Strafprozess
Junger Ladendieb bekommt jetzt Erziehung
Eine Jacke im Wert von knapp 150 Euro ließ ein 19-Jähriger aus dem Maintal im Januar dieses Jahres in einem Bamberger Kaufhaus mitgehen. Doch nicht nur der Diebstahl wird ihm zur Last gelegt.
Eine Jacke im Wert von knapp 150 Euro ließ ein 19-Jähriger aus dem Maintal im Januar dieses Jahres in einem Bamberger Kaufhaus mitgehen. Doch nicht nur der Diebstahl wird ihm zur Last gelegt.
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F-Signet von Martin Schweiger Fränkischer Tag
Haßfurt – Dem Richter am Amtsgericht Haßfurt reicht es. Er verordnet eine Gesprächstherapie und stellt dem Angeklagten eine besondere Aufgabe.

Eine Jacke im Wert von knapp 150 Euro lässt ein 19-Jähriger aus dem Maintal im Januar dieses Jahres in einem Bamberger Kaufhaus mitgehen. Kurz darauf wird er vom Kaufhausdetektiv gestellt. Die Polizei wird verständigt. Als die Beamten den Fall zu Protokoll nehmen, beleidigt der junge Mann sie.

Freilich hatte der ganze Vorfall Folgen. Der 19-Jährige saß am Dienstag als Angeklagter in einem Strafprozess vor dem Amtsgericht Haßfurt und bekam eine ungewöhnliche Strafe: Neben fünf Stunden Gesprächstherapie und 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilte ihn der Vorsitzende Richter Christoph Gillot dazu, sich schriftlich bei dem Polizisten zu entschuldigen, den er nach seiner Festnahme als „Alter“ und „Witzfigur“ betitelt hatte.

Ein Kleidungsstück war verschwunden, zwei Teile lagen noch in der Umkleidekabine in dem Bamberger Kaufhaus

Sein auffälliges Verhalten wurde dem Dieb damals zum Verhängnis. Nach Aussage des Kaufhausdetektivs hat sich der Angeklagte mehrmals umgeblickt, um dann drei Kleidungsstücke in eine Umkleidekabine mitzunehmen. Nach Verlassen der Kabine seien nur noch zwei Teile in der Kabine gewesen, berichtete der Detektiv. Kurz bevor der Angeklagte das Geschäft verlassen wollte, habe er ihn zur Rede gestellt.

 

Es stellte sich heraus, dass der junge Mann die neue Markenjacke unter seiner eigenen Jacke angezogen hatte. Er musste nicht nur die gestohlene Jacke zahlen, sondern darüber hinaus mussten er sowie sein Kumpel, der Schmiere stand, jeweils 100 Euro Aufwandsentschädigung zahlen.

Keine Spur von Schuldeinsicht oder Reue

Keine Spur von Reue oder Schuldeinsicht zeigte der Dieb wenig später, als zwei Polizeibeamte eintrafen. „Er hat alles ins Lächerliche gezogen und groß aufgesprochen“, sagte der Ordnungshüter vor Gericht. Da der Angeklagte sich aggressiv gezeigt habe, habe man ihn gefesselt und auf der Dienststelle verhört.

Der Angeklagte beschuldigt einen Polizeibeamten, ihn gewürgt zu haben

Dabei habe er den Polizisten und seine Kollegin unter anderem als „scheiß Witzfiguren“ betitelt und damit geprahlt, „schon ganz andere Sachen gemacht“ zu haben.

Eine Entschuldigung kam dem Angeklagten vor Gericht nicht über die Lippen. Stattdessen beschuldigte er den Polizeibeamten, ihn im Polizeiwagen gewürgt zu haben, was der Polizist von sich wies.

Ein Unbekannter ist der 19-Jährige am Amtsgericht nicht. Im vergangenen Jahr wurde er wegen Drogenhandels in 13 Fällen zu einer Geldauflage von 750 Euro verurteilt.

Jugendgerichtshilfe: Bei dem 19-Jährigen liegt ein Mangel an Einsichtsfähigkeit vor

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe bescheinigte ihm einen Mangel an Einsichtsfähigkeit. Die soll er nun durch die verordnete Gesprächstherapie einüben. Den Entschuldigungsbrief muss er zunächst ans Gericht schicken. „Erst wenn das eine echte Entschuldigung ist, werde ich sie an den Polizeibeamten weiterleiten“, sagte der Richter. „Eigentlich hätten Sie so groß mit Hut sein müssen“, schrieb er dem Angeklagten hinter die Ohren und maß dabei mit Daumen und Zeigefinger die Größe eines Streichholzes ab.

Der Angeklagte sowie die Staatsanwältin akzeptierten das Urteil, das somit rechtskräftig ist.

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