Aus der Großstadt München aufs Land nach Eyrichshof? Für zwei Bands gilt dies in diesem Sommer. Wolfgang Niedeckens BAP und The BossHoss treten beziehungsweise traten sowohl beim legendären Multi-Kulti-Öko-Tollwood-Festival im Olympiapark wie auch vor der historischen Kulisse von Schloss Eyrichshof auf.
Ist es für die sieben Berliner von The BossHoss eine Premiere (sie versetzten in Bamberg aber schon die Brose Arena in Ekstase) ist es Freitag Abend für Wolfgang Niedecken und seine acht Mitstreiter aus Köln eine Rückkehr (ebenso wie für Rainhard Fendrich und In Extremo).
Keiner bleibt sitzen
Schon 2016 brachte das BAPsche Kölsch die Besucher im Eberner Stadtteil in gänzlich unfränkische Wallung. Bereits nach dem dritten Song fragten sich die Veranstalter an jenem lauen Freitagabend: „Warum nur haben wir Stühle aufgestellt?“
Das war zwar eine Vorgabe vom Band-Management, erwies sich aber als krasse Fehleinschätzung, denn es hielt keinen mehr auf den Sitzen, und Rainer Kraus als technischer Direktor hätte problemlos die Stuhlreihen abräumen können. Und die Band hatte so viel Spaß an diesem Abend und dem Tanzvolk, dass sie nicht mehr aufhören wollte und sogar die genehmigte Spielzeit überzog.
Drei Stunden Kölsch
Vorausschauend beginnt das Konzert am Freitag schon um 19 Uhr, und Stühle werden diesmal erst gar nicht aufgestellt. Sitzmöglichkeiten gibt es im Gastrobereich im Gutshof.
Und wie hören sich BAP im Jahr 2022 an, nach sage und schreibe 45 Bühnenjahren? Unsere Redaktion hat sie vorab beim Konzert beim Tollwood-Festival besucht, wo es auch keine Sitzmöglichkeiten gab. Und das Konzert dauert wieder runde drei Stunden. Gespielt werden Songs quer durch die 23 Alben, dazu auch aktuelle Sachen aus dem 2020er-Opus „Alles fließt“, die „wir nun endlich live bringen können“, wie Niedecken sagt. „Wir haben lange genug darauf gewartet.“
50 Lieder zur Auswahl
Sieben der 29 Lieder, die BAP in München spielt (aus einem Repertoire von 50 Stücken, die die Band laut Niedecken im Tour-Rucksack hat) stammen von der letzten Scheibe, besonders beeindruckend der politisch-kritische Song „Ruhe vorm Sturm“, dem die immer noch aktuelle „Kristallnach“ folgt.
Gibt es Zuhörer, die englische Bands besser verstehen als das Kölsch, ist die Begeisterung bei Klassikern wie „Verdamp lang her“, „Waschsalon“, „Müsli Män“, „Alexandra, nit nur do“, „Nehm mich mit“ kaum zu toppen. Dazu so Coversongs wie „Wahnsinn“ („Wild Thing“ von The Troggs) oder „You aint goin’ nowhere“ von Bob Dylan und die ebenso emotionale wie ehrfurchtsvolle Penner-Hymne „Jupp“.
Dreimal kommen „BAP“ zu Zugaben zurück auf die Bühne, und die Spielfreude ist Wolfgang Niedecken auch nach fast fünf Jahrzehnten als Musiker und einem Schlaganfall 2011 nicht abhandengekommen. Unterstützt wird er auf der Bühne und beim Komponieren von Gitarrist Ulrich Rode sowie der Multi-Instrumentalistin Anne de Wolff . Bereichert wird der Sound der Rockband nicht nur durch Streicher, sondern auch durch eine dreiköpfige Bläser-Sektion. Das wird ein langer Abend in Eyrichshof!
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