Am vergangenen Freitagvormittag war das Parkdeck des Klinikums Forchheim gut ausgelastet. Lediglich im hinteren Bereich standen auf einigen Parkplätzen mit Blick auf die Klinikapotheke noch keine Fahrzeuge. Früher wäre Rainer Minx, wenn er zu einem Arzttermin gemusst hätte, in so einer Situation mit seinem Suzuki wohl schnell auf den Wendehammer vorgefahren und hätte dort gehalten. Heute würde der MS-Kranke, der nur noch mit zwei Krücken als Unterstützung laufen kann, sich diese Entscheidung vermutlich genau überlegen. Seit Anfang des Jahres weiß der 68-Jährige nämlich, wie teuer diese Wahl für ihn an ausgehen kann.
„Wer mit seinem Auto da durchfährt, muss damit rechnen, von der Stadt dafür zur Kasse gebeten zu werden“, berichtet Minx. 55 Euro beträgt das Verwarngeld, das von ihm dafür verlangt wird, weil er in einem Verkehrsbereich geparkt hat, der durch das Zeichen 250 (Durchfahrt verboten) gesperrt war. Besagtes Verkehrszeichen steht kurz hinter der Einfahrt des Parkdecks am Klinikum. Durchfahren dürfen nur Fahrräder, Taxen, Busse und Mietfahrzeuge – mit Letzteren sind laut Stadt Krankentransporte von Sozialdiensten wie dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) gemeint. „Der Grund hierfür ist, dass die Fläche auf dem Wendehammer für Linienbusse und die Feuerwehr frei gehalten werden muss“, erklärt Britta Kurth, Sprecherin der Stadt Forchheim. Dies gelte auch, wenn Angehörige nur schnell Patienten vor dem Eingang absetzen wollten. „Das Schild dient der Vorbeugung“, betont sie. Und es bestehe seit Bau des Klinikums. Schließlich könnten Falschparker hier im Falle eines Feuers zahlreiche Leben in Gefahr bringen.
Baustelle verlängert Wege
Dafür, dass Busse und Einsatzkräfte nicht behindert werden dürfen, hat Rainer Minx Verständnis. Besonders behindertenfreundlich sei diese Regelung jedoch nicht – gerade im Hinblick auf die Bauarbeiten, die bereits seit geraumer Zeit am Klinikum stattfinden würden. Durch diese fallen derzeit einige Behindertenparkplätze unweit des Klinikeingangs weg. Außerdem werden die Fußgängerbrücken, die das Parkdeck mit dem Klinikum verbinden, versperrt. Damit verlängert sich der Weg von den offiziellen Behindertenparkplätzen der Parkfläche zum Haupteingang um rund 60 Meter. „An schlechten Tagen kann das für mich aufgrund meiner Erkrankung richtig kraftraubend sein“, berichtet der Patient. Dann müsse er sich, sobald er wieder daheim ankomme, zunächst für einige Stunden hinlegen. Aber auch bei Regen seien die zusätzlichen Meter eine Herausforderung. „Gleichzeitig zwei Krücken und einen Regenschirm zu halten, ist unmöglich“, erzählt er. Genau aus diesem Grund habe er sich auch an dem Tag, an dem er den Strafzettel erhalten habe, dazu entschieden, vor dem Klinikum zu parken.
Allein ist er mit dieser Entscheidung nicht. Tatsächlich fahren auch am Freitagvormittag zahlreiche Fahrzeuge an dem Verbotsschild vorbei. Die meisten kommen, um Patienten abzusetzen oder abzuholen. „Keiner fährt hier aus Spaß vor“, erklärt dazu Kornelia Seidner, die gerade erst nach einer Operation am Fuß entlassen wurde. Auch ein Bestattungsunternehmen aus Bamberg fährt mit seinem Wagen vor. „Um ehrlich zu sein habe ich das Schild beim Einfahren übersehen“, erklärt Fahrer Matthias Lochmann. Nachvollziehen könne er es aber nicht wirklich. Schließlich brauche auch er einen Ort, an dem er ans Klinikum anfahren könne, wenn er die Verstorbenen nicht quer über den Parkplatz schieben wolle. „Vielleicht fallen wir ja unter den Sammelbegriff Taxen“, scherzt er.
Parküberwachung in der Regel kulant
Nach der allgemeinen Erfahrung handle die kommunale Verkehrsüberwachung gerade rund um das Klinikum Forchheim mit sehr viel Augenmaß und Sachverstand, heißt es seitens des Klinikums auf Anfrage unserer Zeitung. Wer beispielsweise in einer Notsituation vor dem Haupteingang nur kurz mit dem Auto anhalte, einen Patienten aus nachvollziehbaren Gründen ein- oder aussteigen lasse und danach umgehend weiter fahre, brauche keinen Strafzetteln zu befürchten. „Die Parküberwachung schreibt in der Regel nur Fahrzeuge auf, wo der Halter nicht anzutreffen ist“, berichtet Sven Oelkers, Geschäftsführer des Klinikums Forchheim. Grundsätzlich bittet das Klinikum alle Besucher und Patienten, das Parkdeck direkt vor dem Klinikum Forchheim mit seinen vorhandenen Behindertenparkplätzen zu benutzen.
„Aktuell verfügt das Klinikum Forchheim trotz der umfangreichen Baumaßnahmen zur Erweiterung der medizinischen Versorgung über fünf Behindertenparkplätze“, heißt es von Seiten des Klinikums. In vier bis sechs Wochen solle der direkte Zugang vom Parkdeck zum Haupteingang des Klinikums aber wieder geöffnet werden. „Durch die Bauarbeiten mussten drei Behindertenparkplätze geschlossen oder verlegt werden“, so die Mitteilung außerdem. Auch der Standort der neuen Parkplätze ist laut Rainer Minx jedoch nicht leicht zu finden. Er selbst sei erst auf Nachfrage im Rathaus darauf hingewiesen worden. „Wie mir mitgeteilt wurde, befinden sie sich direkt an der Notaufnahme“, erläutert er. Um sie zu erreichen, müsse man jedoch an einem Einfahrt-Verboten-Schild vorbei und mitten über den Hubschrauberlandeplatz des Krankenhauses fahren.
Statt solcher irritierender Parklösungen schlage er vor, dass Stadt und Klinikum zusammen ein Konzept erarbeiteten, das im Sinne der Patienten sei. „Anstelle des Durchfahrtsverbots könnte man beispielsweise ein eingeschränktes Halteverbot einführen“, schlägt er vor. Dann könnten die Forchheimer endlich Angehörige abliefern, ohne dabei eine Ordnungswidrigkeit zu begehen. Wer falsch parke, könne trotzdem zur Kasse gebeten werden.
„Ganz so einfach, wie manche sich das vorstellen, kann man hier die Beschilderung leider nicht ändern“, erklärt Britta Kurth. Es müsse erst ein Verwaltungsverfahren durchgeführt werden. Außerdem bestehe die Gefahr, dass man durch neue Schilder dafür sorge, dass Falschparker sich ermutigt fühlten, ihr Fahrzeug abzustellen. Wer Probleme mit dem Laufen habe, solle im Vorfeld seines Termins Kontakt zum Klinikum aufnehmen. Dort finde man eine Lösung.
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