„Ein Herz für Tiere hat jeder Mensch in sich. Doch wo der Schaden groß ist, muss man umdenken“, sagt Hans Jürgen Dittmann, Vorsitzender der Kreisgruppe Forchheim vom Bayerischen Jagdverband. Dieses Umdenken forderten CSU und FW mit ihrem Antrag, Wölfe leichter schießen zu dürfen, damit Weidetierhaltung trotz Wolf möglich sei. Für viele Landwirte ist das derzeit fraglich.
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„Es ist eine schwierige Situation“, sagt Helmut Ott aus Wiesenttal. Die Anträge für den wolfsicheren Zaun gibt es erst seit vorigem Jahr. Natürlich ist auch er bereit, die Weiden für seine 60 Rinder und Kälber wolfsicher zu umzäunen. Doch: „Es gibt derzeit keine Baufirma, die den Zaun aufstellt. Bis der Antrag genehmigt ist und der Zaun steht, ist die Weidezeit vorbei“, fürchtet Ott.
Die größere Sorge aber gilt seinen Tieren. Denn Kollegen aus dem Nachbarlandkreis Bayreuth berichten von mehr Wolfsrissen. „Ein Wolf in der Weide ist Psychoterror für die Tiere. Die Tiere sind psychisch am Ende, sie trauen sich nicht auf die Wiese, sind im Schockzustand und total verstört“, erzählt Ott. So gab es etwa Angriffe auf Wildtiergehege in Betzenstein.
Online-Wolfsseminare
In seine Weiden ist der Wolf noch nicht eingedrungen, doch die Forchheimer Landwirte erkundigen sich, haben wie andere Landwirte auch bereits an Online-Wolfsseminaren teilgenommen und lassen sich die Erfahrungen anderer Landwirte mit dem Wolf erzählen. Ob aus Brandenburg oder Baden-Württemberg.
„Sie hören den Wolf nachts heulen. Ich will mir die Nächte nicht auch noch verderben lassen. Es ist wie wenn das Kind nachts in der Disco unterwegs ist. Da sind auch alle Eltern ständig in Sorge, ob etwas passiert ist“, erklärt Ott. Vielleicht gehe es noch zwei Jahre gut, bis der Wolf auch im Landkreis Forchheim heimisch wird. Jeder Jungwolf ziehe los und gründe ein Rudel. Das braucht Platz und Nahrung. Ist der Wald leer, wird sich an die Herden gepirscht, fürchten die Forchheimer Landwirte.
Fällt die Entscheidung pro Wolf, will er aufgeben
„Der Wolf frisst die Tiere bei lebendigem Leib. Er reißt die Bauchdecke auf und holt sich die Eingeweide. Wir diskutieren hier über Tierschutz, doch der Wolf darf die Tiere anfressen“, schimpft Ott. Für wen sei das Tierschutz? Nicht der einzelne Wolf sei das Problem, doch das Rudel. „Dann kämpfen sie, dann sind sie eine Gefahr“, sagt Ott. Sollte das bei ihm auftreten, dann gibt es nur eine Frage: „Der Wolf oder das Tier“, sagt Ott. Fällt die Entscheidung für den Wolf, gibt er seine Landwirtschaft auf.
Davon reden bereits viele Kollegen aus dem Bayreuther Landkreis, die das Problem Wolf schon aus nächster Nähe miterlebt haben. Norbert Böhmer ist einer von ihnen. Bereits 2009 lernten seine Tiere den Wolf aus der Nähe kennen. Immer wieder kam der Wolf in seine Herden. „Die Tiere werden sehr unruhig und aus Angst richtig aggressiv“, sagt Böhmer, den seine panischen Tiere nicht mehr in die Nähe ließen.
Fünf Kälber lebendig gerissen
Fünf Kälber und ein Jährling wurden vom Wolf lebendig aufgerissen. Eingezäunt waren seine Weiden schon immer und werden durch einen wolfsicheren Zaun ersetzt. Auch wenn er nicht glaubt, dass der Zaun eine richtige Hürde für den Wolf ist. Auch das bestätigen die Erfahrungen anderer Landwirte aus anderen Bundesländern und Ländern, wo der Wolf längst heimisch geworden ist.
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„Der Wolf springt über den 1,20 Meter Zaun, auch wenn er offiziell nicht springt“, sagt Böhmer. Nachdem seine verängstigten Tiere auch auf ihn losgingen, hat er weiter gehandelt und sich 2016 sieben Pyrenäenberghunde angeschafft. „Sie arbeiten nur zum Schutz und sind mit normalen Hunden nicht zu vergleichen“, sagt Böhmer. Ein Hund kostet zwischen 6000 Euro und 8000 Euro. Wenn das nun ebenfalls bezuschusst wird, so fallen seine Hunde nicht mehr in die Förderung. Trotzdem sind diese Vorsichts- und Schutzmaßnahmen kein Gewähr. „Wo Zäune überwunden werden, sollte regulierend eingegriffen werden“, sagt Böhmer. Doch wer macht das?
Wenn der Wolf hier gewollt ist, müsse viel Geld in die Hand genommen werden. „Pro Wolfsrudel braucht es einen Manager, der das Rudel kennt wie seine eigene Westentasche. Er muss wissen, welcher Wolf Probleme bereitet und notfalls eingreifen“, sagt Böhmer. Denn es könne nicht einfach ins Rudel auf irgendeinen Wolf geschossen werden, sonst ginge der Schuss nach hinten los.
Landwirte: Wolf „entnehmen“, wenn es nicht anders geht
„Das ist wie bei den Wildschweinen. Wenn man das falsche erwischt, geht es erst richtig rund“, sagt Böhmer. Bei allem Verständnis für die Wolfsbefürworter könne Tierschutz nicht den grausamen Tod der Weidetiere bedeuten. Das wäre der Fall, wenn es bei den derzeitigen Regularien bleibt. Der Wolf, der trotz Schutzmaßnahmen eine Weide befällt, gehört entnommen, finden die Landwirte.















