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Effeltrich, Pinzberg & Poxdorf
Windräder im Kreis Forchheim: Neue Pläne für drei Gemeinden
Viele Besucher nahmen das Angebot wahr, sich an den Infoständen zu informieren.Forchheim & Fränkische Schweiz
Viele Besucher nahmen das Angebot wahr, sich an den Infoständen zu informieren. // Karl Heinz Wirth
Signet des Fränkischen Tags von Karl Heinz Wirth
Effeltrich – Bürgerinnen und Bürger aus Effeltrich, Pinzberg und Poxdorf erörtern den Bau von Windrädern. Die Stimmung scheint tendenziell positiv, aber es gibt auch „Gegenwind“.

Die Energiewende soll per Gesetzt vorankommen. Deshalb müssen auch in Oberfranken weitere Flächen für die Windkraft her. Aus diesem Grund haben die Bürgermeister der Gemeinde Poxdorf und Effeltrich, Paul Steins und Peter Lepper, zur Bürgerinformationsveranstaltung in die Schulturnhalle Effeltrich eingeladen. Thema: „Mögliche Windräder in den Windvorranggebieten 4319 und 4320 Effeltrich-Poxdorf-Pinzberg“.

1,1 Prozent der Fläche für Windenergie

Peter Lepper begrüßte Bürger aus Pinzberg, Poxdorf, Effeltrich sowie der angrenzenden Gemeinden. Lepper erläuterte zu Beginn den aktuellen Sachstand. Mit Inkrafttreten des „Wind-an -Land-Gesetzes“ müssen bis Ende 2027 1,1 Prozent der Fläche eines Planungsverbandes, hier Oberfranken-West, für Windenergie ausgewiesen werden.

Lepper erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass im Zuge des Beteiligungsverfahrens nicht nur Gemeinden, Interessengruppen, sondern auch einzelne Bürgerinnen und Bürger das Recht haben, Bedenken und Einwände gegenüber dem Regionalen Planungsverband Oberfranken-West in Form von Stellungnahmen abzugeben.

Räte wollen Bürger-Meinung spieglen

Die jeweiligen Gemeinderäte werden eigene Stellungnahmen beschließen. Die sollen das Meinungsbild der Bürger widerspiegeln, so Lepper. „Deshalb soll das gemeinsame Ziel sein, sich sachlich und fachlich auszutauschen.“

Und was, wenn die Gemeinde kein Vorranggebiet ausweist? Dann werde es keine Diskussion mehr darüber geben „ob“ Windräder kommen, da die Gemeinde kein Mitspracherecht mehr habe. Das bedeutet: „Mit Ausweisung als Vorranggebiet ist der Bau von Windrädern privilegiert, und damit kann jeder eine derartige Anlage errichten, erklärt der Bürgermeister. Die Gemeinde hat nur die Möglichkeit, das „Wie“ zu beeinflussen.

Potenzial von 180 Windrädern

Und zwar die Flächensicherung mit den jeweiligen Eigentümern, die Auswahl eines Projektierers, sowie die Genehmigungsplanung. Jens Herzog, Gemeinderat und Energiebeauftragter der Gemeinde Effeltrich, stellte die Redner und Aussteller vor und moderierte die Veranstaltung. Hubert Treml-Franz von der Energieagentur-Nordbayern und Windkümmerer erläuterte den Stand der Energiewende aus regionaler Sicht.

So besteht in Oberfranken ein Potenzial von etwa 180 Windenergieanlagen; davon 50 Anlagen in bestehenden Vorranggebieten. Der Anteil der Windenergie im Landkreis Forchheim fällt mit einer Anlage nicht ins Gewicht.

Treml zeigte die Eckpunkte für das Interkommunales Windparkprojekt auf. Die Anzahl der Windräder sei auf maximal vier begrenzt, mit einem Mindestabstand von 1000 Meter zur Wohnbebauung.

Bürgerinitiative Gegenwind

Reiner Pracht von der Bürgerinitiative „Gegenwind“ äußerte die Bedenken zum Bau von Windrädern aus seiner Sichtweise. Windräder würden einen Wertverlust der Immobilien verursachen und würden keine Probleme lösen. Die Initiative Gegenwind ist der Auffassung, dass die Energiepolitik nicht nur den Industriestandort Deutschland und die Arbeitsplätze gefährde, sondern auch zu einer Gefährdung der Energieversorgungssicherheit führe. „Trotz Biogasanlage in Pinzberg und Solarparks in Dobenreuth und Poxdorf steigen die Strompreise“, sagte Pracht. Windparks würden daran sicherlich nichts ändern.

Brigitte-Forstner-Keck vom Bund für Umwelt und Naturschutz sieht dies anders und favorisiert mit ihren Mitgliedern Windkraft. „Energiegewinnung durch Wind ist die flächeneffizienteste Erzeugungsform“ betont sie. „Auf einem Hektar können 6000 Haushalte versorgt werden, wogegen je Hektar Photovoltaik 230 Haushalte und mit der Biogasanlage von einem Hektar Mais 7 Haushalte versorgt werden“, erläutert Forstner-Keck den Besuchern. Auf die Frage einer Bürgerin, ob Infraschall krank macht, antwortet Treml-Franz: „Messtechnisch ist die Zusatzbelastung für Menschen auch bei geringer Entfernung nicht nachweisbar.“

Abrieb fällt überall ab

Erzeugen Windräder Mikroplastik und giftigen Abrieb? Auch das wurde aus der Versammlung nachgefragt. Abrieb, so Treml-Franz finde überall statt. So verursachen Reifen 102.090 Tonnen Abrieb pro Jahr und bei der Abfallentsorgung 24.981 Tonnen. Während bei Windrädern der Abrieb bei 1.395 Tonnen pro Jahr liege.

Nach der Veranstaltung hatten die Besucher die Gelegenheit, sich an den verschiedenen Infoständen zu informieren. Positiv wurde Informationsveranstaltung nicht nur von den Veranstaltern gesehen; auch viele Besucher zeigten sich überrascht von der sachlichen und fachlichen Information. Nun sei es an den Gemeinderäten, „ein Ergebnis zu finden im Sinne der Bürger“, betonten die Bürgermeister Peter Lepper und Paul Steins.

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