Gedenkgottesdienst
Die letzten Worte an das verstorbene Kind
Ein Stern für jedes Sternenkind stand bei der Gedenkfeier für die gestorbenen Kinder und verwaiste Eltern in Ebelsbach.
Ein Stern für jedes Sternenkind stand bei der Gedenkfeier für die gestorbenen Kinder und verwaiste Eltern in Ebelsbach.
Foto: Christine Mentor
Ebelsbach – Nach der Pandemie war die Sehnsucht nach einem gemeinsamen Gedenkgottesdienst groß. Angehörige suchten emotionalen Ausdruck.

Der zweite Sonntag im Dezember ist der jährliche Weltgedenktag für alle verstorbenen Kinder. An diesem Tag gedenken weltweit Angehörige und Freunde ihrer verstorbenen Kinder, Schwestern, Brüder, Enkel und Enkelinnen. Um 19 Uhr Ortszeit wird dann eine Kerze für jedes Kind angezündet. Durch die Zeitverschiebung von jeweils einer Stunde erlöschen die Kerzen in einer Zeitzone und werden in der nächsten entzündet. So geht eine Lichterwelle einmal um die ganze Welt.

Pause wegen Corona

Im Dezember 2019 gab es erstmals im Landkreis Haßberge eine Gedenkfeier. Aufgrund der Pandemie entfielen die Gedenkfeiern. Das ehrenamtliche Team der Malteser wollte 2022 nicht bis zum Winter warten und organisierte kürzlich eine Gedenkfeier in der Magdalenenkirche in Ebelsbach.

Zerbrochene Herzen

„Gott ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind“, damit begrüßte Diakon Joachim Stapf Eltern, Großeltern, Freunde und Geschwisterkinder, die schweren Herzens hierher gekommen waren. Und Stapf ermutigte sie alle: „Sie wagen es, Ihre Trauer und Verzweiflung sichtbar zu zeigen und mit anderen auszuhalten.“ Pfarrerin Natalie Schreiber fand es gut, dass sie gekommen seien, um sich an Gott zu wenden. „Vielleicht fühlen Sie sich von ihm enttäuscht, und ahnen aber, dass Gott Ihren Schmerz kennt, weil er bis in Ihr Herz sieht, tiefer als es Menschen können.“

Trauer braucht ihre Zeit

„Trauer kann man weder schön reden, noch weg diskutieren, sie geht nur vorbei, indem man trauert“, einen Text mit ehrlichen Worten las Rainer Barth. Für jedes Sternenkind wurde eine Kerze angezündet und mit einem getöpferten Stern, auf dem der Name des verstorbenen Kindes stand, auf einen blauen Himmel gelegt. Anschließend spielten von Norbert und Elena Hirt „The Rose“.

„Jeder Mensch trauert anders. Die unterschiedlichen Phasen und Gefühle, die man durchlebt, suchen nach Ausdrucksformen.“ Mit diesen Worten führte Diakon Joachim Stapf die Besucher hin zu den Stationen, die in der Kirche aufgebaut waren. Die Besucher konnten sich an eine der Stationen begeben oder einfach sitzenbleiben und der einfühlsamen Musik lauschen. An einer Station konnte man einen Brief an das verstorbene Kind schreiben „ Vielleicht hätten Sie ihrem Kind gerne noch etwas gesagt, aber der Tod hat es ihnen verwehrt.“ Bei Joachim Stapf und Natalie Schreiber war es möglich „den Segen zu empfangen“.

„Belastendes abwaschen“ hieß eine weitere Station, denn nach dem Tod eines Kindes suche man, hieß es, nach der Ursache und der Schuld – oft bei sich selbst.

Bei den „Zeilen an Gott schreiben“ war es möglich seine eigene Worte auf Papier zu bringen und in die vorbereitete Klagemauer zu stecken.

Alle Briefe wurden am Ende der Gedenkfeier ungelesen in einer großen Feuerschale verbrannt. Mit vielen Engagement und Herzblut wurde diese Gedenkfeier vorbereitet und durchgeführt.

Gute Organisation

Das Team um die Koordinatorinnen Claudia Stadelmann und Christine Mentor der Malteser bestehend aus Diakon Joachim Stapf, Pfarrerin Sarah Schimmel, Elfriede und Klaus Nussbaum, Monika und Rainer Barth, Hebamme Caroline von Andrian-Werburg und Doula Steffi Wohlleben gelang es, eine eindrucksvolle Gedenkfeier für Sternenkinder und verwaiste Eltern zu gestalten.

Gedenken am 11. Dezember

Die nächste Feier ist für den 11. Dezember geplant. Eingeladen sind auch alle Eltern zum nächsten Treffen der „Selbsthilfegruppe für Eltern von Sternenkindern“ geleitet von Klaus und Elfriede Nussbaum. Informationen hierzu unter der email sternenkinder-hassberge@web.de