Hans Derbfuß hat noch einige Jahre vor sich. Und die will er auskosten, der Gräfenberger liebt seinen Beruf. Und doch schmeckt ihm gar nicht, in welche Richtung sich die Situation der Metzgerbetriebe entwickelt. In Forchheim, in ganz Deutschland.
Aktuell überschlagen sich die Ereignisse in der Region. Wie neulich bekannt geworden ist, wird die Forchheimer Traditionsmetzgerei Sauer in der Unteren Kellerstraße nach 88 Jahren Ende 2022 schließen.
Im Kreisstadtosten hat es mit dem Ende der Metzgerei Walenta in der Bayreuther Straße bereits eine Schließung gegeben. Nummer drei: Bei der Metzgerei Bauer in Neuses an der Regnitz gehen im Laufe des nächsten Frühjahrs die letzten Würste über die Theke.
Landkreis Forchheim: Problemlagen bei vielen gleich
Drei Fälle, drei Perspektiven, drei individuelle Entscheidungen. Und doch existieren Schnittmengen. Als Hauptprobleme definiert Hans Derbfuß, Obermeister für die Fleischer-Innung Forchheim, für die meisten Betriebe den anhaltenden und steil ansteigenden Fachkräftemangel sowie die gestiegenen Kosten.
„Wir kämpfen seit Jahren um Nachwuchs“, sagt Derbfuß. Vergeblich. So ergeht es den Metzgereien genauso wie den anderen strauchelnden Branchen des Handwerks.
Zählte das Forchheimer Nahrungsmittelhandwerk laut Handwerkskammer 2011 noch 28 Auszubildende, waren es 2021 nur noch zehn junge Menschen, die einen solchen Beruf ergreifen wollten. Tendenz sinkend.
Viele wandern vom Handwerk in die Industrie
Viele würden in die Industrie abwandern, vor allem weil dort in der Regel höhere Löhne gezahlt würden, erzählt Derbfuß. Aber wegen der großen Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt kein Personal zu finden, ist nur die eine Sache.
Auch in puncto Nachfolge sieht es laut dem Obermeister mau aus. Nicht wenige Metzger im Landkreis haben nur noch einige Jahre bis zum Ruhestand. „Ob das Geschäft weitergeführt wird, ist dann Glückssache; meist geht es nur, wenn eines der eigenen Kinder Interesse zeigt.
Kostenexplosion: Steigen die Preise an der Theke weiter?
Und noch etwas betrübt die Betriebe: die enorm gestiegenen Kosten. Laut Derbfuß müssen die Metzger ihre Kalkulationen bei nahezu allen Posten anpassen – immer wieder. Sei es ein teils vervierfachter Preis für Strom und Energie oder die Rohstoffpreise.
Derbfuß rechnet vor, dass ein Kilogramm Rinderhackfleisch (Rohmaterial) vor einem Jahr noch sechs Euro gekostet hatte. Nun seien es 9,20 Euro. Ähnliches gilt für Zubehör wie Wurstdärme und andere Zutaten. „Es ist ein Fass ohne Boden.“
„Es werden noch weitere Betriebe im Landkreis Forchheim aufhören“
„In der Region werden noch viele Betriebe wegbrechen. Das ist höchstbedauerlich, aber leider kaum zu ändern“, so Derbfuß. Und die Kunden werden weitere Folgen der Misere spüren: verbliebene Betriebe könnten ihre Öffnungszeiten verringern und die Preise anziehen.
„Alle müssen ihre Preis momentan wöchentlich überprüfen.“ So bleibt zu befürchten, dass noch mehr in die Supermärkte mit ihren Billig-Angeboten abwandern.
Derbfuß bemüht sich, der aktuellen Lage etwas Positives abzugewinnen. Es fällt ihm schwer.
Aber so viel: „Die Metzger stemmen sich mit Leidenschaft dagegen, um ihr Handwerk zu retten“, sagt er. Und es gebe laut Derbfuß auch positive Nachrichten: Die jungen Leute kochten wieder gerne selbst, auch Fleisch, und achteten auf Qualität sowie Regionalität.
Zwei Ärmel-Asse, mit denen lokale Metzger auftrumpfen können. Derbfuß: „Die Menschen dürfen gerne weniger Fleisch essen. Dafür aber gezielter.“
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