Mittelalterfest
Ebern feiert wie in alten Tagen
Salven auf Kommando: die historische Stadtwache aus Höchstadt
Salven auf Kommando: die historische Stadtwache aus Höchstadt
Foto: Steffen Schanz
Ebern – Für zwei Tage holte die Stadt längst vergessene Handwerker, Künste, Lebensweisen und Marketender zurück.

Eigentlich war eine Zeitreise in die Mitte des letzten Jahrtausends angesagt. Stattdessen erlebte Ebern am Wochenende eine Vorschau auf Heißzeiten, wie sie der Klimawandel künftig wohl häufiger auch schon im Juni bescheren wird. Fast schon bedauernswert waren da manche Festteilnehmer, die das Mittelalterfest nicht in neuzeitlicher atmungsaktiver Funktionskleidung besuchen konnten, sondern in dickem Tierfell, grob gewebtem Loden, mehrschichtigen Uniformen und Kostümen oder gar schwerer Rüstung ihre historische Rolle spielen mussten.

Bei brütender Hitze fiel der Aufzug der Teilnehmer kürzer aus als bei vorangegangenen Veranstaltungen. Dem Junker Jürgen, alias Bürgermeister Jürgen Hennemann, stand mit Irene Jungnickl nur ein Mitglied des Magistrats zur Seite und auch die Schar der Mittelaltergruppen war dünner gesät. Wegen Corona hatte der Amtsschimmel die Nüstern voll gehabt und so war die Genehmigung der Stadt erst relativ spät herausgegangen. Bis dahin hatten sich etliche der eingeplanten Spielleute, Gaukler, Händler und Lagergruppen bereits andernorts verpflichtet.

Gewusel am Abend

So richtig lebhaft wuselte es eigentlich erst in den Abendstunden des Samstags auf dem Marktplatz. Als die Berliner Gruppe Bene Vobis aufspielte und die Jonglier- und Feuershow am Grauturm über die Bühne ging, waren sämtliche Sitzplätze belegt. Dementsprechend gut waren der Absatz am Ausschank und die Stimmung im Volk. Ein verlockender Vorgeschmack aufs Altstadtfest Ende Juli.

Das mittelalterliche Treiben, für dessen achte Auflage einmal mehr das Fachwissen von Karin Fenn gefragt war und bei dem das Quartiersmanagement die Organisation übernommen hatte, lud zum Flanieren ein. Publikumsmagneten an wechselnden Schauplätzen waren der quacksalberne Chirurgus Ulricus Ulcus mit seinen abstrusen Heil- und Unheilmethoden, der Schabernack des Gauklers Willis, urige Geschicklichkeitsübungen wie ein Wettbewerb im Axtwerfen und natürlich der Feuerzauber nach Einbruch der Dunkelheit.

Die Kinder hatten ihren Spaß beim Behauen von Steinen oder bei einer Märchenstunde unter Piratenflagge. Holzschwerter und Lederbeutel fanden ebenso ihre Käufer wie Trinkhörner oder historische Instrumente.

Apropos: Wenn die Leute sich die Ohren zuhielten, so lag dies nicht an Dudelsäcken und Schalmeien, den Beiträgen der Trommler aus Rothenburg oder an den Künsten der „Bäsareisser“, der angeblich „kleinsten Bigband der Welt“. Verantwortlich war die Höchstädter Stadtwache, deren Musketenschüsse am Wolzngarten für Krawall sorgten.

Wieder zurück in Schwaben äußerten sich die „Bäsareisser“ nach ihrem schweißtreibenden Auftritt in Ebern übrigens vollkommen zufrieden: „Jesus Maria und Heiliger Bimbam!“, meinten sie angesichts von Mittagstemperaturen um die 35 Grad im Schatten: „Wir glauben wir haben noch nie soviel Wasser getrunken wie am vergangenen Wochenende. In Ebern trafen wir wunderbare Freunde, viele liebgewonnene Händler und vor allem: ein tolles Publikum!“