Erlangen macht's vor
Warum nicht gratis im Bus durch Forchheim?
Am Forchheimer ZOB kontrolliert Busfahrer Fritz Katheder das Ticket einer Kundin. Eine kostenfreie Buslinie hat in der Königsstadt wenig Chancen.
Am Forchheimer ZOB kontrolliert Busfahrer Fritz Katheder das Ticket einer Kundin. Eine kostenfreie Buslinie hat in der Königsstadt wenig Chancen.
Foto: Barbara Herbst
Forchheim – Erlangen bekommt eine kostenlose Buslinie. Warum so ein Angebot in Forchheim wenig Erfolg verspricht und wie der ÖPNV stattdessen besser werden soll.

In der Innenstadt einfach in den Bus einsteigen und losfahren, ohne ein Ticket kaufen zu müssen. In Erlangen wird das Realität: Fahrgäste können ab Januar 2022 auf einer Buslinie kostenfrei vom Zentralen Omnibusbahnhof zu den Unikliniken und zurück fahren.

Während die Forderungen nach einem attraktiveren innerstädtischen Nahverkehr auch in Forchheim lauter werden, erscheint das Erlanger Modell einer Gratis-Linie in der Königsstadt jedoch realitätsfern. Denn die Voraussetzungen im Forchheimer Stadtverkehr seien gänzlich andere, erklärt der zuständige ÖPNV-Experte Klaus Hummel vom Landratsamt.

Wäre ein kostenfreier Bus sinnvoll?

Ein Gratis-Busangebot sei in Forchheim nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht unrentabel, sondern auch für Anwohner und Besucher wenig gewinnbringend, meint ÖPNV-Leiter Hummel. „Die Notwendigkeit für eine solche Sonderlinie sehe ich hier in Forchheim nicht.“ Forchheim ist eine deutlich kleinere Stadt als Erlangen. Dadurch seien in der Innenstadt die wichtigsten Ziele fußläufig erreichbar, zudem gebe es ausreichend stadtnahe Parkplätze.

Der Zentrale Omnibusbahnhof ist der wichtigste Umstiegsplatz in Forchheim.
Der Zentrale Omnibusbahnhof ist der wichtigste Umstiegsplatz in Forchheim.
Foto: Barbara Herbst

Vom ZOB können Busgäste bereits in alle Richtungen im Stadtgebiet fahren. Eine Einzelfahrt im Bus kostet im VGN-Tarif aktuell zwei Euro für Erwachsene und einen Euro für Kinder bis 14 Jahren. Eine mit Erlangen vergleichbare, für Gäste kostenlose Shuttlebus-Linie in der Großen Kreisstadt einzurichten, sei theoretisch möglich, wenn Stadt oder Landkreis so ein Angebot wünschen und finanzieren würden.

Wir möchten Ihre Meinung wissen

Aber Hummel bezweifelt, dass viele Menschen in Forchheim von einer neuen, kostenfreien Buslinie profitieren würden. „In Forchheim wäre es sicherlich nicht mit einer kostenfreien Buslinie getan. Für eine so kleine Stadt wie Forchheim kann sich das nicht rechnen“, erklärt Hummel.

Lesen Sie auch:

Der Bamberger verdeutlicht dies an einem gescheiterten Beispiel in der Domstadt, wo eine kostenfreie Ringbuslinie kurz nach der Einführung wieder eingestellt wurde: Im Dezember 2019 hatten die Bamberger Stadtwerke eine Gratis-Elektrobuslinie, die um den Stadtkern verkehrte, eingerichtet. Weil der Bus aber kaum genutzt wurde, ging die Linie wieder außer Betrieb.

Fridays for Future fordern Gratis-ÖPNV

In Erlangen hatten sich unter anderem die Aktivisten von Fridays for Future für den kostenfreien Bus eingesetzt. Auch die jungen Forchheimer Klimaaktivisten wollen Druck machen: „Der ÖPNV ist in Forchheim aktuell nicht attraktiv. Er muss jedoch, in Kombination mit beispielsweise dem Radverkehr, auf absehbare Zeit die bessere Alternative zum Auto werden“, sagt Nicolai Prechtel, FFF-Forchheim-Sprecher.

Für den ÖPNV müsse dringend Geld in die Hand genommen werden, damit sich mehr Menschen die Fahrt mit dem ÖPNV leisten könnten. „Wir fordern: Kostenloser ÖPNV, mindestens 365-Euro-Ticket für alle, und das in Kombination mit einem sehr guten Angebot. Wichtig ist, dass gleichzeitig auch in den Ausbau des Angebotes investiert wird. Das ist überfällig!“, so Prechtel. Um die Klimakrise zu bewältigen, sei ein besserer ÖPNV in Forchheim notwendig.

Verbesserungen sollen 2025 umgesetzt werden

Im Arbeitskreis Stadtverkehr werde aktuell an Vorschlägen für die Verbesserung des Forchheimer ÖPNV gearbeitet, erklärt Hummel, der kürzlich an einem entsprechenden Treffen teilgenommen hat. „Es gibt beispielsweise Vorschläge für Kleinbuslinien, die in bisher nicht erschlossene Stadtteile fahren“, erläutert er. Die Pläne für den städtischen ÖPNV sollen dann im August 2025 umgesetzt werden.

FT-Kommentar: Forchheim sollte nicht so lange warten

Fahrgastzahlen sind durch Corona stark eingebrochen

Aufgrund der Pandemie nutzen aktuell deutlich weniger Menschen den öffentlichen Nahverkehr. Weniger Arbeitspendler und die Angst vor einer Ansteckung im ÖPNV hätten die Fahrgastzahlen auch in Forchheim deutlich einbrechen lassen, sagt Hummel. „Gerade die älteren Leute, die eine unsere Hauptkunden sind, halten sich sicherlich weiter zurück.“ Im gesamten Verbundgebiet würden die ÖPNV-Zuständigen davon ausgehen, dass es noch mehrere Jahre dauern werde, bis die Fahrgastzahlen wieder das Level von 2019 erreichen.