Es ist Sonntagmorgen, der Kellerwald füllt sich langsam. Auch auf dem Schäff-Keller genießen die ersten ihr Bier. Die Augen von Matthias Ruschig und Felix Schlickau sind noch klein. Zusammen mit Steffen Ostermeyer betreiben sie heuer den Schäff-Keller. Die drei sind zum ersten Mal als Kellerwirte beim Annafest dabei. „Vom Spaßfaktor her würden wir es auf alle Fälle wieder machen“, sagt Ruschig. „Aber was kann man als Wirt schon dazu sagen, wie Geschäfte gelaufen sind?“, scherzt der 22-jährige Schlickau: „Viel Arbeit, wenig Geld.“ Er hat in zehn Tagen Annafest schon viel gelernt.
In der Tat sind gerade die Forchheimer Wirte dafür bekannt, einfach immer zu jammern, egal wie gut die Geschäfte auch laufen. Doch wie war das Annafest 2023? „Am Donnerstag war es hier oben schon recht leer“, sagt Bierkönigin Luisa I., die jeden Tag auf dem Fest vorbeischaut. An den übrigen Tagen, aber vor allem an den beiden Wochenenden, sei schon viel los gewesen, trotz des schlechten Wetters. Ihr persönliches Highlight aber war der Annafestzug, bei dem sie mit anderen Eminenzen hoch auf dem Kellerwald ziehen durfte – etwa der Siegenburger Hopfenkönigin, der Merkendorfer Krautkönigin oder der Südtiroler Apfelkönigin.
Wenig Schlaf für Wirte
Seit dem Start des Annafests hat Thomas Halota wenig geschlafen. Zusammen mit Partnerin Julia Stumpf hat er in letzter Minute noch die Bewirtung des Schlössla-Kellers übernommen. Tagsüber war er im Kellerwald, anschließend kümmerte er sich um die After-Annafest-Partys im Schiefen Haus, frühs schaute er dann beim Frühstücks-Geschäft in der Kleinen Pause vorbei. „Mehr als drei, vier Stunden Schlaf die Nacht waren es nie.“
Ob sich das Ganze wirklich gelohnt hat, kann Halota noch nicht sagen, das gehe erst nach dem Kassensturz. Aber sicher sei schon: Da sind wir schon übern Berg. Ob er im kommenden Jahr wieder dabei ist, das wisse er noch nicht. Vorstellen kann er sich aber schon.
„Am Samstag war bei uns ganz schön was los“, sagt Gerhard Trinkl vom Blümeleinskeller. Am Nachmittag kam die Sonne raus, den Abend über blieb es trocken. „Nach dem Spiel gegen Baiersdorf ist nicht nur die Mannschaft vorbeigekommen, sondern auch die Fans.“ Trinkl war 15 Jahre Schatzmeister von Jahn Forchheim, heuer ist er immer noch der Kellerwirt. Der Sportverein bewirtschaftet den Keller jedes Jahr zum Annafest, um die Vereinskasse aufzubessern.
Gut angekommen sei das Bier, das David Hertl als Eichhorn-Annafestbier in Aufseß hat brauen lassen. Am Sonntag hat der noch mal neue Fässer geliefert. Insgesamt sei das Geschäft deutlich besser gelaufen als im vergangenen Jahr, das kann Trinkl schon am Sonntagmorgen sicher sagen. „2022 war ein ganz schlechtes Jahr“, sagt er. „Viele hatten Angst vor Corona und dann war es viel zu heiß.“
Ganz ähnlich sieht das Thomas Schramm vom Brauwastl-Keller. „Wenn es 32 Grad hat und die Leute kommen hier rauf, trinken viele erst mal ein Wasser“, sagt der Hobbybrauer. Für den Bierabsatz seien die diesjährigen Temperaturen deutlich besser. Die Abrechnung sei zwar noch nicht gemacht, aber vom Gefühl her sei es auch bei ihm besser gelaufen als im vergangenen Jahr. „Aber zum Rekordjahr 2019 ist es noch ein gutes Stück. Das war einfach unschlagbar.“
Warten auf 2024
Am Sonntagmorgen ist Keller bis auf den letzten Platz besetzt. Die Buckenhofer Blaskapelle spielt und die Forchheimer genießen das letzte Brauwastl-Bier. Ab Montagabend, wenn die Heilige Anna zu Grabe getragen ist, gibt es das nämlich nicht mehr. Dann heißt es warten, bis mit der nächsten Schlachtschüssel das Annafest 2024 eingeläutet wird. Vielleicht sind dann auch die Jungs vom Schäff-Keller wieder dabei und Halota öffnet wieder den Schlössla-Keller.
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