Kraftpapier, Sulfatkarton, gestrichenes Papier, Kartonagen – wer mit Betriebsleiter Günther Oppelt auf dem Gelände unterwegs ist, der bekommt direkt eine Einführung in die weite Welt der vielen verschiedenen Altpapiersorten. Papier ist das Hauptgeschäft der Firma Fritsche in Forchheim. Um die 50 verschiedene Papiersorten werden am Standort in der Steinbühlstraße sortiert, gereinigt, gehäckselt, gepresst.
Das meiste Material stammt von Gewerbekunden. „Aus ganz Europa kaufen wir Papier ein und verkaufen es wieder“, erklärt Oppelt. Größere Papierrollen, die an sich noch intakt seien, würden gereinigt und als zweite Wahl weiterverkauft. Andere Papierformen – von alten Büchern über geschredderte Akten bis zur Mehlpackung – werden nach verschiedenen Kriterien sortiert, teils zerkleinert und gemischt und anschließend zu riesigen Ballen gepresst.
Später wird das Material zum Beispiel an Papierfabriken verkauft und erhält ein zweites Leben. So könne aus alten Aktenfetzen beispielsweise Toilettenpapier werden. „Altpapier kann man bis zu siebenmal recyceln“, erklärt Oppelt, der schon seit 1988 Teil des Teams ist.
Brandgefahr lauert in der Papiertonne
Auch der Müll aus den Papiertonnen aus Forchheim und dem Landkreis macht auf dem Gelände der Firma Fritsche einen Zwischenstopp. Wobei Müll laut Günther Oppelt nicht die richtige Bezeichnung ist. „Müll ist falsch, Papier ist bei mir ein Wertstoff“, betont er immer wieder. Das Papier werde gesammelt und mit einem großen Lkw zur Sortieranlage nach Knetzgau gebracht, erklärt der Betriebsleiter.
Ein großes Problem für alle Betriebe entlang dieser Kette: Batterien und Akkus, die fälschlicherweise in der Papiertonne landen. „Das ist das Schlimmste“, sagt Oppelt. Denn diese Batterien haben in der Vergangenheit schon mehrfach Brände ausgelöst. Wenn ein Radlader mit der Schaufel den Akku treffe, könne dieser explodieren. „Und dann hast du ein kleines Feuer, das sieht der Radladerfahrer von oben gar nicht und schiebt das einfach in den losen Haufen rein.“
Großbrand bei Fritsche Forchheim: Akku als Brandursache
Erst Anfang April sorgte ein Großbrand bei der Firma Fritsche für dramatische Bilder. Eine tiefschwarze Rauchwolke war weit über Forchheim hinaus zu sehen. Auch hier soll nach aktuellem Stand ein Akku oder eine Batterie die Ursache gewesen sein.
Schützen kann sich der Entsorgungsbetrieb davor nur bedingt. Es gebe keine Möglichkeit, Batterien herauszufiltern, erklärt Oppelt. Daher bleibe nur der Appell an die Bürger, die vorhandenen Rücknahmesysteme zu nutzen.
Von dem großen Brand ist auf dem Gelände noch ein verkohlter Haufen Material zu sehen. Papier, Plastik, Metall – alles ist verrußt und miteinander verschmolzen. Das Feuer war am Abend des 4. April auf dem Firmengelände ausgebrochen. Die Löscharbeiten dauerten bis tief in die Nacht. Zeitweise waren bis zu 220 Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Technischem Hilfswerk (THW) vor Ort. Die Polizei schätzte den Schaden auf rund 15.000 Euro.
So schützt sich der Recyclinghof vor Bränden
Immer wieder kommt es zu Bränden auf Recyclinghöfen. Deswegen spiele Brandschutz auch eine große Rolle, so Oppelt, „wir müssen sehr, sehr viel Geld dafür bezahlen.“ Es gebe eine Brandmeldeanlage und auch Sensoren, die Rauch wahrnehmen könnten und im Notfall direkt die Feuerwehr alarmieren würden. In diesem Fall habe ein Mitarbeiter den Melder ausgelöst, als er das Feuer bemerkte.
„Ich muss sagen, die Feuerwehr hat da super reagiert, innerhalb von zehn Minuten war die da“, lobt der Betriebsleiter. Aus seiner Sicht habe man Glück im Unglück gehabt. Ein Brand in einer der Hallen wäre deutlich fataler gewesen. Am Tag danach seien er und seine Mitarbeiter mit Aufräumarbeiten beschäftigt gewesen, erinnert sich Oppelt. Schließlich sollte ab Montag alles wieder seinen gewohnten Gang gehen.
Fritsche: Bis zu 5000 Tonnen Material im Monat
Dann präsentiert er noch eines der beiden Herzstücke des Betriebs: Eine riesige Presse, die fast bis zur Decke der Halle reicht. Sie verwandelt das lose Papier in kompakte Ballen mit einem Gewicht von jeweils rund einer Tonne. An einem Arbeitstag mit acht Stunden würden bis zu hundertachtzig Tonnen produziert, erklärt Oppelt.
Eine zweite Presse sei vor rund sechs Jahren angeschafft worden. Dort werde hauptsächlich Kunststoff verarbeitet. Das Ergebnis funkelt auf dem Außengelände in der Sonne: ehemalige Zierleisten von Autos, eng verschnürt zu praktischen Ballen – nur ein Beispiel von vielen Teilen und Materialien, die bei der Firma Fritsche landen.
Aus allen Materialien gelte es, so viel wie möglich herauszuholen, erklärt Oppelt. Denn damit verdiene das Unternehmen schließlich sein Geld. Gleichzeitig sei dieses Vorgehen auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Bis zu 5000 Tonnen werden so jeden Monat produziert.
Bildergalerie: Rundgang bei Fritsche Forchheim


























