„Besonders sexy ist die Berichterstattung über so ein Thema natürlich nicht. Aber besonders wichtig.“ Die sagte Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) während einer Feierstunde zur offiziellen Inbetriebnahme der Schlammentwässerung und des Vorlagebehälters auf der Kläranlage Ebermannstadt.
„Wir haben noch nicht alle Rechnungen, aber wir gehen davon aus, dass wir unter der Kostenberechnung von 1,38 Millionen Euro bleiben“, hofft die Rathaus-Chefin. Diese und weitere bereits erfolgte Maßnahmen werden zwangsläufig im Herbst zu Verbesserungsbeiträgen für die Anschlussteilnehmer der Kläranlage führen. Wie Kämmerer Wolfgang Krippel auf Nachfrage des FT dazu erklärte, stehe die Höhe der Verbesserungsbeiträge noch nicht abschließend fest.
Dies müsse noch genau berechnet und dann vom Stadtrat entschieden werden. Sprechen könne er nur für Ebermannstadt, nicht aber für die Gemeinden Unterleinleiter und Wiesenttal. Unterleinleiter leitet komplett in die Kläranlage Ebermannstadt ein, Wiesenttal mit den meisten Ortsteilen, außer Wüstenstein, wo es eine eigene Kläranlage gibt. Die Gemeinderäte in Unterleinleiter und Wiesenttal müssten selbst entscheiden, ob sie Verbesserungsbeiträge erheben und wenn, wie hoch diese dann sind.
Weniger Kosten für Ebermannstadt
Vom Markt Wiesenttal war zweiter Bürgermeister Konrad Rosenzweig gekommen, und von der VG-Gemeinde Unterleinleiter Bürgermeister Alwin Gebhardt. Dass dieses Projekt besonders wichtig ist, unterstrich die Anwesenheit von Landrat Hermann Ulm. Wie Ulm sagte, sei dies gut investiertes Geld aus Umweltschutz- und letztlich auch aus Kostengründen. Denn wie Meyer zuvor ausgeführt hatte, spare man sich mit der neuen Schlammpresse pro Jahr rund 100.000 Euro. Denn bisher habe die Schlammpressung mit einer mobilen Anlage 230.000 Euro im Jahr gekostet. Aufatmen können die Bürger aber schon ein klein wenig, weil der Freistaat für die Schlammentwässerung bereits einen Zuschuss in Höhe von rund 630.000 Euro zugesagt hat. Da lagen die Gesamtkosten im September 2022, als der Zuwendungsbescheid einging, aber noch bei rund eine Million Euro.
Inzwischen ist es teurer geworden und Krippel hat natürlich darauf reagiert und einen weiteren Zuschussantrag gestellt. Landrat Ulm drückte jedenfalls seine Hochachtung aus. Ebermannstadt sei Vorbild für andere Kommunen und nun mit seiner Abwasserentsorgung auf dem neusten Stand der Technik. Gut sei auch die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt gewesen, lobte Meyer. „Ich freue mich, dass Ebermannstadt eine Vorreiterrolle einnimmt und dies nun auch eine Pilotanlage für andere Gemeinden ist“, so Matthias Kraft vom Planungsbüro.
Auch Gewässerschutz im Vordergrund
„Wir freuen uns, dass Ebermannstadt mit dem Gewässerschutz vorangeht“, lobte auch Johanna Klocke, zuständige Abteilungsleiterin des Wasserwirtschaftsamts (WWA) für den Landkreis Forchheim. Wie ihr WWA-Kollege Michael Richter betonte, freue er sich, dass die Stadt wegen der Härtefallklausel in den Genuss der Förderung kam. Er kündigte an, dass es zum 1. Januar 2025 eine neue Förderrichtlinie (RZWas) für Abwasser- und Wasseranlagen geben wird. Allerdings habe man noch keine Informationen über die Zuschusshöhe. „Ohne Wasser können weder der Mensch noch Fauna und Flora existieren.“ Dies sei eine Binsenweisheit, betonte Meyer. Und weiter: „Nur mit einer funktionierenden Kanalisation kann die Gemeinde eine hygienisch einwandfreie und den Belangen des Umwelt- und Überflutungsschutzes angemessene Abwasserableitung sicherstellen. Zur Erreichung eines guten Gewässerzustands ist die Umsetzung eines hohen fachlichen Standards bei der Reinigung des Abwassers unerlässlich.“
Was ist Klärschlamm?
Klärschlamm gilt als Schadstoffsenke der Zivilisation für eine Vielzahl unerwünschter Abwasserinhaltsstoffe, über deren Auswirkungen auf die Umwelt und Gesundheit noch zu wenig bekannt ist, so Meyer weiter. Dies treffe insbesondere auf die nicht überschaubare Vielfalt an organischen Schadstoffen zu, die aus Haushalten, Gewerbe und Industrie ins Abwasser gelangen, wie Pestizide, Lösungsvermittler oder Arzneimittel. Die Risiken einer Aufbringung von Klärschlämmen auf Böden werden von Fachleuten als langfristig nicht kalkulierbar eingeschätzt.
Meyers Fazit: „Abwasserableitung und Abwasserreinigung, einschließlich Klärschlammentsorgung – sind eine Pflichtaufgabe der Daseinsversorgung, der wir uns intensiv in den Kommunen widmen müssen.“ Der dann getrocknete Klärschlamm wird verbrannt und damit für die Produktion von Zement genutzt, erklärte Daniel Reinhard, Chef der Kläranlage. Die Kläranlage Ebermannstadt hat fünf Mitarbeiter, darunter eines Auszubildenden zur Fachkraft für Umwelt.
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