Zwei namhafte chinesische Professorinnen aus der fast 25 Millionen Einwohner großen Metropole Shanghai besuchten das 280 Einwohner zählende Dorf im Steigerwald, um sich dort über die ländliche Entwicklung und Dorferneuerung zu informieren – und wie man es schafft, Fatschenbrunn für junge Leute attraktiv zu halten.
Fatschenbrunn galt lange als das „ärmste Dorf im Steigerwald“, machte dann mit seinem kulturellen Erbe der Hutzel- und Baumfelderkultur durch Franz Hümmer Schlagzeilen sowie der Flurbereinigung und Dorferneuerung, die zu einer Erfolgsgeschichte wurde.
Von Shanghai nach Fatschenbrunn im Kreis Haßberge
Auf der anderen Seite gibt es auch die Urbanisierung in Deutschland, allerdings nicht in dem Maße wie in China, wo die Boomtown Shenzhen 1979 noch 30.000 Einwohner hatte und jetzt 17 Millionen. Deswegen ergriff China die Initiative zur Wiederbelebung ländlicher Gebiete.
Dabei will man von Deutschland lernen. Bei Hutzelbauer Franz Hümmer war die Freude groß, als sich dieser Tage zwei chinesische Wissenschaftlerinnen ankündigten, die bei ihrer vierwöchigen Deutschland-Tour den Steigerwaldort Fatschenbrunn besuchten.
Es waren die Dozentin Chunchun Qian, die an der TU Berlin Germanistik und Deutsch als Fremdsprache studierte, und Professorin Lingyan Qian, die in Freiburg Sprachwissenschaft studierte. Beide arbeiten heute als außerordentliche Jungprofessorinnen an der deutschen Fakultät der Uni Tongjis südlich von Hongkong, die 1907 von der deutschen Regierung gegründet wurde.
Sie waren in der Stadtplanung tätig und befassten sich auch mit der ländlichen Entwicklung. Daraus rührt ihr Kontakt mit Franz Hümmer und vor allem auch mit dem „Dorfpapst“ Gerhard Henkel, den sie auf ihrer Deutschlandtour noch in Fürstenberg treffen werden.
Buch von „Dorfpapst“ Gerhard Henkel findet in China großen Anklang
Von ihm ist das Buch „Das Dorf – Landleben gestern und heute“ und ins Chinesische übersetzt hat es Professorin Lingyan Qian. Sie zeigte sich stolz darauf und dass das Buch einen solchen Anklang in China findet.
Ähnlich wie in Fatschenbrunn mit dem „Hutzelhof“ gebe es in China auf dem Land Initiativen mit Reis- oder Apfelsorten, Rinderzucht und besonderer Landtechnik. Sie selbst wollten sich erneut in Deutschland informieren, wie eine gelungene ländliche Entwicklung aussieht.
Tipps von Fatschenbrunnern zur Konfliktlösung
„Wie sieht die Kommunikation im Dorf aus, und was macht man bei Konflikten?“ Das war die erste Frage von ChunChun Qian im Kreis mit amtierender Bürgermeisterin Sabine Weinbeer, Ortssprecher Felix Ortegel sowie einigen Mitbürgern. „Darf man mit Fragen und Wünschen so einfach zur Bürgermeisterin kommen?“, schob sie nach und wunderte sich, dass es Bürgerversammlungen gebe.
Lingyan meinte, dass sie auch aus einer kleinen Kommune stamme. Auf Nachfrage bezifferte sie ihre kleine Kommune mit einer Million Bürgern, worüber ihre Zuhörer nur staunen konnten.
„In Fatschenbrunn helfen alle zusammen“
Damit war man schon beim Schulsystem, in China mit sechs Jahren Grundschule und dann noch drei Jahren Mittelschule, bevor der weitere Bildungsweg entschieden werde. „Bei uns legen die Eltern sehr viel Wert darauf, dass ihre Kinder viel lernen und studieren. Zum Studieren muss man in die Stadt.“
“Das Entscheidende für ein Dorf ist der Zusammenhalt.
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„Wie hat es Fatschenbrunn geschafft, attraktiv für junge Leute zu bleiben und wie sieht es mit Zuzügen aus,“ bohrten die beiden Chinesinnen nach. Bürgerin Claudia Neundörfer meinte: „Das Entscheidende für ein Dorf ist der Zusammenhalt. Hier helfen alle zusammen beim Feiern oder bei Arbeiten. Ich habe auch zwei Söhne, die nicht weg wollen und sogar weitere Fahrwege zum Beruf in Kauf nehmen“, erzählte sie.
Problem: Nahversorgung und Hausarztmangel
Dabei wurde nichts schön geredet. Als Schwachpunkte wurden die Nahversorgung und das Hausarztproblem angesprochen. Lingyan interessierte die Situation im Alter. Hier wurde auf die verschiedenen Möglichkeiten, wie mobile Dienste bis hin zum Altersheim, aber auch auf die enormen Kosten verwiesen.
Als Zuzügler outete sich ein ehemaliger Berliner, der sich 2020 hier ein Haus gekauft und es umgebaut hat. „Seit drei Jahren bin ich eingezogen, aber der Integrationsprozess ist noch nicht abgeschlossen“, meinte er ehrlich, aber in die Stadt wolle er nicht mehr zurück.
Franz Hümmer stellte abschließend das immaterielle Kulturerbe des Hutzeldörrens in seinem Betrieb vor und die beiden Chinesinnen genossen das außergewöhnliche Aroma der frisch gedörrten Zwetschgen. Nach dem kleinen Rundgang durch das Dorf wird den Gästen dieser Tag sicher noch lange in Erinnerung bleiben.











