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Nach acht Jahren Bauzeit
So sieht das neue Bahnhofsquartier in Forchheim aus
Auf dem früheren Post-Gelände am Bahnhof in Forchheim ist ein neues Quartier entstanden.
Auf dem früheren Post-Gelände am Bahnhof in Forchheim ist ein neues Quartier entstanden. // Dominik Selisch
Signet des Fränkischen Tags von Mathias Erlwein
Forchheim – Die Arbeiten am neuen Bahnhofsquartier in Forchheim sind abgeschlossen. Nun weiht Oberbürgermeisterin Martina Hebendanz das Areal ein. Was der Enkel eines Postboten damit zu tun hat.

Der erste Eindruck zählt – auch und gerade für eine Stadt. Für viele Besucher beginnt Forchheim am Bahnhofsplatz. Wer heute mit dem Zug ankommt, blickt auf ein Quartier, das mit dem Ort von früher nur noch wenig gemeinsam hat. Wo einst das Hauptpostamt mit Verteilzentrum stand, wo Briefe sortiert und Pakete verladen wurden, ist ein lebendiges Ensemble aus Hotel, Wohnungen, Gastronomie und Büros entstanden.

Mit dem Ausbau des Dachgeschosses im historischen Postgebäude ist die Entwicklung des ehemaligen Postquartiers nun abgeschlossen. Oberbürgermeisterin Martina Hebendanz (CSU) besichtigte gemeinsam mit Bauherren und Projektbeteiligten das fertige Ensemble und würdigte die gelungene Umwandlung der früheren Gewerbefläche in ein florierendes Quartier mit Wohnungen, Gastronomie und Gewerbeflächen. Die Geschichte des Gebäudes beginnt im Jahr 1935. Damals entstand am Bahnhofsplatz ein für seine Zeit modernes Postamt mit Postbusanbindung. Jahrzehntelang war es das logistische Herzstück des Postverkehrs in Forchheim.

Viele Forchheimer kannten das Gebäude – als Ort, an dem Briefe aufgegeben, Pakete abgeholt und Menschen ein und aus gingen. Nach dem Verkauf durch die Deutsche Post bot sich die Chance, diese Geschichte weiterzuschreiben. Eine besondere Rolle spielte dabei Matthias Hubert, geschäftsführender Gesellschafter der Hubert Capital Partners aus Hausen. Er hat seine Wurzeln in der Marktgemeinde Eggolsheim, in Rettern, wo er aufgewachsen ist. Sein Großvater war nicht nur Wirt in Rettern, sondern auch Postbote.

38 Millionen Euro für Bahnhofsquartier in Forchheim

„Deshalb habe ich eigentlich die Post erwerben können, weil man mich und meine familiäre Verbindung zur Post gekannt hat“, erzählt Hubert. Schon damals trug er die Idee mit sich, aus der ehemaligen Hauptpost einen neuen Mittelpunkt am Bahnhofsplatz zu entwickeln. Rund 38 Millionen Euro flossen in die Entwicklung des Quartiers. Auf dem früheren Betriebsgelände entstand mit dem „niu HOP“ das größte Hotel Forchheims mit 155 Zimmern. Auf dem ehemaligen Parkplatz wurden 42 Wohnungen errichtet, darunter auch Sozialwohnungen.

Wohnen im Postquartier, zwischen grünem Ufer der Wiesent und zentral am Bahnhof.
Wohnen im Postquartier, zwischen grünem Ufer der Wiesent und zentral am Bahnhof. // Mathias Erlwein

Mehr als 100 Tiefgaragenstellplätze ergänzen das Ensemble. Besonders anspruchsvoll war die Sanierung des fast 100 Jahre alten Hauptgebäudes. Statt eines Abrisses blieb die historische Bausubstanz erhalten. Auch der markante Dachstuhl wurde auf Wunsch des Stadtplanungsamtes bewahrt und aufwendig ausgebaut – ein Stück Stadtgeschichte, das nun eine neue Nutzung gefunden hat.

Café und Steuerberater am Bahnhof in Forchheim

Im ehemaligen Schalterbereich riecht es heute nach frischem Brot statt nach Briefpapier. Das „BrotHaus“ hat die frühere Schalterhalle in einen lebendigen Treffpunkt verwandelt. Viele besuchen täglich Café und Nahversorger, genau dort, wo früher Formulare ausgefüllt und Einschreiben aufgegeben wurden. Den Schlusspunkt der Entwicklung bildet der Ausbau des bislang ungenutzten Dachgeschosses. Die Steuerberatungskanzlei BERATA hat dort ihre Flächen erweitert.

Dieter Herden (2. v. l.) Prokurist der Eigentümergesellschaft, zeigt Oberbürgermeisterin Martina Hebendanz, was im Postquartier entwickelt wurde. Zuvor hatten Matthias Betz und Gunter Nüssel durch ihre neuen Räumlichkeiten im Obergeschoss geführt.
Dieter Herden (2. v. l.) Prokurist der Eigentümergesellschaft, zeigt Oberbürgermeisterin Martina Hebendanz, was im Postquartier entwickelt wurde. Zuvor hatten Matthias Betz und Gunter Nüssel durch ihre neuen Räumlichkeiten im Obergeschoss geführt. // Mathias Erlwein

Mehr als 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen von hier aus nun Mandanten aus Stadt und Landkreis. Niederlassungsleiter Matthias Betz spricht von einem klaren Bekenntnis zum Standort, die beiden Geschäftsführer Gunter Nüssel und Josef Meyer zeigen Oberbürgermeisterin Hebendanz die modernen, neu geschaffenen Räumlichkeiten. Für Matthias Hubert endet mit der Fertigstellung der Büroräume ein achtjähriger Entwicklungsprozess. „Nach Jahren harter und risikoreicher Entwicklungszeit freuen wir uns sehr, den letzten Mosaikstein zu setzen und nun auch den bislang ungenutzten Dachstuhl mit Leben zu füllen“, sagt er beim Blick auf das Erreichte.

Forchheim: Von Briefen zu Genuss

Vielleicht ist das die schönste Pointe dieser Geschichte: Ausgerechnet der Enkel eines Postboten hat jenem Gebäude eine neue Zukunft gegeben, das einst den Takt des Forchheimer Postverkehrs bestimmte. Wo früher Briefe ihre Reise begannen, trinken heute Menschen ihren Kaffee, arbeiten, wohnen oder übernachten. Das Haus hat seine Aufgabe verändert – geblieben ist indes, dass hier täglich Menschen ein- und ausgehen. Ein Paradebeispiel für eine gelungene Transformation. 

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