Bürger-Engagement
Nicht zu übersehen: Eberns derzeitige Attraktion
Der viereinhalbjährige Felix ist begeistert, die Krippe anzuschauen und sogar vom „Krippen-Chef“ Eberhard Wohl ein Schäfchen in den Arm gelegt zu bekommen.
Der viereinhalbjährige Felix ist begeistert, die Krippe anzuschauen und sogar vom „Krippen-Chef“ Eberhard Wohl ein Schäfchen in den Arm gelegt zu bekommen.
Foto: Helmut Will
Ebern – An der großen Weihnachtskrippe in Ebern geht niemand achtlos vorbei. Nicht nur ihre Ausmaße machen sie zu etwas Besonderem.

Es ist die wohl größte Weihnachtskrippe in hiesiger Gegend, welche der Bürgerverein Ebern nunmehr schon seit 33 Jahren in der Advents- und Weihnachtszeit aufbaut. Im Rathausinnenhof in Ebern ist sie noch bis zum Dreikönigstag zu sehen. Viele haben in den mehr als drei Jahrzehnten mit hand angelegt, von der Idee über Gestaltung und Aufbau.

In der Jahresgabe 2019 des Bürgervereins ist zu lesen: „Im christlich geprägten Ebern ist es seit alters Brauch, dass man zur Weihnachtszeit Krippen aufstellt.“

„Triebfedern“ für diese Weihnachtskrippe waren vor gut 30 Jahren Mitglieder des Bürger- und Obst- und Gartenbauvereins Ebern, Marie Metzner, Irmgard Ruhhammer, Franz Weiner, Ingo Hafenecker, Ernst Föhlisch, Armin Dominka und Dr. Heribert Keh. Seither betrachten geschätzt bis zu 500 Besucher pro Jahr die Krippe.

„Ein Riesenaufwand“

Der Aufbau des Krippenhauses nahm in den Anfangsjahren viele Arbeitsstunden in Anspruch. „Ein Riesenaufwand“, erinnert sich Hafenecker. Heute tue man sich leichter, weil das Baumaterial im Bauhof der Stadt gelagert ist und dortige Mitarbeiter die Figuren in den Rathaushof bringen. Bis 1989 verantwortete Herbert Föhlisch den Aufbau, danach übernahm Ingo Hafenecker die Verantwortung. Eberhard Wohl kümmert sich nun seit 2018 um die Krippe. Der 67-Jährige hat sich vorgenommen, mit weiteren Helfern die Krippe etwas anders zu gestalten als bisher. So ist der Herbergs-Boden jetzt mit echtem Moos aus dem Bürgerwald bedeckt, vorher war da eine grüne Folie. Die Eberner Rathauskrippe ist eine „Waldkrippe“, geschaffen aus Fichten und Tannen des Bürgerwaldes.

Szenen aus dem Evangelium

Die Krippe ist etwas Besonderes. Mehrere Szenen des Lukasevangeliums werden dargestellt: die Verkündigung Mariens am ersten Adventssonntag, die Herbergssuche, die Geburt Christi und schließlich am 6. Januar die Heiligen drei Könige. Dass man sich hierbei an das Lukasevangelium hält, sei eine Besonderheit, die man nicht überall findet, weiß Ingo Hafenecker.

Eberhard Wohl spricht mit Begeisterung über die Krippe, erklärt gestenreich alle Figuren, erzählt wo sie herkommen, zeigt auf den großen Ochsen, der etwas abseits auf strohbedecktem Boden liegt, als würde er die gesamte Szenerie beobachten.

„Die etwa einen Meter großen Figuren stammen alle aus Oberammergau, nur Hund und Ochse kommen aus Seßlach“, erklärt Wohl.

Um die mittlerweile 19 Figuren zu finanzieren, bedurfte es einer beachtlichen finanziellen Anstrengung, wo Eberner Banken und die Geschäftswelt kräftig unterstützten. „Die ersten drei Figuren, Maria, Josef und das Jesuskind, 1989 in Auftrag gegeben, kosteten damals 3180 Mark“, erläutert Wohl. Derzeit hätten alle Krippenfiguren zusammen einen Wert von etwa 15 000 Euro.

Pater Rudolf Theiler freut sich, dass sich der Bürgerverein schon vor vielen Jahren der Krippe angenommen hat und damit die christliche Tradition nicht nur in der Kirche verkündet wird , sondern auch im öffentlichen Raum. „Wo findet man so etwas? Fast in keiner größeren Stadt, Bamberg mal ausgenommen“, sagt Theiler.

Warum steht die Krippe im Rathausinnenhof, wo sie niemand, der sie nicht gezielt besuchen will, sieht? Ingo Hafenecker sagt: „Gerade das wollen wir, bei uns muss man zur Krippe gehen, sie besuchen wollen.“ Es soll so sein, dass niemand achtlos an der Krippe vorübergeht, sondern sie genau betrachtet, sich in der Vor- und Nachweihnachtszeit in Ruhe Gedanken macht. Dabei hilft auch die Tafel mit dem jeweiligem Evangeliumstext.

Ein Schaf als „Aushilfe“

Pfarrer Bernd Grosser weiß zur Krippe eine Anekdote: „Pater Theiler und ich luden im Juli 2020 zu einem Open-Air-Familiengottesdienst nach Fierst ein. Thema sollte in Anlehnung an ein Jesus-Gleichnis „Das verlorene Schaf“ sein.“ Aber es fand sich kein einziges Schaf in Fierst. Kurzerhand lieh man die Holz-Schafe aus der Krippe aus und bestritt damit den Gottesdienst. Grosser: „Man lernt daraus: Die Krippe taugt auch zu Einsätzen nicht nur zur Weihnachtszeit.“

Die Krippe kann in dieser Saison noch an folgenden Tagen, jeweils von 14 bis 17 Uhr besucht werden: an beiden Weihnachtstagen, an Neujahr, am Sonntag, 2. Januar, an Dreikönig und am Sonntag, 9. Januar.