Unterschriftenaktion
Unterschriften zur Rettung der Klinik
Die Chirurgie soll es in Ebern bald nicht mehr geben. Dafür stehen dem Krankenhaus selbst schwerwiegende „operative Eingriffe“ bevor. Doch die Bevölkerung will das nicht tatenlos hinnehmen.
Die Chirurgie soll es in Ebern bald nicht mehr geben. Dafür stehen dem Krankenhaus selbst schwerwiegende „operative Eingriffe“ bevor. Doch die Bevölkerung will das nicht tatenlos hinnehmen.
Foto: Eckehard Kiesewetter
Ebern – Petitionen sollen die Haßberg-Klinik in Ebern retten. 2800 Menschen haben laut Organisatoren schon unterzeichnet.

Bei der Planung für die neue Struktur der Haßberg-Kliniken haben die Verantwortlichen in Haßfurt die Rechnung ohne den Wirt gemacht, in diesem Fall ohne die Bürger. Gegen die Absicht, das Leistungsangebot der Haßberg-Klinik, Haus Ebern, drastisch zu kürzen, erhebt sich massiver Bürgerprotest. Jetzt laufen gleich zwei Petitionen und Unterschriftensammlungen mit dem Ziel, die Leistungen der Klinik zu erhalten.

Ebern soll es nicht wie Hofheim ergehen

Von der Schließung bedroht sind die OP-Abteilung, die Anästhesie, die chirurgische Station, die zentrale Patientenaufnahme, das Labor sowie Röntgen, allesamt Anforderungen an ein Allgemeinkrankenhaus. Die Befürchtung der Initiatoren des Bürgerprotests: Würde man, wie geplant, das Eberner Haus zu einem Zentrum für Altersmedizin umgestalten, wäre das mittelfristige Aus der Klinik vorprogrammiert. Ebern würde es nicht anders ergehen als Hofheim vor wenigen Jahren. Dort wurde die Klinik im Jahr 2017 aufgegeben.

In den Sozialen Medien wird die angedachte „Krankenhausreform“ im Landkreis heftig diskutiert und den Initiatoren werden bildlich eifrig die Daumen gedrückt. Populär oder „Volkes Wille“, dies machen die Beiträge deutlich, ist die Maßnahme auf keinen Fall. Eine Online-Petition, die ab Samstag, 26. Juni, auch durch eine Unterschriftensammlung per Stimmkarten ergänzt wird, läuft unter dem Motto „Keine Teilschließung der Haßberg-Klinik Ebern“. Diese haben Klaus Dünisch aus Pfarrweisach und der Eberner Klaus Junge gemeinsam mit Klaus Emmerich initiiert, einem ehemaliger Klinikvorstand aus Himmelkron, der sich mit Verve dafür einsetzt, die drohende Schließung kleiner Kliniken abzuwenden. Seine Foren sind das „Bündnis Klinikrettung“ und die Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“.

Sicherstellung einer Notfallbehandlung

Um das Anliegen zu unterstützen haben in Ebern Wolfgang Zirbik und Ralf Kestel eine „Hardware“-Ergänzung gestartet mit Unterschriftenlisten, die in Geschäften, Märkten, Praxen, Gaststätten im Stadtgebiet ausliegen. „Eine konservative Alternative, womit auch Menschen erreicht werden sollen, die nicht so online-affin sind“, sagt Kestel, „aber keine Konkurrenz zur Online-Petition, die erfreulich guten Zuspruch findet.“ Man werde die Unterschriften abgleichen, damit keine Doppelungen auftreten. Ziel sei es, die Auflösung der chirurgischen Abteilung abzuwenden oder zumindest eine Notfallbehandlung in den Abend- und Nachtstunden sowie an Wochenenden sicherzustellen.

Krankenhäuser gehörten zur Daseinsvorsorge und sollten ihren Betrieb nach dem Bedarf richten und nicht von der Wirtschaftlichkeit abhängen, fordert Klaus Emmerich. Die Fachbereiche Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesie seien Mindestvoraussetzung für eine Notfallversorgung und „von unschätzbarer Bedeutung für die Bevölkerung“. Ein mittelfristiges „Aus“ des Krankenhauses Ebern würde Angaben zufolge dazu führen, dass 8000 Bürger in Ebern und Umgebung mehr als 30 Minuten benötigen, um ein Krankenhaus zu erreichen. Emmerich: „Das ist – insbesondere für eskalierende Krankheitsverläufe – absolut inakzeptabel.“

Die Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ hatte ihr Anliegen Mitte Juni bei einer Kundgebung vor der Lorenzkirche in Nürnberg formuliert und unter anderem am Beispiel Eberns aufgezeigt, wie ländliche Regionen von der flächendeckenden Gesundheitsversorgung abgeschnitten würden, wenn sich die aktuelle Entwicklung fortsetze. „Corona zeigt, dass wir nicht zu viele sondern zu wenige Krankenhäuser haben. Das sagt auch ein vom Bundesinnen- und Bundesforschungsministerium beauftragtes „Grünbuch 2020„“, hieß es auf der Demo.

Kritik geht nach Berlin

Die Kritik trifft weniger die Entscheidungsträger im Kreis Haßberge als vielmehr die Entscheidungsträger in Berlin um Gesundheitsminister Jens Span. Kleine ländliche Krankenhäuser mit weniger als 200 Betten seien nämlich bundespolitisch kaum noch gewollt, was es Krankenhausträgern zunehmend schwierig mache. Die Strukturvorgaben werden schwieriger; die Wirtschaftlichkeit ist, wie dies die Haßberg-Kliniken seit Jahren mit roten Zahlen belegen, unter den herrschenden gesetzlichen Abrechnungsbedingungen nicht mehr gewährleistet.

Seitdem die Petition „Keine Schließung der Haßberge-Klinik Ebern“ zum 1. Juni anlief, haben sich laut Angaben der Initiatoren rund 2800 Petenten im Internet dafür ausgesprochen, das medizinische Leistungsangebot des Krankenhauses Ebern nicht zu schmälern. Um die laufende Petition auch schriftlich vor Ort auszulegen, nicht nur in der digitalen Welt, habe man Formulare gedruckt, gelbe Stimmkarten im Postkarten-Langformat mit dem Petitionstext und jeweils einer Unterschrift. Die ausgefüllten und unterschriebenen gelben Stimmkarten kann man dann in die aufgestellten Sammelbehälter in Eberner Supermärkten (Edeka und Rewe) einwerfen. Nach Abschluss der Sammlung werden alle Unterschriften dem Landrat des Landkreises Haßberge, Wilhelm Schneider, übergeben.

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