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Pfarrer spricht in Rügheim über Krieg und Krisen
Dr. Matthias Pöhlmann, Beauftragter für Sekten- und  Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, hielt den Festvortrag zum Thema „Im Nebel der Pandemie – Verschwörungsglaube und Esoterik in Krisenzeiten“.
Dr. Matthias Pöhlmann, Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, hielt den Festvortrag zum Thema „Im Nebel der Pandemie – Verschwörungsglaube und Esoterik in Krisenzeiten“.
Foto: Jens Fertinger
F-Signet von Jens Fertinger Fränkischer Tag
Rügheim – Krisen befeuern den Glauben an Verschwörungen. Wie die evangelische Kirche dazu steht, zeigt Redner Matthias Pöhlmann beim Dekanatsempfang auf.

Verschwörungserzählungen resultierten aus der Sehnsucht nach einfachen Antworten und seien die Reaktion auf Kontrollverlust. Sie seien Ausdruck und Merkmal von Krisenzeiten. Dieser Ansicht ist Kirchenrat Pfarrer Matthias Pöhlmann, der Beauftragte für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Pöhlmann hielt den Festvortrag anlässlich des Rügheimer Dekanatsempfangs mit Festabend am vergangenen Montag, dem Gedenktag der Reformation.

Das evangelisch-lutherische Dekanat Rügheim mit seiner neuen Dekanin Anne Salzbrenner hatte – wie schon seit Jahrzehnten üblich – dazu eingeladen. In diesem festlichen Rahmen mit Gottesdienst und Vortrag wurden auch langjährige verdiente Mitarbeitende geehrt. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Dekanatskantor Matthias Göttemann ausgestaltet, der die passend ausgewählten Lieder an der Orgel begleitete. Den liturgischen Teil übernahmen neben Dekanin Anne Salzbrenner der stellvertretende Dekan Jan Lungfiel sowie die beiden Synodalpräsidenten Charlotte Seitz und Gerhard Koch.

„Im Nebel der Pandemie – Verschwörungsglaube und Esoterik in Krisenzeiten“ hieß das Thema von Kirchenrat Pöhlmann

Pöhlmann stellte seine Ausführungen unter das Thema „Im Nebel der Pandemie – Verschwörungsglaube und Esoterik in Krisenzeiten“ und zeigte dabei den Zuhörern etliche Folien. Im Gottvertrauen sieht er die Chance für den christlichen Glauben, die mit der Corona-Pandemie ausgelösten Unsicherheiten, den eigenen Kontrollverlust zu reflektieren und auszuhalten. Es gehe im Wesentlichen um Weltverantwortung statt symbolischer Emigration durch Verschwörungsglauben. An dessen Stelle müssten eine Kultur der Barmherzigkeit und eine Ethik der Einfühlsamkeit treten. „Was wir brauchen, sind Christen, die Farbe bekennen, und Bürger, die wehrhafte Demokraten sind, denn Verschwörungsdenken verhindert demokratische Konsensbildung“, sagte Pöhlmann.

Wie soll ein Christ mit Verschwörungsgläubigen umgehen?

Abschließend stellte der Referent Beispiele für den geeigneten Umgang mit Verschwörungsgläubigen vor: Geduldig und achtsam sein, zuhören und ausreden lassen, positive Ziele hervorheben, Feindbilder überwinden helfen, versöhnen und vergeben.

Anne Salzbrenners Predigt basiert auf Psalm 46

Ihrer Predigt legte Dekanin Anne Salzbrenner den Psalm 46 zugrunde und zog Parallelen vom Leben Martin Luthers zur derzeitigen gesellschaftlichen Lage. Sie erinnerte daran, dass der Reformator den Inhalt der alttestamentlichen Worte „quasi als Vorlage nahm für jenes Lied, das geradezu die Hymne der lutherischen Kirche ist“, das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Obwohl die hiesige Bevölkerung von den großen Nöten, von denen zum Beispiel Länder wie Iran, Afghanistan, Ukraine, China oder Taiwan betroffen seien, „nur eine geringe Dosis abbekommt, spüren wir, was in diesen Staaten am Brodeln ist“. Die Mehrheit der Menschen hier werde erst am Luxus gepackt – noch nicht am Existenziellen, denn auch Klimakrise, Kriege und Corona-Pandemie gingen nicht mehr spurlos an einem vorbei.

„Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in großen Nöten“

Der Psalmtext ermutige: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in großen Nöten.“ Dem könne man vertrauen. Denn „alles fängt mit dem Glauben in die bergende, schützende und behütende Macht Gottes an“, das waren die abschließenden Worte der Dekanin.

Ehrungen beim Dekanatsempfang am Reformationstag in Rügheim
Für 50-jährigen treuen Dienst in den verschiedenen Posaunenchören wurden Ingrid Gehring, Alfred Walk und Dieter Hückmann geehrt (4. bis 6. von links); es gratulieren stellv. Dekan Jan Lungfiel (links), Charlotte Seitz (2. v. l.), Dekanin Anne Salzbrenner (3. v. l.) und Gerhard Koch (rechts).
Foto: Jens Fertinger

Der zweite Teil des Abends fand im „Schüttbau“ statt, wo es vor allem um die Ehrung verdienter Mitarbeitenden ging. Da der Kreis der Betroffenen außergewöhnlich groß war, teilte Dekanin Salzbrenner diese in Gruppen ein.

Gegen Ende des offiziellen Teils sprachen Bürgermeister Wolfgang Borst und Dr. Georg Eller ein kurzes Grußwort, ehe man den Abend in gemütlicher Runde beschloss.

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