Mit etwa 200.000 Kirschbäumen verteilt auf rund 2.500 Hektar Anbaufläche zählt die Fränkische Schweiz zu den größten geschlossenen Kirschanbaugebieten Deutschlands. Viele Obstbauern in der Fränkischen Schweiz sind von ihrer jährlichen Kirschernte abhängig, was die diesjährige Ernteflaute natürlich besonders frustrierend macht.
Ab Juni beginnt in der Regel die Kirschernte in der Fränkischen. Normalerweise eine anstrengende Zeit, in der es für die Bauern sehr viel zu tun gibt. In diesem Jahr scheint der Arbeitsaufwand aber deutlich niedriger zu sein. Später Frost hat einen Großteil der Früchte noch in der Blüte erfrieren lassen. „Auf manchen Höfen haben wir bis zu 99 Prozent Ernteausfall, was Kirschen angeht“, erklärt Jonas Maußner vom Obstinformationszentrum Hiltpoltstein.
Schlechtes Wetter als Haupttäter
Schuld an der traurigen Ernte seien heuer vor allem die unbeständigen Wetterverhältnisse gewesen. Frost und Starkregen hätten den Früchten in diesem Jahr ordentlich zugesetzt, meint Maußner. „Viele Früchte sind durch den späten Frost im April erfroren, und was den Frost überlebt hat, wurde dann stattdessen vom Starkregen getroffen und ist aufgeplatzt.“
Wie schlimm die Wetterverhältnisse die einzelnen Höfe getroffen hat, hängt allerdings auch von der jeweiligen Lage ab. „Einige hatten wirklich noch Glück, was das Wetter anging“, erzählt Maußner. Darunter zum Beispiel auch Jochen Schmidt, der in Neunkirchen am Brand einen Obsthof betreibt. „Wir sind noch ganz gut weggekommen“, sagt der 49-Jährige im Gespräch mit der FT-Redaktion. Geschätzte 40 Prozent seiner Frühsorten hätten den Frost und den Starkregen nicht überlebt, trotz Folie und Überdachung. Bei den späteren Sorten scheint es aber besser auszusehen. „Wir sind ja gerade noch mitten in der Ernte, aber ich denke zumindest bei unseren Kirschen hatten wir Glück.“
Auch weitere Obst-Arten betroffen
Auch andere Obstsorten sind von der diesjährigen Ernteflaute betroffen. „Ähnlich wie bei den Kirschen haben wir auch bei den Zwetschgen einen ähnlich großen Ernteausfall“, sagt Jonas Maußner. Auch Äpfel und Birnen seien durch den späten Frost geschädigt worden.
Auf Jochen Schmidts Hof hat es die Äpfel noch schlimmer getroffen als die Kirschen, wie er erzählt. Etwa 60 Prozent Ernteverlust muss er bei den Äpfeln verzeichnen. „Die Zahl könnte während der restlichen Ernte sogar noch weiter nach oben gehen“, so Schmidt.
Ausfall kann gefährlich werden
Ein so starker Ernteverlust wie in diesem Jahr kann auch schnell besonders für kleinere Höfe gefährlich werden. „Natürlich kommt es auch darauf an, wie in den Jahren zuvor gewirtschaftet wurde. Aber ja, mit einem so kritischen Erntejahr kann das auch einige Höfe in die Bredouille bringen“, erklärt Jonas Maußner. Im Idealfall sollten die Landwirte aber eine Frostschutzversicherung haben, die die diesjährigen Ernteausfälle auffängt.
Lokaler Kirschenpreis wird steigen
Und wie wirkt sich das Ganze auf den diesjährigen Preis aus? „Der Preis wird im Vergleich zum Vorjahr auf jeden Fall steigen, aber nicht unbedingt durch die Ausfälle“, erklärt Landwirt Schmidt. Besonders die Erhöhungen bei den Sozialabgaben und beim Mindestlohn hätten Auswirkungen auf den hiesigen Kirschpreis.
Denn auch in der Kirschente braucht es fleißige Erntehelfer, viele aus Osteuropa. „In Deutschland können wir, dank des hohen Personalpreises, nicht mit den Preisen in den Supermärkten, die ihre Kirschen teilweise aus den südeuropäischen Ländern oder der Türkei bekommen, mithalten“, erzählt der Landwirt.
Kirschernte in den letzten Jahren
Generell ist die Kirschernte stark von der Witterung abhängig, was dafür sorgt, dass der Ernteertrag von Jahr zu Jahr stark schwankt. Auch 2023 war für viele Landwirte ein schlechtes Jahr für die Kirschernte. Laut dem Landesamt für Statistik wurden in Bayern im letzten Jahr rund 2,8 Millionen Kilogramm Kirschen gepflückt, fast ein Sechstel weniger als 2022, als es gut 3,3 Millionen Kilo waren. Im Vergleich dazu: In einem positiven Jahr beträgt die Kirschernte teilweise Erträge von fast 4,1 Millionen Kilo, wie in 2018.











