Start-up: Das klingt nach amerikanischen Firmen, die in der Garage entstehen und irgendwann Weltmarktführer werden – oder nach ausgeflippten Berlinern, die in ihrer Altbauwohnung vor ihren Rechnern sitzen und vom großen Wurf träumen.
Jedenfalls ist es erst einmal schwer vorstellbar, dass auch im beschaulichen Forchheim und der Umgebung innovative Start-up-Unternehmen zu finden sind. Aber: Wir haben uns auf die Suche begeben – und haben drei besondere Firmen gefunden.
Panda Recruitments
Menschen in einen neuen Beruf und ein neues Leben helfen, das ist die Idee hinter Panda Recruitments in Heroldsbach. Der Gründer Schmidt Glauche erklärt, wie er zu dem Konzept kam: „Meine Frau kommt aus Brasilien und wir beide haben uns in Dublin kennengelernt. Wir haben schon früh den Wunsch gehabt, eine Firma zu gründen mit dem Ziel, Menschen zu helfen“.
Mit seiner Erfahrung im Bereich Personalwesen und den Kontakten seiner Frau in Südamerika, genauer Brasilien, war der Grundstein der Idee für eine Personalvermittlung gelegt. „Nach einiger Zeit wurde uns klar, wir konnten mit qualifizierten Kandidaten, welche aus Brasilien nach Deutschland kommen wollen, um dort für Unternehmen in den MINT- Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik Anm. d.Red.) zu arbeiten, viel Gutes bewirken.“
25.000 Euro vom Vater
Die Unternehmensgründung in Deutschland ist nicht ganz einfach. Der erste Schritt ist ein Business-Plan, der einen Zeitstrahl hervorbringt und die nächsten Aufgaben festlegt. Schmidt Glauche erklärt: „Die Finanzierung spielt hierbei eine Hauptrolle. Wir hatten das Startkapital von 25.000 Euro von meinem Vater bekommen. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle. Für die Kosten, die entstehen, sind wir selber aufgekommen.“ Hilfe bekamen sie auch für die Website, den Gesellschafter-Vertrag, und den Datenschutz.
Die Anlaufstellen für die Gründung und was allgemein zu beachten ist, haben Gauche und seine Frau im Internet recherchiert. Für junge Gründer hat er noch einige Tipps: „Meiner Meinung nach kommt es beim Gründen einer Firma auf drei Dinge an. Biete eine neue Lösung oder eine bessere Lösung, als aktuell bekannt an. Hole dir dazu Feedback von möglichst vielen Menschen ein, die Experten in ihrem Bereich sind. Sicher am wichtigsten ist es, 110 Prozent zu geben, dann hat man gute Chancen, dass etwas Wertschaffendes herauskommt.“
ProCarement
Dr. Sebastian Eckl und Tony Fuß gründeten ProCarement. Das Medizin-Start-up mit Sitz im Medical Valley Forchheim bietet mit „ProHerz“ eine App-Lösung für die Betreuung und Überwachung von Patienten mit Herzproblemen an.
„In meiner Zeit als klinisch tätiger Arzt und später als Berater in der MedTech-Industrie, konnte ich speziell in den USA neue Möglichkeiten der Nutzung digitaler Technik erleben. Mit ProCarement wollen wir das Konzept telemedizinischer Unterstützung auch in Deutschland umsetzen - zum Nutzen der Patienten, deren Wohlergehen im Mittelpunkt aller unserer Aktivitäten stehen“, sagt Dr. Sebastian Eckl.
Das Unternehmen profitierte nach seiner Gründung 2019 maßgeblich vom Netzwerk im Medical Valley und bekam Unterstützung von der LfA Förderbank Bayern sowie der Sparkasse Forchheim.
Finanziell stehe das Start-up mittlerweile gut da: „Wir finanzieren uns aus Einnahmen aus unserem Produktverkauf und den Zuschüssen der Investoren. Wir wollen dieses Jahr den Break-Even-Point (Einnahmen und Ausgaben relativieren sich) erreichen“, sagt Humer-Hager und ergänzt: „Jungen Gründern raten wir: Möglichst früh Partner für die Unterstützung bei der Umsetzung suchen, und sich einem leistungsfähigen Netzwerk wie Medical Valley anschließen.“
Irgendwasmitport
„Wir waren im Urlaub in Portugal, nahe Lissabon. Eigentlich sind wir alle keine großen Weintrinker gewesen, aber da haben wir uns in den Portwein verliebt“, erzählt Christian Fruntz, einer der drei Gründer von „Irgendwas Mit Port“. Sie bieten in ihrem Onlineshop importierten Portwein aus Portugal an.
Die Idee für das Start-up kam nach dem Urlaub: „Als wir zurück kamen, wollten wir auch hier Portwein trinken, mussten aber schnell feststellen, dass es kaum Geschäfte gab, die einen guten Portwein anbieten.“
Nach einigem Suchen fanden sie einen Importeur in Nürnberg, der für sie nun den Wein aus Portugal liefert. Am Anfang stellten sie ihre Produkte viel auf Märkten aus. „Auf dem Weihnachtsmarkt haben wir zum ersten Mal „Glühport“ angeboten. Dieser kam so gut an, dass wir ihn in unser reguläres Sortiment aufgenommen haben.“ Eine weitere Eigenproduktion ist das „Portler“, eine Mischung aus Craft Beer und Portwein.
Ein Tipp für Gründer
Durch Corona wurde das Geschäft erschwert. Aktuell deckt das Unternehmen gerade so die Kosten. „Deswegen sind wir alle drei auch noch berufstätig und betreiben das Business in unserer Freizeit.“
Die Jungs haben natürlich auch einen Tipp: „Jungen Gründern würde ich empfehlen, mit Leidenschaft dabei zu sein und viele Kontakte zu knüpfen, auf Gründertreffen zum Beispiel, denn Connections sind alles.“









