Haßberg-Kliniken
Kritische Stimmen beim Ärzteempfang in Ebern
Begrüßung von  Chefärztin Gabriella Slugotska
Die Neue der Haßberg-Kliniken in die Mitte genommen: Dr. Klaus Riedel, Chefärztin Gabriella Slugotska, Ants Lohmus (von links).
Foto: Helmut Will
Ebern – Begrüßung und Verabschiedung von Ärzten des Hauses Ebern wurden von der Umstrukturierung der Krankenhäuser überschattet.

Die ehemaligen Chefärzte der Haßberg-Kliniken, Haus Ebern, der Chirurg Dr. med. Klaus Riedel und der Internist Ants Lohmus, wurden am Mittwochnachmittag im Rathaushof in Ebern bei einer Open-Air-Veranstaltung verabschiedet. Als neue Chefärztin der Inneren Abteilung am Haus Ebern wurde Gabriella Slugotska, die seit 1. April 2022 dort tätig ist, willkommen geheißen. Die Chirurgie in Ebern bleibt aufgrund der Umstrukturierung vakant. Sie wurde nach Haßfurt verlegt. Bei den Abschiedsworten mischten sich auch kritische Töne ein.

Verabschiedet und willkommen geheißen (von links): Dr. Klaus Riedel, Landrat Wilhelm Schneider, Chefärztin Gabriella Slugotska, Bürgermeister Jürgen Hennemann, Ants Lohmus und Vorstandsvorsitzender Wilfried Neubauer.
Verabschiedet und willkommen geheißen (von links): Dr. Klaus Riedel, Landrat Wilhelm Schneider, Chefärztin Gabriella Slugotska, Bürgermeister Jürgen Hennemann, Ants Lohmus und Vorstandsvorsitzender Wilfried Neubauer.
Foto: Helmut Will

Wilfried Neubauer, Vorstandsvorsitzender der Haßberg-Kliniken, hieß im Rathaushof die Hauptpersonen und einige Hausärzte willkommen. „Sie sind ein Urgestein, waren fast 30 Jahre an den Haßberg-Kliniken tätig und haben sich in dieser Zeit weit über den Landkreis hinaus einen Namen gemacht“, sagte Neubauer zu Dr. Klaus Riedel. Er ging auf dessen beruflichen Werdegang ein, der in den 80er Jahren in Leipzig begann, ihn über das Klinikum Suhl im Jahr 1992 an das Krankenhaus Haßfurt führte. „Hier haben Sie als Oberarzt für Viszeral- und Unfallchirurgie gearbeitet und die Facharztausbildung für Orthopädie und Unfallchirurgie am Leopoldinakrankenhaus in Schweinfurt absolviert. Bevor Sie im Jahr 2013 als Chefarzt der Chirurgie an das Krankenhaus Ebern wechselten, fungierten Sie hausübergreifend als Leitender Oberarzt für beide Standorte“, sagte Neubauer. „Wir können Sie auch im Ruhestand in unserem MVZ-Standorten und insbesondere in Ebern weiterhin gebrauchen“, schloss Neubauer.

Die Haßberg-Kliniken verabschieden und begrüßen Ärzte: Dr. Klaus Riedel
Die Haßberg-Kliniken verabschieden und begrüßen Ärzte: Dr. Klaus Riedel
Foto: Helmut Will

Riedel ließ seine Zeit an den Haßberg-Kliniken kurz Revue passieren. Anfangs sei es nicht leicht gewesen und am Krankenhaus Ebern habe er mit Ants Lohmus ein gutes Team mit der Chirurgie und der Inneren gebildet. Nach Ebern sei er gekommen, weil ihn Stefan Kolck darum gebeten habe. „Wir haben es ausprobiert und es hat geklappt und ich habe gerne in Ebern gearbeitet“, sagte der Chirurg.

Die Probleme kamen mit Einführung der Fallpauschalen an Krankenhäusern

Dann schlug er kritische Töne an. „Wenn ich so über die letzten 30 Jahre zurückdenke, hat man ab dem Jahr 2000 gemerkt, als die Fallpauschalen eingeführt wurden, dass die Krankenhäuser und auch die Ärzte immer mehr nach Rentabilität bemessen wurden. Man wurde immer mehr unter finanziellen Erfolgsdruck gestellt. Eine gute Medizin zu machen und eine gute Patientenzufriedenheit zu praktizieren, wurde immer schwerer, was nicht unser Ziel sein konnte“, sagte Dr. Klaus Riedel.

Die Haßberg-Kliniken verabschieden und begrüßen Ärzte: Ants Lohmus
Die Haßberg-Kliniken verabschieden und begrüßen Ärzte: Ants Lohmus
Foto: Helmut Will

Den Internisten Ants Lohmus, der 2004 als Oberarzt an das Krankenhaus Ebern kam, seit 2007 als Chefarzt der Inneren wirkte, würdigte Neubauer besonders für seine Arbeit mit der Implantation von Herzschrittmachern. Auch die Prävention von Lungenerkrankungen sei ihm ein großes Anliegen gewesen. Ants Lohmus kam nach seinem Studium an der Universität Tartu in Estland als Doktorand an das kardiologische Institut der Universität Moskau, bevor er im Jahr 1984 an der Uniklinik in Tartu promovierte. 1991 kam er ans Krankenhaus Nürnberger Land. Dort machte er die Facharztausbildung als Internist. Zuvor hatte er als Oberarzt im Estnischen Herzzentrum Tallin gearbeitet. Lohmus werde weiterhin den sogenannten fachärztlichen Hintergrunddienst am Standort Ebern abdecken, sagte Neubauer.

Die Farben der Ukraine am Jackett

Ants Lohmus, an seinem Jackett trug er die Farben der Ukraine, war es wichtig, neben seinem Dank an alle seine Mitarbeiter auf den Krieg in der Ukraine hinzuweisen. „Es liegt mir am Herzen zu sagen, dass alle die Ukraine gegen den Aggressor unterstützen sollen. Wer keine Unterstützung leistet, steht auf der anderen Seite, auf der des Aggressors“, sagte Lohmus. „In Ebern waren die besten Jahre meiner beruflichen Laufbahn“, sagte Ants Lohmus und wünschte seiner Nachfolgerin, die aus der Westukraine stamme, viel Erfolg.

 

Gemeint war Gabriella Slugotska, die neue Chefärztin der Inneren Abteilung am Krankenhaus Ebern. Neubauer sagte zu ihr, dass man froh sei, sie als Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie mit der Zusatzqualifikation Herzinsuffizienz gewonnen zu haben. Slugotska ist in der Ukraine geboren und hat an der Uni in Lemberg studiert und viele Jahre als Kardiologin im Klinikum der westukrainischen Stadt Tjatschiw gearbeitet, bevor sie 2012 nach Deutschland kam. Weitere Arbeitsstellen hatte sie in Koblenz, Bad Berka und Bad Kissingen. „Wir haben im Haus Ebern noch vieles vor und hoffen, mit Ihnen das alles umsetzen zu können“, sagte der Vorstandsvorsitzende.

Begrüßung der neuen Chefärztin an den Haßberg-Kliniken
Bürgermeister Jürgen Hennemann übergibt der neuen Chefärztin den Eberner Lützel. Landrat Wilhelm Schneider (Mitte).
Foto: Helmut Will

Alles in allem werde das Krankenhausgebäude in Ebern weiterhin einen Nutzen im Dienste der Menschen im Eberner Raum erfüllen, sagte Neubauer. Chefärztin Gabriella Slugotska erklärte, dass sie in Ebern ein gutes Klima vorgefunden habe. „Ich bin voller Hoffnung, dass es hier gut weitergeht“, meinte auch sie. Auch wolle sie alles human angehen und gestalten.

Die Haßberg-Kliniken verabschieden und begrüßen Ärzte: Dr. Gabriella Slugotska
Die Haßberg-Kliniken verabschieden und begrüßen Ärzte: Dr. Gabriella Slugotska
Foto: Helmut Will

Landrat Wilhelm Schneider (CSU), Vorsitzender des Verwaltungsrates, und Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD), der ebenfalls dem Verwaltungsrat angehört, danken den scheidenden Ärzten und hießen die neue Chefärztin willkommen. Beide zeigten sich überzeugt, dass das Haus Ebern fortgeführt wird. „Wir müssen aus den Rahmenbedingungen das Beste machen“, sagte der Landrat. Auf die vorgenommen Veränderungen eingehend sagten beide, dass es keinen anderen Weg gegeben habe.

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