So richtig sauer ist Otmar Werner nicht. Und das, obwohl sein Familienbetrieb vor genau einem Monat zwei Filialen verloren hat.
Es ist ein Mittwoch, Mitte Dezember 2022, als die Ladenglocken in der Kersbacher Straße 10 und der Hauptstraße 21 in Poxdorf zum letzten Mal ertönen. Seither haben die beiden Filialen geschlossen – für immer.
„Wir finden einfach kein Personal, daher mussten wir die beiden Filialen aufgeben“, sagt Konditormeister Otmar Werner, der den Bäckereibetrieb seit 1972 gemeinsam mit seinem Bruder Konrad Werner betreibt.
Aber, das ist ihm wichtig zu betonen, der Verkauf in den restlichen Filialen in Effeltrich, Kunreuth und Baiersdorf geht weiter wie gehabt. Und natürlich werde in Poxdorf auch weiterhin fleißig gebacken.
Werner: Geschäft läuft gut
Ab 0 Uhr beginnt die Schicht des 64-Jährigen, bis zum Morgen haben er und sein Team 3000 Brötchen, 1000 Laugengebäcke und viele andere Backwaren hergestellt.
Mit Siemens hat Werner einen großen Abnehmer in petto. Zwar sei es während der Corona-Hochphase und dem vermehrten Homeoffice schwierig gewesen, sagt er. „Aber das Geschäft läuft wieder gut.“
Dass er trotzdem ausgerechnet die Filiale in seinem Heimatort Poxdorf schließen muss, finde er natürlich schade. „Aber ohne Personal kann ich nichts machen.“
Alles in allem 18 Mitarbeiter zählt der Familienbetrieb noch insgesamt. Das reiche nicht für Backstube und fünf Filialen, zumal immer wieder Personal ausfalle, auch kurzfristig.
Hohe Energiekosten, Konkurrenz aus dem Supermarkt
In Kersbach kommt noch ein weiteres Problem hinzu: „Die hohen Energiekosten waren zu hoch. Außerdem ist die Konkurrenz mit den Supermärkten sehr stark. Es hat sich nicht mehr gerechnet“, sagt Werner.
Ob und wie es auf den nunmehr leerstehenden Ladenflächen weitergehen soll, ist noch unklar. Mehr als Gerüchte existieren nicht.
Bäcker-Innung Bamberg-Forchheim: „Nicht rosig“
„Die Situation für die Bäckereien ist als andere als rosig“, sagt Alfred Seel, Obermeister der Bäcker-Innung für Bamberg und Forchheim.
Wie das gesamte Handwerk ächzen auch die Bäcker unter dem FachkräfteMangel. Manche müssten ihre Öffnungszeiten drastisch reduzieren, andere ganz schließen.
Im Landkreis Forchheim hat seit 2012 jeder fünfte Betrieb aufgegeben, übrig geblieben sind laut Handwerkskammer Oberfranken nur noch 30. Hierzu zählen aber auch welche, an denen nur gelegentlich gebacken wird, wie etwa die Dorfbacköfen, die nur ab und an aus Tradition angeschmissen werden.
Eindrücklicher spiegeln die Mitgliederzahlen der Innung das Bäckersterben wider: So haben die Regionen Bamberg und Forchheim zusammen 35 Betriebe in den vergangenen acht Jahren verloren, 14 sind noch im hiesigen Landkreis verblieben.
Kleine Filialen mit wenig Umsatz
„Vor allem der Landkreis Forchheim ist stark von dieser Entwicklung betroffen, weil es viele kleine Orte in weitläufigen Gebieten gibt“, sagt Obermeister Alfred Seel. Gerade in den ländlichen Gegenden brächten kleine Filialen oft nicht den gewünschten beziehungsweise einen ausreichenden Umsatz.
„Die Preise können und wollen wir Bäcker nicht unendlich erhöhen, es gibt Grenzen. Betriebswirtschaftlich ist es dann leider der logische nächste Schritt, verlustreiche Filialen zu schließen. Wenngleich es für die jeweilige Region oft ein herber Verlust ist.“
Wenig Optimismus für Zukunft
Seel hoffe, dass sich dieser Negativtrend wieder umkehrt. Und das nicht zu spät. Aber er blickt wenig optimistisch in die Zukunft seiner Branche. „Wenn ein Betrieb einmal geschlossen hat, kommt er auch nicht wieder.“
So haben zuletzt erst die Ebermannstadter Bäckerei Hetz sowie etliche Metzgereien in und um Forchheim geschlossen, seit dem 1. Mai 2022 gibt es zudem den Backladen von Werner Roppelt in Kirchehrenbach nicht mehr. Fortsetzungen folgen?
Wie geht es weiter bei der Bäckerei Werner?
Denn nicht immer scheitert es nur an fehlendem Verkaufspersonal und hohen Kosten. Auch die Nachfolge der inhabergeführten Betriebe ist oft ungesichert, sagt Seel. Davon wollen die Werner-Brüder aktuell noch nicht viel wissen.
Wenngleich die beiden mit 69 und 64 Jahren ebenfalls langsam auf eine Nachfolgeregelung schielen müssten. Aber sowohl Werners Tochter als auch sein Sohn arbeiten im Bäckerhandwerk. Theoretisch also beste Voraussetzungen.
Das alles sei aber Zukunftsmusik für Otmar Werner. „Ich mache noch ein paar Jahre.“
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