Hundesport
Gesten und Code-Wörter treiben die Tiere an
Vorsicht, fliegender Border-Collie
Vorsicht, fliegender Border-Collie
Foto: Sabine Weinbeer
Prölsdorf – Zum dritten Mal wurde das erste Agility-Turnier der Saison auf dem Gelände des SC Prölsdorf ausgetragen. Warum das Vorhaben gefährdet war.

Marlenes Haar weht im Wind, schnell und routiniert absolviert sie den Parcours ohne Fehler. Beste Voraussetzungen für die Landessiegerprüfung am Montag. Atemloser als Marlene ist ihr Frauchen, von der es Lob und ein Leckerli gibt. Marlene ist eine Bordercollie-Hündin und sie war am Osterwochenende eine von über 300 startenden Hunden bei „Agi am Bach“ in Prölsdorf.

Sieben Minuten Zeit haben die Hundeführer, um sich den Parcours einzuprägen.
Sieben Minuten Zeit haben die Hundeführer, um sich den Parcours einzuprägen.
Foto: Sabine Weinbeer

Zum dritten Mal wurde das erste Agility-Turnier der Saison auf dem Gelände des SC Prölsdorf ausgetragen. „Wir konnten es schon gar nicht mehr erwarten, dass es wieder los geht“, erzählen Susanne Kunkel und Christine Neumann. Die beiden Damen sind deutlich über 70, doch der Sport mit ihren Hunden Sanny und Jim hält sie jung – das sieht man auch später auf dem Parcours.

Agility-Turniere sind ihr Leben: die 75-jährige Susanne Kunkel (links) mit Sanny und die 72-jährige Christine Neumann mit Jim.
Agility-Turniere sind ihr Leben: die 75-jährige Susanne Kunkel (links) mit Sanny und die 72-jährige Christine Neumann mit Jim.
Foto: Sabine Weinbeer

Auch Bernhard Krapp und Johann Voran strahlen mit der Sonne um die Wette. Sie sind die beiden Vorsitzenden der „Agility-Fregger“, eines nur drei Mann starken Vereins, der die alleinige Aufgabe hat, solche Turniere zu veranstalten und zwar genau zwei, eines im Frühling und eines im Sommer, jeweils in Prölsdorf. Der Steigerwald-Ort ist nun neu im Terminkalender der Hundesportler. Eine viel längere Tradition hat das Turnier in Steppach in Oberfranken, das Voran alleine ausrichtet. Dort wie in Prölsdorf ist der örtliche Sportverein Veranstaltungspartner. Und das bedeutet schon allerhand Aufwand.

Alles noch hinzukriegen war herausfordernd

65 Camper sind größtenteils schon am Gründonnerstag angereist. Eine Woche vor Veranstaltungsbeginn lag auf der Fläche am Rande des Sportgeländes noch 20 Zentimeter hoch der Schnee – entsprechend herausfordernd war es, die Fläche ordentlich zu befestigen. Doch die Hundesportler sind sehr zufrieden. Auch mit der Bewirtung vom Frühstück bis zum abendlichen Beisammensein. 75 Helfer hat der SC Prölsdorf dafür an den vier Tagen am Start.

Recht zufrieden scheint der zweite Vorsitzende der „Agility-Fregger“ Bernhard Krapp mit diesem Durchgang.
Recht zufrieden scheint der zweite Vorsitzende der „Agility-Fregger“ Bernhard Krapp mit diesem Durchgang.
Foto: Sabine Weinbeer

„Der Verein macht das wirklich gut hier, außerdem passt das ganze Gelände. Wir können hier im Sportheim duschen und zum Gassigehen können wir direkt ins freie Gelände – aber natürlich stellen wir Kot-Beutel auf“, betont Johann Voran. Schließlich wollen die Agility-Fregger ja wiederkommen.

Jetzt muss er erstmal los, denn die letzte Gruppe von Hundebesitzern ist aufgefordert, den Parcours für die höchste Leistungsklasse abzugehen.

Da muss man ein gutes Gedächtnis haben, um sich den Parcours einzuprägen

Sieben Minuten Zeit bleibt jedem und jeder, um sich den Weg einzuprägen. Der eine Sprung in Laufrichtung, der andere gegen den Lauf, Tunnel von rechts nach links, Tunnel von links nach rechts, Slalom und auf der Wippe abwarten, bis sie komplett gekippt ist. Wer zu früh springt, ist disqualifiziert.

Hund und Frauchen in vollem Lauf.
Hund und Frauchen in vollem Lauf.
Foto: Sabine Weinbeer

Hund und Herrchen kommunizieren nur durch Zurufe und Gesten. Das ein oder andere Code-Wort ist dabei, das bei den Zuschauern auch mal für ein Schmunzeln sorgt. Gut 200 Meter hat der Parcours – das fordert auch von den Menschen eine ordentliche Fitness, auch wenn sie an den Hindernissen vorbei dürfen und nicht drunter und drüber müssen. Vor allem bei den älteren Hundebesitzern merkt man, dass sie ökonomischer mit den Laufwegen umgehen – alles während der sieben Minuten Besichtigung festgelegt.

Nur mit Zurufen und Gesten lotsen die Zweibeiner die Vierbeiner durch den Parcours.
Nur mit Zurufen und Gesten lotsen die Zweibeiner die Vierbeiner durch den Parcours.
Foto: Sabine Weinbeer

Man sieht, dass Hunde und Besitzer Freude an dem Sport haben – und dass die Hunde ihre unterschiedlichen Charaktere haben. Grundsätzlich seien die Hütehunde-Rassen am besten geeignet für den Agility-Sport, erzählt Johann Vondran. Viele Border-Collies sind dabei, und Shelties (Shetland Sheep-Dogs), aber auch andere Rassen und Mischlinge. „Heute Morgen war tatsächlich ein ganz kleiner Chihuahua am Start, da hat man sich echt gefragt, wie der die Hindernisse schafft – hat er aber“, erzählt Anna Weidner, die gerade Dienst im Leitstand hat.

Vier Leistungsgruppen und drei Größen-Kategorien

Die Parcours werden nach vier Leistungsgruppen und drei Größen-Kategorien aufgebaut. Bis zu 22 Hindernisse sind zu überwinden. Die kleinsten Starter sind bis 34,99 Zentimeter groß (Schulterhöhe), Größe M geht bis 42,99 cm und alles darüber sind Starter für Kategorie L. Ab einem Alter von 18 Monaten darf ein Hund bei solchen Turnieren starten, etwa zwei Jahre Ausbildung braucht es bis zum ersten Wettkampf.

Die Wippe ist besonders tricky: erst wenn die Wippe den Boden berührt, darf er wieder Gas geben.
Die Wippe ist besonders tricky: erst wenn die Wippe den Boden berührt, darf er wieder Gas geben.
Foto: Sabine Weinbeer

120 menschliche Teilnehmer aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz waren am Wochenende beim Saisonauftakt dabei, die wenigsten mit nur einem Hund. Viele von ihnen verbringen fast jedes Wochenende auf einer solchen Veranstaltung.

Der Slalom ist nicht nur eng, die Stangen müssen auch auf der richtigen Seite passiert werden.
Der Slalom ist nicht nur eng, die Stangen müssen auch auf der richtigen Seite passiert werden.
Foto: Sabine Weinbeer

„Dieser Sport hält uns körperlich und geistig fit, außerdem treffen wir hier unsere Freunde“, erzählen Susanne und Christine, die beiden älteren Damen aus Wassertrüdingen und Hemhofen. Seit sie in Rente sind, seien sie „alle Schieß lang“ auf einem Turnier und vor zwei Wochen hätten sie die Daumen gedrückt, dass sich das Wetter noch einkriegt und der Saisonauftakt nicht verschoben werden muss. Doch es hat alles geklappt, vier reibungslose Tage, herrliches Wetter – das „Agi am Bach“ könnte eine ähnliche Kult-Veranstaltung werden wie das Konzert-Wochenende „Krach am Bach“ in Prölsdorf.