Forchheim Forum 22
Der Fränkische Tag lädt ein: Diskutieren Sie mit!
Forum Forchheim 2022
Forum Forchheim 2022: Podiumsdiskussion zum Thema Energiekrise
Illustration: C. Neundorfer; klopo, nadia snopek, Dmitry Kovalchuk, stock.adobe.com
Der Fränkische Tag Forchheim und Radio Bamberg laden zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Energie in Forchheim ein.
Der Fränkische Tag Forchheim und Radio Bamberg laden zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Energie in Forchheim ein.
Jessica Zapf
Lutz Herkner von Lutz Herkner Fränkischer Tag
Forchheim – Am Mittwoch, 30. November, veranstaltet der Fränkische Tag eine Podiumsdiskussion zum Thema Energie in Forchheim. Wer die Talk-Gäste sind und was sie aktuell bewegt.

Ölpreise: gestiegen. Strompreise: gestiegen. Gaspreise: explodiert. Momentan begleitet das Thema Energie den Alltag von so gut wie allen. Wie lange geht das noch so weiter? Wer soll all das bezahlen? Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf die Wirtschaft? Und damit wiederum auf die Dinge und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs?

Viele Fragen – doch nur wenige Antworten. Dem will der Fränkische Tag entgegenwirken: mit einer Podiumsdiskussion am Mittwoch, 30. November, ab 19 Uhr.

Wir haben den Talk-Gästen vorab drei Fragen rund um das Thema Energiekrise gestellt:

1. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

2. Was sorgt Sie momentan am meisten im Kontext der Energiekrise?

3. Was müsste Ihrer Meinung nach dagegen geschehen?

Michael Waasner
Michael Waasner
Matthias Hoch

Michael Waasner

Der 1971 in Forchheim geborene promovierte Physiker und Unternehmer ist Präsident der IHK für Oberfranken.

1. Nur noch neun Prozent der oberfränkischen Unternehmen rechnen mit einer positiven Wirtschaftsentwicklung im Jahr 2023, 53 Prozent dagegen gehen von einer Verschlechterung aus, so die aktuellen Ergebnisse. Noch nie waren unsere Unternehmen so pessimistisch. Durch die Beschlüsse zur Gas- und Strompreisbremse können unsere Unternehmen ihre Energiekosten zumindest wieder ansatzweise kalkulieren. Trotzdem bleiben sie weiterhin extrem unter Druck.

2. Gerade energieintensive Unternehmen, ebenso wie Unternehmen, die international tätig sind, kämpfen mit den enorm gestiegenen Energiekosten. Hinzu kommt, dass auch Rohprodukte spürbar teurer geworden sind – vorausgesetzt, sie sind überhaupt lieferbar. Mehrkosten können zudem nur teilweise weitergegeben werden. Das Konsumklima hat sich zuletzt zwar etwas stabilisiert. Da der Endverbraucher aber mehr für Energie bezahlen muss, bleibt weniger für Konsumgüter übrig.

3. Drei Dinge: 1. Das Stromangebot darf nicht verknappt werden, wir brauchen eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke mindestens bis 2024. 2. Beim Gas als gewählte Brückentechnologie muss der Ausfall Russlands kompensiert werden: auch durch Ausbau der heimischen Förderung. 3. Wir müssen die erneuerbaren Energien hier bei uns vor Ort voranbringen. Heute. Nicht erst morgen oder übermorgen.

Franziska Wild
Franziska Wild
privat

Franziska Wild

Die 22-jährige Studentin aus Pretzfeld engagiert sich bei Fridays for Future. Ihr Antrieb: der Kampf gegen die Klimakrise.

1. Die ernste Situation zurzeit ist geprägt vom Wiederaufstehen der fossilen Energien. Das hilft Deutschland aber langfristig nicht weiter, weil wir uns so wieder von anderen Staaten abhängig machen. Außerdem befinden wir uns in einer Inflation. Dabei sollten wir aber nicht auf den ärmsten Mitgliedern unserer Gesellschaft herabsehen – Stichwort Bürgergeld – sondern uns fragen, wer von dieser Krise profitiert und diese Profiteure an den Kosten der Inflation für die Gesellschaft beteiligen.

2. Mich sorgt am meisten, dass wir uns wieder langfristig von fossilen Energieträgern abhängig machen, obwohl das nicht nötig wäre. Dadurch geht auch die Akzeptanz für Klimaschutz verloren, weil der Blick für das Gesamtbild fehlt. Wir versuchen jetzt, russisches Gas zu ersetzen, anstatt endlich konsequenten Klimaschutz zu betreiben. Erneuerbare Energien könnten wir vor Ort in Deutschland erzeugen und wären nicht auf andere Staaten angewiesen. Zudem wären wir so in unseren Klimaschutzbemühungen um einiges weiter.

3. Erneuerbare Energien sollten stark ausgebaut werden, das schafft auch Arbeitsplätze. Energie-Effizienzmaßnahmen müssen gefördert und eingefordert werden, auch in der Industrie. Fossile Energien sollten nur eine kurzfristige Lösung sein. Steuerhinterziehung muss stärker verfolgt und sanktioniert werden, Erbschaftssteuern für Erben von großem Vermögen sollten erhöht werden.

Richard Fischer
Richard Fischer
Matthias Hoch

Richard Fischer

Der 60-Jährige ist Ideengeber, Mitbegründer und Vorstand des Bioenergiedorfes Willersdorf, das zu Hallerndorf gehört.

1. In seiner Eröffnungsrede zur Weltklimakonferenz Anfang November sagte UN-Chef Guterres „Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle – mit dem Fuß auf dem Gaspedal“. Seit der letzten Konferenz vor sieben Jahren in Paris hat sich die Situation nicht verbessert, sondern verschärft, weil sich der CO2-Ausstoß seither nach oben bewegt. Die aktuelle Situation betrachte ich daher als sehr kritisch.

2. Die relativ billige Gas- und Ölversorgung aus Russland ist durch den Ukraine-Krieg weggebrochen. Die Energiepreise für Gas, Sprit, Strom, Heizung etc. sind durch die Decke gegangen. Die Inflationsrate liegt in schwindelnder Höhe. Für die Mittelschicht ist das verkraftbar. Für die Geringverdiener und Empfänger von Sozialleistungen ist es hingegen eine Katastrophe. Ich glaube, dass wir „warm“ über den Winter kommen, aber die soziale Schere wird immer größer.

3. Zur akuten Krisenbewältigung müssen wir den sozial schwachen Menschen unter die Arme greifen. Die Gas- und Strompreisbremse sind hier aus meiner Sicht der richtige Ansatz. Falsch ist nur das Gießkannenprinzip. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien muss unbürokratischer erfolgen. Den lokalen Energieerzeugern wie z. B. Biogasbetreibern dürfen keine Blockaden mehr in den Weg gestellt werden. Auch wenn es der „Porsche-Partei“ zuwider ist, ein Tempolimit auf Autobahnen brächte sehr viel und würde nicht einen Cent kosten.

Christian Sponsel
Christian Sponsel
Stadtwerke Forchheim

Christian Sponsel

Der 47-jährige gebürtige Kunreuther ist als technischer Geschäftsführer Teil der Doppelspitze der Stadtwerke Forchheim.

1. Die aktuelle Energiekrise zeigt, wie wichtig eine technisch und wirtschaftlich funktionierende Infrastruktur (Elektrizität, Wärme, Industrieversorgung, Trinkwasser, Abwasser, Breitbandversorgung und Mobilität) ist.

2. Neben den geopolitischen Gegebenheiten sind es die politischen Entscheidungen, die die Planungssicherheit konterkarieren. Zum Beispiel die Einführung und die vor Inkrafttreten wieder ausgesetzte Gasbeschaffungsumlage kostete die deutschen Stadtwerke laut BDEW-Umfrage etwa 35 Millionen Euro! In diesem Zusammenhang auch zu nennen: Der viel beschriebene Bürokratieabbau bei Genehmigungsprozessen von Infrastrukturprojekten. Diesen gibt es aktuell in der Realität (noch) nicht! Oder denken Sie an den Förderdschungel und dessen Planungssicherheit: Bundes-KfW-Programm oder Gigabit-Richtlinie im Breitbandausbau, beide nicht einfach und beiden wurde ohne Ankündigung der „Stecker gezogen“. Fachkräftemangel und Lieferschwierigkeiten sind weiter präsent.

3. Die aktuellen Rahmenbedingungen wie die Anreizregulierungsverordnung hemmen den Netzausbau. Trotz aller Herausforderungen ist die lokale Energiewende und ein Autarkiegrad im Landkreis Forchheim von ca. 80 Prozent mit einem realistischen und möglichen Aufwand in den nächsten zehn Jahren realisierbar! Dies ist die wirksamste und nachhaltigste Strompreisbremse!

 

So klappt die Anmeldung

Termin

Am Mittwoch, 30. November, ab 19 Uhr veranstalten der Fränkische Tag und Radio Bamberg eine Podiumsdiskussion. Namhafte Experten aus der Region bringen Licht ins Dunkel und stehen im Anschluss für persönliche Fragen zur Verfügung. 

Vor Ort oder im Internet

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