vorgezogenen Bilanz erneut mit einem ausgesprochen unauffälligen, eher zu trockenen und außerordentlich schneearmen Gesamtwinter abfinden. Womit wir wiederum bei einer Binsenweisheit angelangt sind: des einen Freud, des anderen Leid – oder auch „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“.
Erinnern wir uns: Im vergangenen Jahr kam der Winter quasi als Nachschlag, als ihn keiner mehr wollte und brauchen konnte – mit erheblichem Nassschnee und Schneebruch in höheren Lagen der Fränkischen Schweiz um den 20. April! Übrigens: Dieser Termin wäre 2025 genau an den Osterfeiertagen.
Lesen Sie auch:













