Wegen Steinbruch
Lkw-Flut: Das könnte auf die Kunreuther zurollen
Schon jetzt ist die Belastung durch Lastwagen in Kunreuth groß. Durch Veränderungen im Steinbruch Gräfenberg könnte das noch schlimmer werden, fürchten die Anwohner.
Schon jetzt ist die Belastung durch Lastwagen in Kunreuth groß. Durch Veränderungen im Steinbruch Gräfenberg könnte das noch schlimmer werden, fürchten die Anwohner.
Foto: Petra Malbrich
Kunreuth – Kommt Kunreuth unter die Räder? Weil schon jetzt zu viele Laster durch den Ort rollen, leiden die Anwohner darunter. Und es könnte noch schlimmer werden.

Dicht an der Staatsstraße in Kunreuth wohnt Horst Franke. „Wenn die Lastwagen fahren, scheppern die Scheiben und das Sofa wackelt. Das geht wie Wellen durchs Haus“, sagt Franke. Bereits mit dem Ausbau der ICE-Strecke gab es zusätzliche Belastung durch den Schwerlastverkehr. Das war zeitweise.

Mit der Auffüllung des Steinbruchs Bärnreuther-Deuerlein fürchten die Kunreuther eine Dauerbelastung, wovon auch in der Petition der Interessensgruppe Steinbruch (IGS) die Rede ist. „150.000 Tonnen pro Jahr. Nicht alle Lastwagen werden voll beladen fahren. Da sind viele Touren extra“, fürchtet nicht nur Franke.

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Auch Heinz Hofmann hat die Auswirkungen durch die Lastwagen vor allem in dem Jahr mit Homeoffice so richtig erlebt. „Man spürt jeden Lastwagen, der durch die Rillen fährt“, sagt Hofmann. Das werde dann natürlich weiter zunehmen.

„In 20 Minuten fahren gut zehn Lastwagen durch den Ort.“

Von den Abgasen und der Gebäudeerschütterung zu Spitzenzeiten abgesehen, litten die Straßen. Der Zustand der Staatsstraße zeige das deutlich. „Die Schäden sind schon über zehn Jahre alt. Wenn sie bereinigt werden, dann nur bruchstückhaft“, sagt Hofmann. Ein Bruch in der Fahrbahn sei gut zehn Zentimeter tief und bislang nicht behoben worden.

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Sowohl Franke als auch Hofmann haben Gebäudeschäden. Horst Franke am Haus und bei Heinz Hofmann sind es zwei Mauerrisse. Horst Franke kontaktierte sogar das Straßenbauamt und fragte, weshalb 40-Tonner hier zugelassen würden.

„Dass Lkw fahren müssen, verstehe ich. Doch dann muss eine Lösung gefunden werden“, meint Franke.

Dem stimmt nicht nur Hofmann zu. Einfach anständig fahren zu können, wäre der Wunsch. „Die Wellen müssten regelmäßig ausgebessert werden, damit die Erschütterungen weniger werden“, sagt Franke.

Auch Bürgermeister Ernst Strian fürchtet, dass die Straße nicht saniert werde, solange das Thema Steinbruch nicht abgeschlossen sei. Zudem: „Ein Bruchteil des Landkreises muss die Zeche zahlen, damit andere glücklich sind“, sagt Heinz Hofmann und meint damit in diesem Fall die Firma Bärnreuther-Deuerlein mit Hauptsitz in der Oberpfalz. Selbst wenn der Bauschutt unter Kontrolle sei, bleibe der Schwerlastverkehr.

Bürgermeister Ernst Strian hat sich die Zeit genommen und selbst an den Straßenrand für eine Verkehrszählung gesetzt und kommt zum selben Ergebnis wie Horst Franke, der sich ein Messgerät gekauft hat, um die Dezibel zu ermitteln. „Die Ämter ermitteln immer nur einen Durchschnitt“, sagt Franke. Doch was nutzt die relativ moderate Durchschnittszahl, wenn es die täglichen Spitzen mit 90 Dezibel gibt? Oder wie relevant sei die Anzahl der Fahrzeuge, wenn man zwischen 10 und 12 Uhr nicht mehr über die Straße könne, fügt Strian an.

„Die Anwohner waren früher da und haben dasselbe Recht wie andere, die in neuen Baugebieten leben und nichts von dem Lärm, den Abgasen und den Erschütterungen mitbekommen.“

Es sei auch ein Thema für die Zukunft, findet Franke.

Die Bürgermeister haben den Auftrag, wenig Bauland zu verschwenden, sondern den Ortskern zu beleben. „Wer zieht freiwillig in ein Haus ohne Garten an der Straße, wo nicht einmal Kinder spielen können?“, fragt Franke. Es ist die Lebensqualität, die den Bürgern an der Straße des Schwerlastverkehrs genommen wird. Das geht anderen Gemeinden ähnlich.

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„Wir sind grundsätzlich immer in Sorge vor mehr Verkehr. Gerade an der B2 wäre es ein Problem für die Anwohner, wenn der Schwerlastverkehr zunehmen würde“, betont Igensdorfs Bürgermeister Edmund Ulm (CSU) das allgemeine Problem, nicht explizit auf den Steinbruch gemünzt. Über die Auswirkungen der Steinbruchauffüllung könne noch nicht viel gesagt werden. „Bisher geht es um die Höherwertung der Verfüllkategorie“, sagt Ulm. Zwar sei angedacht, mit einem gefüllten Lkw in den Steinbruch zurückzufahren. Aber: „Ob das logistisch immer zu bewerkstelligen ist?“, fragt Ulm und spricht damit die Befürchtung der Kunreuther aus.

Ernst Strian wundert sich zudem, dass jeder Solarpark oder jedes Baugebiet der Nachbargemeinde auf dem Sitzungstisch der Nachbarkommunen komme, um Stellung zu nehmen. Bei der Aufwertung der Verfüllkategorie hingegen habe die Gemeinde keine Stellungnahme abgeben müssen.

„Wir sind betroffen, aber nicht beteiligt“, meint Strian.

Das sieht das Landratsamt anders. „Das Vorhaben wurde öffentlich bekannt gemacht. Auch Nachbargemeinden durften Stellungnahmen abgeben“, sagt Holger Strehl, Pressesprecher am Landratsamt Forchheim.

Von keiner Gemeinde ging eine Stellungnahme ein. Außer der Gräfenberger. 

Terminhinweis:

Infostand zur Steinbruchauffüllung: Am Samstag, 10. Juli, von  8 bis 12 Uhr wird die Interessengemeinschaft Steinbruch (IGS) am Marktplatz in Gräfenberg mit einem Infostand vertreten sein, um Fragen der Bürger zum Thema „Verfüllung des Steinbruchs Bärnreuther-Deuerlein mit schadstoffbelastetem Material“ zu beantworten.