Bildung
„Ein Wegducken gibt’s nicht“
Staatsminister Thorsten Glauber stand den Gymnasiasten Rede und Antwort.
Staatsminister Thorsten Glauber stand den Gymnasiasten Rede und Antwort.
Foto: Christian Licha
Ebern – Bayerns Umwelt- und Verbraucherschutz-Minister Thorsten Glauber, stellt sich der Diskussion mit Eberns Gymnasiasten. Er zollt den Schülern Respekt

Die Themen Atomkraft und erneuerbare Energien bewegte die rund 120 Schülerinnen und Schüler der elften und zwölften Jahrgangsstufen des Friedrich-Rückert-Gymnasiums in Ebern am meisten, als am Freitag die inzwischen siebte Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Politik trifft Bildung“ stattfand. Wie immer mit hochrangigen Politikern bestückt, war es dieses Mal Thorsten Glauber, der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, der der Oberstufe Rede und Antwort stand. Auf Einladung von Oberstudienrat Klaus Kasper und unter Mitorganisation von Studienrat Stefan Lehner war mit Glauber (Freie Wähler) erstmals ein Mitglied der Bayerischen Staatsregierung in der Aula des Schulneubaus zu Gast.

Schulleiter Martin Pöhner freute sich, dass nach der Corona-Zwangspause endlich dieses politische Bildungsformat wieder stattfinden konnte. Das Moderatorenteam mit dem Schüler Elias Frank, seiner Mitschülerin Lina Bogendörfer und Schülersprecher Jannik Hepp sorgten mit interessanten Fragestellungen für ein kurzweiliges Programm.

Mit Umsicht

Sein politisches Handeln hat Glauber mit einem Zitat von Werner von Siemens verinnerlicht: „Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, sondern mit den Augen die Tür zu finden". Die Politik fordert von dem Oberfranken immer Kompromisse zu finden, ganz nach dem Motto „nicht einen ganzen Meter auf einmal zu springen, sondern lieber öfters wenige Zentimeter in die richtige Richtung voranzukommen“.

Auch gilt es für einen Staatsminister und Landtagsabgeordneten nicht unangenehmen Dingen aus dem Weg zu gehen: „Wegducken gibt’s überhaupt nicht“. Als Beispiel nannte Glauber einen Neujahrsempfang in Kitzingen, bei dem spontan 1400 Landwirte vor der Tür standen. Der Umweltminister ging auf die Demonstranten ein, suchte das Gespräch mit ihren Verantwortlichen und erzielte nach eigenen Worten noch am selben Abend ein zufriedenstellendes Ergebnis für beide Seiten.

Frühe Botendienste

Der Staatsminister, der trotz seines beruflichen Erfolges sehr bodenständig auftritt, plauderte aus dem Nähkästchen und ließ die Schülerinnen und Schüler an seinem Privatleben teilhaben. Bereits sein Vater war einst Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Pinzberg und später Landrat im Landkreis Forchheim. Im örtlichen Schützenverein familiär mit eingebunden, durfte Glauber seinerzeit als Zwölfjähriger die Vereinspost in Pinzberg austragen, was damals eine zweifelhafte Ehre für ihn war.

Der Schüler hätte seine Freizeit damals lieber anders verbracht, aber er lernte so Land und Leute kennen und schon bald gab es fast Niemanden mehr, dem nicht sein Gesicht bekannt war. Das sollte ihm später einmal zu Gute kommen. Mit 16 engagierte sich Glauber in der Jugendarbeit und in der Kirche. Sport, besonders Fußball liebt er heute noch.

Anfangs belächelt

Schließlich wurde der jetzige Minister im Jahr 2002 mit großem Erfolg in den Pinzberger Gemeinderat gewählt, wo er noch heute einen Sitz hat, ebenso wie im Kreistag. Aufmerksamkeit erregt der damals 31-Jährige als er sogar 400 Stimmen mehr errang als der amtierende Bürgermeister.

Freilich war die Anfangszeit im Gemeinderat schwierig, denn die Alteingesessenen belächelten den einzigen Neuling nur und nahmen seine Anregungen nicht besonders ernst. Das änderte sich im Laufe der Zeit und spätestens 2008 fand ein kompletter Generationenwechsel im Gemeinderat an. Seit 2008 hat Glauber auch sein Landtagsmandat inne und wurde 2018 zum Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz im Kabinett Söder II berufen.

Im „Pingpongspiel“ der Moderatoren waren schnelle Antworten gefordert. „Meine drei wichtigsten Eigenschaften sind…“ ergänzte Glauber mit „zuhören, bodenständig bleiben und den Leuten nicht nach dem Mund reden“.

Die Lieblingsfächer des heute 51-Jährigen waren Sport und Erdkunde, Deutsch mochte der Politiker in seiner Schulzeit weniger.

Mit Rückenwind

Diplomatisch antwortete Glauber auf das Stichwort „Scholz“ mit „demokratisch gewählt“ und führte aber den Sozialdemokraten und ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmitt als sein politisches Vorbild an. Die aktuelle Ampel-Koalition sieht Glauber als „Rückenwind für die Energiewende im Land“.

„Den Minister werde ich als freundlichen Menschen in Erinnerung halten, der gut auf Fragen eingeht", sagte Mark Simon aus der Q11. Der 17-Jährige war einer der Fragensteller in der Diskussionsrunde. Gefahrenstoffe im Fluss Rodach, auf die der Schüler in der NINA Warn-App einen Hinweis gesehen hatte, waren dabei ebenso ein Thema wie die Kerntechnik mit Dual-Fluid-Reaktoren, an denen momentan geforscht wird.

Thema Windkraft

Die in Bayern geltende 10H-Regel für Windräder interessierte Martin Würstlein. Der angehende Abiturient lobte die fachlich sehr fundierten Antworten des Ministers und sieht ihn als bodenständigen Politiker, der realistisch etwas umsetzen will und es anpackt. Dagegen sah es der 18-Jährige als schwierig an, irgendetwas aus der Vergangenheit oder aus Erfahrungen zu begründen, wie es Glauber tat. „Allgemeingültige Argumente wären mir lieber gewesen“, so Würstlein.

Auch nach der rund 90-minütigen Veranstaltung hatte Glauber noch Zeit mitgebracht, um mit rund einem halben Dutzend Schülern abseits der Bühne im Nebenzimmer zu diskutieren.

Schülersprecher Jannik Hepp rechnete das dem Umweltminister hoch an, der standesgemäß mit einer umweltfreundlichen, vollelektrischen Mittelklasse-Limousine von München nach Ebern reiste: „Ich denke, dass alle Schüler viel aus diesem Vormittag mitnehmen konnten“.

Auf seine oft straff organisierten Termine angesprochen, sagte Glauber: „Ich habe großen Respekt vor den Schülern und deswegen schon entsprechend viel Zeit eingeplant.“

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