Wohl kaum ein Ort in Forchheim hat eine solch lange und wechselvolle Vergangenheit wie der Paradeplatz. Sogar den Spruch „Geschichte wiederholt sich nicht“ widerlegt der Platz, der südlich an die Fußgängerzone grenzt. Denn nicht nur im vergangenen Jahr wurden Teile der Bevölkerung mit der Fällung von Linden brüskiert. Bereits 1982 mussten einige Exemplare dieser Baumart dem Bau der Tiefgarage weichen.
Den wohl größten Wandel erlebt der Paradeplatz in diesen Tagen, wo er komplett umgestaltet wird, daher eine riesige Baustelle im Herzen der Stadt bildet und große Einschränkungen für Anwohner, Einzelhändler und Besucher darstellt. „Wir appellieren an alle, hier mehr Miteinander zu zeigen und aufeinander Rücksicht zu nehmen“, appelliert Bürgermeisterin Annette Prechtel (Grüne).
Weiher oder nicht?
Entstanden ist der Paradeplatz laut Stadtarchivar Rainer Kestler wohl im 12. Jahrhundert als Exerzierplatz. Ein Weiher, noch dazu ein schmutziger, der als riesige Sammelgrube für allen möglichen Unrat diente und einen sehr unschönen Anblick bot, war er dagegen wahrscheinlich nie.
Diese, in alten Publikationen erwähnten Eigenschaften beziehen sich vielmehr auf den damaligen „Seelgraben“, der seit Ende des 18. Jahrhunderts zugeschüttet ist und dem benachbarten Marktplatz als Fundament dient.
Kestler: Man braucht so einen Platz
Der Paradeplatz selbst wird seit etwa 1700 als Standort für Jahrmärkte genutzt, wie Dokumente aus dem Stadtarchiv zeigen. „Ein Jahrmarkt rief früher größeres Interesse hervor als heute“, sagt Kestler zur Bedeutung. Gleichzeitig findet der Stadtarchivar auch im Jahr 2022: „Man braucht so einen Platz in der Stadt, wo man Veranstaltungen abhalten kann.“
1747 ließ Stifter Johann Ernst von Degen die sogenannte Mariengruppe aufstellen, die dem Bildhauer Georg Reuß aus Bamberg zugeschrieben wird. Sie soll auch nach der aktuellen Umgestaltung wieder ihren Platz finden.
Nicht nur militärische Paraden und reger Warenverkauf fanden hier statt, auch den Geistlichen, wie zum Beispiel Fürstbischöfen, wurde die Ehre erwiesen. So wurde am 9. Januar 1806 Max Joseph, der gerade zum ersten König von Bayern gekrönt worden war, auf dem Forchheimer Paradeplatz der Huldigungseid geleistet.
Einmalige Eisrevue in Forchheim
Als vom 17. bis 19. Juni 1855, also vor genau 167 Jahren, Prinzregent Luitpold in seiner Funktion als Armeeinspekteur zu Besuch war, gab es auf dem Paradeplatz einen Fackelzug. Kurz nach dem 2. Weltkrieg war der Ort Schauplatz einer Einmaligkeit in Forchheim, als 1949 eine große Eisrevue stattfand.
Anfang der 80er wurde der Neubau der Tiefgarage unter dem Paradeplatz geplant. Die Bevölkerung kämpfte um die Linden, die dafür gefällt wurden. „Sonst hätte man die Tiefgarage nicht bauen können“, erklärt Kestler.
1983 wurde das unterirdische Parkhaus eingeweiht. Die Proteste nutzten genauso wenig wie der Aufschrei Anfang 2021, als zwei weitere Linden als Vorboten des anstehenden Umbaus weichen mussten.
Doch der Paradeplatz der Zukunft – die Fertigstellung ist 2023 angedacht – soll für all das entschädigen. In den Kosten von planmäßig acht Millionen Euro sind japanische Schnurbäume enthalten. Pflaster und Schotter werden auf 10.000 Quadratmetern Fläche durch helle, große Granitplatten ersetzt.
Freisinger Architekt gewann Ausschreibung
Wasserfontänen und ein Sonnendeck laden auch in Zeiten des Klimawandels auf langen, bequemen Sitzbänken zum Bleiben ein, wie der Entwurf des Ausschreibungsgewinners aus Freising zeigt. ÖPNV-Nutzer dürfen bald in kleinen Fachwerkhäuschen auf ihren Bus warten.
Lesen Sie dazu auch:
















