Wegen Baustoffmangel
Können sich Renovieren nur noch Reiche leisten?
Sorgenvoll blicken der Forchheimer Malermeister Erwin Held und seine Partnerin Karin Haimann auf die aktuelle Lage im Handwerk, weil Baumaterialien rar und teuer geworden sind.
Sorgenvoll blicken der Forchheimer Malermeister Erwin Held und seine Partnerin Karin Haimann auf die aktuelle Lage im Handwerk, weil Baumaterialien rar und teuer geworden sind.
Foto: Barbara Herbst
Forchheim – Die Preise für Dämmstoff, Schrauben oder Holz sind explodiert. Wie Handwerker gegen die Knappheit kämpfen und mit was Bauwillige nun rechnen müssen.

Den Zimmerern geht das Holz aus, den Baufirmen fehlt Dämmwolle und die Maler sehnen sich nach neuen Farblieferungen. Selbst Schrauben, Metallbeschläge und Klebebänder sind bei Forchheimer Handwerksfirmen derzeit heiß begehrte Ware. „Für unsere Handwerker ist es aktuell deutlich mühseliger, an benötigte Baustoffe zu kommen“, berichtet Christian Jaklin, Obermeister der Forchheimer Bau-Innung. Die Materialknappheit auf dem Baumarkt stellt nicht nur die regionalen Handwerker vor Herausforderungen – die gestiegenen Preise machen Bauen spürbar teuerer.

Bauboom fordert Heimwerker

Wenn der Forchheimer Malermeister Erwin Held durch seine Firmenhalle läuft, ist er froh über jede Palette an Farbeimern, die er beschaffen konnte und jetzt auf Lager hat. Als sich die erhöhte Nachfrage nach Baumaterialien aufgrund des Baubooms bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet habe, reagierte er.

Um an Material zu kommen musste der Malerbetrieb Held viel Geld in die Hand nehmen.
Um an Material zu kommen, musste der Malerbetrieb Held viel Geld in die Hand nehmen.
Foto: Barbara Herbst

„Wir haben uns Paletten an Materialien und Farben gesichert, bei denen wir wussten, dass wir sie unbedingt brauchen“, verrät Held. Seine Malerfirma in Forchheim beschäftigt 28 Mitarbeiter, die derzeit auf rund 20 Baustellen in Franken ausgelastet sind.

Wir möchten Ihre Meinung wissen

Lieferprobleme nach Schiffshavarie besonders eklatant

Bestimmte Pigmente und seltene Erden für die Malerfarben hat Held zeitweise gar nicht mehr geliefert bekommen. Die Forchheimer Handwerksbetriebe hätten die sich verschärfende Materialknappheit besonders nach der Schiffshavarie am Suezkanal im März, die die Import-Lieferketten unter anderem aus China erschwerte, zu spüren bekommen.

Das Hauptproblem aber sei, dass mit den Lieferengpässen in kürzester Zeit auch die Preise in die Höhe schossen, betont der Malermeister. „Wirklich täglich kamen Schreiben von unseren Lieferanten, dass die Baustoffe teurer werden“, erinnert sich Karin Haimann, die das Malergeschäft gemeinsam mit Erwin Held leitet.

Baustoff-Preise schießen in die Höhe

Der Preis für Dämmwolle sei beispielsweise um 60 Prozent gestiegen. Die Kosten für Gips-, Spanplatten, Metallprofile und Schienen beim Trockenbau hätten sich nahezu verdoppelt. Selbst für kleine Schrauben, die vorher nur rund 0,3 Cent pro Stück kosteten und jetzt einen Cent, zahlt die Malerfirma nun das Dreifache.

Die Auftragsbücher der regionalen Handwerker sind voll.
Die Auftragsbücher der regionalen Handwerker sind voll.
Foto: Barbara Herbst

Haimann verdeutlicht: „Spezielle Klebebänder, die in China gefertigt werden und die wir zum Abkleben brauchen, konnten wir gerade noch rechtzeitig bestellen, indem wir 20 Kartons gekauft haben.“

Kleinere Handwerker könnten leer ausgehen

Kleinere Handwerksbetriebe, die weniger bestellen, könnten in die Röhre schauen und müssten mehr bezahlen. „Das ist irre“, meint Erwin Held: „Dadurch dass diese Materialien fehlen, gibt es jetzt ein Hauen und Stechen. Wer am meisten bietet, der bekommt auch mal etwas.“

Auf eine Farblieferung musste die Malerfirma zum Beispiel vier Wochen warten, bevor Held gleich fünf Paletten auf einmal orderte und auf einen Schlag 45 000 Euro nur für Farbe investieren musste, berichtet der Unternehmer. Zwei Baustellen-Termine musste er nach Rücksprache mit den Kunden verschieben, weil die benötigte Ware schlicht nicht da war.

Schwierige Verhandlungen mit Bauwilligen

Außerdem müssen die Handwerker die höheren Baustoff-Preise den Auftraggebern vermitteln. „Wir halten für vier Wochen den Preis aufrecht, wenn der Kunde später kommt, müssen wir neu verhandeln“, erklärt Held für seinen Malerbetrieb.

Bauwillige im Raum Forchheim müssten wegen der hohen Nachfrage flexibler sein: Kurzfristig einen Handwerker zu bekommen, sei aktuell kaum möglich. Außerdem würden die Baustoff-Preise, die hoch gegangen seien, wohl nicht mehr sinken, befürchtet der Malermeister. „Da muss man sich auch überlegen, ob es noch bezahlbar ist“, sorgt sich Held: „Der Bogen darf nicht überspannt werden. Wie will sich der Privatkunde, der nicht viel verdient, das auf Dauer leisten?“

Lesen Sie auch:

Bau-Innungs-Obermeister Christian Jaklin meint: „Bauen wird teurer, damit wird man sich anfreunden müssen. Aber in einem überschaubaren Rahmen.“ Die wesentlichen Preistreiber bei Handwerksarbeiten seien außerdem nicht die Materialkosten, sondern besonders die steigenden Personalkosten sowie die Bau-Auflagen, erklärt Jaklin.

Keine Euphorie trotz voller Auftragsbücher

Die Nachfrage nach Handwerksleistungen ist groß. „Die Auftragslage ist gut bis sehr gut“, bestätigt Held. Bis Oktober sind die Auftragsbücher des Malerbetriebs voll, erklärt seine Partnerin Haimann.

„Aber die Euphorie muss sich in Grenzen halten, weil wir im Handwerk Fachkräftemangel haben. Wir könnten gar nicht alles abarbeiten, was wir annehmen könnten. Wir könnten momentan noch 20 Leute zusätzlich beschäftigen, aber dann hätten wir auch wieder gar nicht das Material“, fasst Held die angespannte Lage im Handwerk zusammen.

Lesen Sie dazu auch:

Auch Jaklin, der zudem stellvertretender Kreishandwerksmeister für den Raum Forchheim ist, gibt zum viel zitierten „Bauboom“ zu Bedenken: „Das ist auch Jubeln auf einem relativ niedrigen Niveau.“ Seit den 1990er Jahren habe sich die Anzahl der im Handwerk Beschäftigten halbiert, erklärt er zur Einordnung.

Zwar könnten die Handwerksbetriebe aktuell gut wirtschaften, betont auch Malermeister Held, aber vor allem Verlässlichkeit sei nun gefragt: „Wenn man ganz oben ist, geht es auch irgendwann wieder runter. Wer im Handwerk momentan die Nase zu weit oben hält, der ist vermutlich irgendwann weg.“