Eines vorweg: Sie kann – zumindest in Zeil – seit dem Wochenende in einem Atemzug mit Baba Wanga, Marie-Anne Lenormand oder Margaretha Goussanthier genannt werden. Und dies, obwohl „Madame Zeilaunia“ am Samstagabend den Gästen im Rudolf-Winkler-Haus lediglich den Mund nach weiteren Informationen wässrig gemacht hat.
In ihrer Glaskugel entdeckte die Wahrsagerin jedenfalls Menschen, die – möglicherweise, eventuell, vielleicht – in den kommenden Wochen und Monaten auf sich aufmerksam machen. Oder auch nicht. Beispielsweise sah die unter ihrem bürgerlichen Namen Anna Suchanka bekannte Senkrechtstarterin der Zukunfts-Vorhersage-Branche, ausgestattet „mit dem Wissen von dreieinhalb TikTok-Orakeln“, einen „Mann, der fröhlich“ grinst. Die Rede ist vom Bürgermeisteranwärter Markus Fröhlich, dem Nachfolgekandidaten für den langjährigen Amtsinhaber Thomas Stadelmann, der nach 16 Jahren im Rathaus seinen Bürostuhl mittlerweile „besser kennt als seine eigene Frau“. „CSU im Herzen, Aktenmappe in der Hand und Steffen Vogel an der Seite“.
Einige Newcomer auf der Bühne
Ebenso könnte der Zeiler Norbert Zösch, besser bekannt als „der Herr über den Strom, Wasser, Energie …“ bald wieder im Rampenlicht stehen: Als neuer Kreischef. „Ob er jetzt als Landrat wirklich den Schalter umlegt oder als Rentner erstmal im Energiesparmodus bleibt, ist also spannend“, so die Madame. Die erste von insgesamt drei Büttensitzungen der Zeiler Narrenzunft (ZNZ), zum zweiten Mal souverän geleitet vom Sitzungspräsidenten Christian Melchior und erstmals mit dem neuen Zunftmeister Max Wolfschmitt im Elferrat, hatte freilich noch viel mehr „Farbe, Glitzer und Stimmung“ zu bieten.
Und weitere Premieren, wie etwa die beiden Newcomer „Wally und Waldi“ (Tobias Zink und Christian Suchanka), die sich sehr mit den Geschehnissen in der Stadt inklusive der Lokalpolitik – na klar: Die Wahl des neuen Bürgermeisters – beschäftigten. „Markus Fröhlich. Klingt wie ein Animateur auf einem Kreuzfahrtschiff“, lästerten die beiden. Es sei jedoch Vorsicht geboten: „Der Mann kommt von der CSU. Ein Mann, so hoch und dürr wie der letztjährige Maibaum auf dem Zeiler Marktplatz.“
Spektakuläre Tanzeinlagen, ironisch-witzige Reden, eine Zaubershow
Zur Sprache kamen zudem die seltsam anmutende Arbeitsweise der Stadtgärtner, der Glasfaserausbau oder der von Stadtpfarrer Michael Erhart initiierte „Bibel-Verkauf“ für die leere Stadtkasse. Apropos Pfarrer: Er machte sich aufgrund der aktuellen Bautätigkeit – Stichwort „Teefabrik“ – unter anderem Gedanken über ein mögliches Zusammenwachsen von Zeil und seinen Nachbarn mainabwärts: „Passt bloß auf und macht nicht weiter, das würde denn dann gar nicht heiter, wenn wir mit Haßfurt uns vereinen, da würde ich dann doch sehr weinen“, sagte Bauarbeiter Michael Erhart.
Spektakuläre Tanzeinlagen, ironisch-witzige Reden, eine Zaubershow, Tratsch und Klatsch sowie andere Katastrophen inmitten einer farbenfrohen Bühnendekoration: Die Närrinnen und Narren erlebten auch 2026 nicht nur eine gewöhnliche Zeiler Büttensitzung. Nein, sie erlebten, wie von Madame Zeilaunia am Anfang prophezeit, einen Abend „fast wie Magie“.














