„Ich hätte nicht gedacht, dass Habeck so viel Werbung für uns macht.“ Dies sagte Volker Broekmans von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK), als er zusammen mit seiner Kollegin Sarah von Poblocki zur Sondersitzung des Gemeinderats Kirchehrenbach gekommen war, um den Zwischenstand des „Klimaquartiers“ vorzustellen. Dies hatte der Gemeinderat im Frühjahr letzten Jahres in Auftrag gegeben.
Gekommen waren auch 14 Bürger, die sich insbesondere für ein Nahwärmenetz für Kirchehrenbach interessierten. „Es ist ein gutes Gefühl, dass wir damit den Nerv getroffen haben“, sagte Bürgermeisterin Anja Gebhardt (SPD). Anlass für das nun vorliegende Konzept ist, dass Kirchehrenbach klimaneutral werden möchte und energieeffiziente Lösungen für eine künftige Wärmeversorgung des Ortes sucht.
Interess der Eigentümer
Dabei entstand die Idee, ein Nahwärmenetz zu bauen, sofern das Interesse der Eigentümer vorhanden ist. Auf Basis von Begehungen und einer Eigentümerbefragung wurde eine Quartiersbilanz berechnet. Es kamen zwar nur 34 Fragebögen zurück, dies sei aber im Vergleich zu anderen Gemeinden ganz ordentlich, meinte von Poblocki, die daraus einen eindeutigen Willen zur energetischen Sanierung der Häuser ableitete.
Ein Drittel aller Gebäude wird mit Heizöl beheizt
Alle Häuser in Kirchehrenbach zusammen verbrauchen pro Jahr 67 Megawattstunden an Energie. Ein Drittel aller Gebäude wird aktuell noch mit Heizöl beheizt. 13.000 Tonnen CO2 wird in Kirchehrenbach jedes Jahr in die Luft geblasen. Bis 2045 muss dieser Wert auf null sinken und danach sogar negativ werden. Dies ist nicht nur in Kirchehrenbach so, sondern in jeder Gemeinde.
Schon ab 2026, so Broekmans, werde keine neue Heizung mit fossilen Brennstoffen mehr zugelassen. Er hat errechnet, dass ein Vierpersonenhaushalt für eine 150 Quadratmeter große Wohnung schon ab 2025 monatliche Energiekosten von 1200 bis 1800 Euro Energiekosten haben wird. „Gas wird so teuer, dass es nur noch böse wird“, sagte der Experte.
Adami aufgeschreckt
Siegfried Adami (SPD) schreckte dies auf. „Ist das nicht spekulativ?“, wollte er wissen, „wie kommen Sie darauf, dass es so teuer wird?“ Die Antwort: „Weil ab 2025 jeder Liter Heizöl 20 Cent und jede Kilowattstunde Gas wegen des dann greifenden staatlichen CO2-Aufschlags 17 Cent mehr kosten wird.“ Von fossilen Energieträgern könne man sich daher verabschieden.
Ab 2038 müssen dann alle Gebäude klimaneutral beheizt werden. Auch müssten 52 Prozent aller Häuser in Kirchehrenbach energetisch saniert werden, da bundesweit die Sanierungspflicht kommen werde. Damit greife der Staat das Eigentumsrecht an. Diese und weitere solche Aussagen lösten nun im Rat eine Diskussion über die Klimapolitik der Ampel-Koalition aus.
Die Bürgermeisterin mahnte zur Sachlichkeit. „Wir sollten uns auf unser Energiekonzept konzentrieren, denn die Bundespolitik können wir nicht ändern“, meinte Gebhardt.
„Wie kriegen Sie Kirchehrenbach so aufgestellt, dass es warm und hell wird?“ Dies sei die entscheidende Frage, führte Broekmans aus. Ein Nahwärmenetz mit einer Heizzentrale neben der Schule sei bei einer Anschlussquote von 75 Prozent sinnvoll und wirtschaftlich und selbst bei 40 Prozent immer noch technisch sinnvoll.
Potenzial für Freiflächenphotovoltaikanlagen
Die Frage sei, wo man die Wärme herkriege. Die Experten sehen noch viel Potenzial für Freiflächenphotovoltaikanlagen in und rund um Kirchehrenbach. Denn alleine die Dächer reichten dafür nicht aus. 8,3 Millionen Euro könnte der Bau des Nahwärmenetzes kosten und eine weitere Million die Heizzentrale. „Diese Zahlen aber bitte nicht merken“, bat Broekmans, denn aufgrund ständiger Baupreissteigerungen seien sie längst überholt.
„Wenn man am Ende die Millionen sieht, kriegt man Angst“, kommentierte Gebhardt. „Wann könnten die Ersten mit Nahwärme heizen?“, wollte Zweiter Bürgermeister Michael Knörlein (CSU) wissen. Wenn man 2025 mit dem Bau beginne, könnten die Ersten bald ans Netz gehen. Seine Empfehlung für das Geschäftsmodell ist eine GmbH, an der die Gemeinde mit mindestens 51 Prozent beteiligt ist. Mit zehn Prozent könnten auch die Bürger beteiligt werden. Einstimmig beschloss der Rat, den zweiten KfW-Baustein für ein „Energetisches Sanierungsmanagement“ in Auftrag zu geben. Dieser beinhaltet eine Zuschussförderung für eine drei- bis fünfjährige fachliche Begleitung vor Ort.
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