Wirt und Küchenmeister Stefan Kammermayer muss nur die Tischnummer oben im Display eingeben. Dann findet sich „Hilde“ mühelos zurecht in seinem Gasthaus in Dormitz. Bestückt mit Hauptgerichten und Beilagen fährt der Servierroboter selbstständig durch die Wirtschaft zu den Gästen, um ihnen das Essen zu bringen.
„Es gab noch kein großes Problem während des Betriebs“, berichtet Kammermayer. „Nur wenn Kinder um den Roboter herumstehen und ihn bestaunen, fährt er nicht weiter.“
Die Innovation, die seit drei Wochen in Dormitz im Einsatz ist, kann aber auch damit umgehen. Schließlich spricht sie wie einst schon Star-Wars-Kollege C-3PO – alles nur Programmiersache. „Mach’ den Weg frei, ich komm’ zu spät“, ist dann zu hören. Oder andere kleine Witzchen wie „Was starrst Du mich so an? Ich bin schon vergeben.“
Idee schon 2019
Seit zehn Jahren betreibt die Familie Kammermayer das Dormitzer Gasthaus. Stefan Kammermayer ist Küchenmeister, Ehefrau Manuela gelernte Restaurantfachfrau. Unterstützung erhalten sie von Stefans Eltern. Schon 2019, also vor Corona, hatte der 37-jährige Wirt mit einem Roboter geliebäugelt. Schließlich gibt es die Personalnot in der Branche nicht erst seit gestern. „Aber da war die Technik noch nicht so ausgereift“, erzählt er.
Jetzt ist Kammermayer zufrieden. Und die Gäste sind begeistert. „Die staunen und sind positiv überrascht. Und für die Stammgäste ist das schon eine Selbstverständlichkeit.“
Menschlicher Kontakt bleibt
Das liegt auch daran, wie „Hilde“ eingesetzt wird. Wenn der Servierroboter eigenständig mit seiner Last aus der Küche fährt, dann sehen es Kellner oder Kellnerin, gehen hinterher und teilen am Tisch das Essen aus. Freilich könnte „Hilde“ auch „Bitte nehmen Sie sich Ihre Teller“ sagen. Aber der menschliche Kontakt zu den Gästen soll in Kammermayers Gasthaus keinesfalls zu kurz kommen. Und so ist der Roboter die ideale Ergänzung, sorgt für etwas Entspannung bei der dünnen Personaldecke, so dass sich die Servicekräfte mehr auf die Gäste konzentrieren können.
Die Schlepp-Arbeit, ob Essen oder Getränke, übernimmt „Hilde“. Im „Grünen Baum“ ist der Name inzwischen etabliert. „Anfangs dachten wir, wir bräuchten einen männlichen Namen. Aber dann haben wir festgestellt: Das ist eine weibliche Stimme“, erzählt Kammermayer.
Vier Mal 30 Kilogramm Tragekraft
Vier Ebenen hat der automatisierte Servierwagen mit dem Displaykopf, wo regelmäßig Augen und Mund zu sehen sind. Ganz unten befindet sich die Bodenplatte und darüber drei Tablets, von der Höhe her unterschiedlich einstellbar. „,Hilde‘ kann viermal 30 Kilogramm Gewicht transportieren. Das reicht. So schwer sind unsere Schäuferle nicht“, sagt Kammermayer.
Je nach Größe passen zwei oder drei Teller auf eine Etage. Bei einem Tisch mit zehn Personen fährt „Hilde“ nur zweimal. Ein Kellner müsste öfters von der Küche zu den Gästen laufen.
Die Fahrt mit Kameratechnik und Radar läuft über drei Rollen am Boden. Eine Batterie treibt den Elektromotor an. „Wenn Gläser transportiert werden, stelle ich die Fahrgeschwindigkeit einfach zurück“, erklärt der Wirt. Nachts kommt „Hilde“ an die Steckdose. In zwei Stunden ist der Akku wieder aufgeladen und hält dann 15 Stunden.
1000 Euro Leasinggebühr im Monat
Selbst wenn „Hilde“ locker Überstunden machen kann und nie krank wird: Den Menschen wird sie nicht ersetzen. „Auch, wenn es technisch möglich ist, wird die Bestellung dem Kellner überlassen. Der Kontakt zu den Gästen muss so bleiben, sonst wird der Wirtshausbesuch ungemütlich“, meint Kammermayer.
Ganz billig ist „Hilde“ auch nicht zu haben. Pro Monat zahlt der Wirt 1000 Euro Leasinggebühr. Würde er den Servierroboter kaufen, müsste er 10 000 bis 15 000 Euro hinlegen. Dennoch wird Kammermayer „Hilde“ wohl länger beschäftigen. „Ich kann es nur empfehlen. Es ist eine Erleichterung für unser Personal“, sagt er.
Nur eines schafft der Roboter in Dormitz nicht: in den Außenbereich fahren. „Da haben wir Pflastersteine, das funktioniert leider nicht“, erklärt Kammermayer.














